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Von Maschinen, Ratten und sich verbrüdernden Hexen

Beim Konzert in Dresden wird Masha Qrella zwar mehrmals missverstanden, ihre Songs jedoch treffen in Herz und Hirn.

Die Berliner Sängerin Masha Qrella präsentierte in der Dresdner Schauburg Songs, für die sie Texte von Thomas Brasch vertont hatte. Poesie trifft so filigranen Elektro- und Indie-Pop.
Die Berliner Sängerin Masha Qrella präsentierte in der Dresdner Schauburg Songs, für die sie Texte von Thomas Brasch vertont hatte. Poesie trifft so filigranen Elektro- und Indie-Pop. © ronaldbonss.com

Das synchrone Ansetzen der Wasserflaschen funktionierte noch nicht richtig, sonst zeigten sich Masha Qrella und ihre Begleiter aber bestens aufeinander eingespielt. Die Berliner Sängerin und Songschreiberin, Multiinstrumentalist Andreas Bonkowski sowie Schlagzeuger Robert Kretzschmar machten am Dienstag ihr Publikum in der Dresdner Schauburg überaus glücklich, den Kinosaal dabei zu einem erlesenen Klub.

Die drei lieferten schließlich den Beweis dafür, dass Pop und deutschsprachige Poesie sehr wohl auch live vermählbar sind, dass diese Verbindung ganz ohne Billig-Zutaten und ohne ein Ranwanzen an die Hörerschaft funktionieren kann. Das im Februar veröffentlichte Album „Woanders“, für das Masha Qrella ausschließlich Texte des 2001 gestorbenen Autors, Regisseurs und einstigen DDR-Dissidenten Thomas Brasch vertont hatte, trieb Kritikern reihenweise Freudentränen in die Augen. Fiel es doch so herrlich aus dem Rahmen dessen, was gemeinhin in verwirrend großer Stückzahl und bei immerwährender Verwechslungsgefahr unter dem Label Deutschpop verkauft wird.

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Beim Konzert in Dresden wechselte Masha Qrella von der Gitarre zum Bass, zum Keyboard.
Beim Konzert in Dresden wechselte Masha Qrella von der Gitarre zum Bass, zum Keyboard. © ronaldbonss.com

Aus den 17 Songs der Platte destillierte die 1975 in Ostberlin als Mariana Kurella geborene Musikerin, die zuvor auf rein englische Texte gesetzt hatte, nun ein Bühnenprogramm, das die hinreißenden Wort-Musik-Kombinationen ohne Show-Zinnober in reiner Schönheit wirken ließ. Dafür wechselte sie selbst von der Gitarre zum E-Bass, zum Keyboard, ebenso mühelos zwischen den Stimmungen und musikalischen Mitteln.

Treibenden Beats zu grummelnden Sounds aus der Retorte, die einen packten und sachte durchschüttelten, folgten filigrane Klänge, die mit Samthandschuhen die zugehörigen Verse trugen. Brasch lässt in seinen Gedichten Maschinen von arbeitenden Menschen träumen, Ratten in Haaren nisten oder die Teile Deutschlands sich wie zwei Hexen unterm Apfelbaum verbrüdern.

Qrella sorgte mit ihrer Musik, mit ihrer Interpretation dafür, dass sich jede Metapher entfalten, unmittelbar ins Herz wie ins Hirn vordringen konnte. Hatte sie selbst auch mehrfach das eher erheiternde Gefühl, mit ihren Ansagen offensichtlich etwas missverstanden worden zu sein, gab es für die Songs keinerlei Hindernisse.Nach knapp anderthalb Stunden, in denen Masha Qrella auch Schnipsel aus weiteren Brasch-Texten gelesen hatte, ging’s für die Zugabe ans Frühwerk. „Ticket To My Heart“ klang nett, hatte jedoch nicht die besondere Magie der neuen Nummern.

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