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Wie ein Dresdner Festival die Club-Szene retten will

Das DAVE-Festival setzt auf Elektro-Pionierinnen, kreativen Nachwuchs und auf Partys mit 2-G-Regeln. So will man aus der Corona-Krise herauskommen.

Daphne Oram, die 1956 die erste vollständig elektronische Partitur in der Geschichte der BBC produzierte, ist eine der Protagonistinnen des Films „Sisters with Transistors“. Der wird nun gezeigt.
Daphne Oram, die 1956 die erste vollständig elektronische Partitur in der Geschichte der BBC produzierte, ist eine der Protagonistinnen des Films „Sisters with Transistors“. Der wird nun gezeigt. © PR

Den Damen und Herren der hiesigen Club-Szene ist schon länger klar: Gejammer bringt nichts, nur wer anpackt, kommt aus der Corona-Krise raus. So ist auch das Motto des am Freitag startenden DAVE-Festivals zu verstehen.

„Save the next dance“ bedeute vor allem Konzentration auf die Essenz der Clubkultur, erklärt DAVE-Sprecher Philipp Demankowski. „Deshalb sind wir diesmal mit unserem Programm nicht in die großen etablierten Kulturhäuser, Theater oder Museen gegangen, sondern haben, um die Szene zu unterstützen, so viel wie möglich in die Clubs verlagert.“

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Zum Start des DAVE-Festivals gibt es auch eine Tanzperformance.
Zum Start des DAVE-Festivals gibt es auch eine Tanzperformance. © PR

DAVE steht für Dresden Audio Visual Experience und präsentiert seit 2014 an zehn Herbsttagen mit Dutzenden Veranstaltungen die facettenreiche elektronische Szene der Region. Das soll 2021 nicht grundsätzlich anders sein. „Gestrichen wurden nur ein paar Partys, sonst haben wir in erster Linie alles den Umständen angepasst“, sagt Philipp Demankowski. Ansonsten treffen wie gehabt Partys auf Konzerte, Workshops auf experimentelle Performances.

Jazz-Club zu Besuch im Techno-Club

„Neu ist das Backstage-Dinner in der Chemiefabrik, das Backstage-Erlebnis, kulinarischen Genuss und Live-Musik kreuzt“, so Demankowski. „Bei ,Club Contraire’ rückt ein Club mit seinem Programm in einen anderen Club ein. Diesmal ist es die Tonne, die einen Abend in der Showboxx gestaltet – der älteste Jazz-Club gastiert gewissermaßen im ältesten Techno-Club der Stadt.“

In der Showboxx wird das Team der Tonne einen Gastauftritt haben.
In der Showboxx wird das Team der Tonne einen Gastauftritt haben. © Showboxx

Inhaltlich schlägt das Festival zudem eine Brücke zwischen Vergangenheit und blinkender Zukunft. Der Film „Sisters with Transistors“ feiert Elektronik-Pionierinnen wie die britische Komponistin Daphne Oram, die sich schon in den 50er-Jahren Synthesizer und Musikmaschinen zunutze gemacht haben und dabei Technologien zum Musikmachen entwickelten, die selbst heute Songwriting und Studioarbeit bestimmen. Andererseits lässt sich in insgesamt zwölf DAVE-Workshops unter anderem lernen, wie man eine Platte produziert, wie ein DJ arbeitet oder wie man mit visuellen Effekten punktet.

Mischung aus Chaos und Überarbeitung

Mit Blick auf die vergangenen Monate im Schatten von Corona stellt Pierre Tannert vom Klubnetz Dresden grundsätzlich fest: „Zu Beginn war die Angst vor der Zukunft und ums Überleben der Clubkultur bestimmend. Das legte sich dank umfangreicher Unterstützung von Stadt, Land, Bund und vor allem durch das Publikum recht schnell.“

Seit etwa einem halben Jahr herrsche nun eine Mischung aus Chaos und Überarbeitung. „Das liegt zum einen an den ständigen Änderungen der Regeln und der nicht vorhandenen Planungssicherheit. Zum anderen an den Abbau des Veranstaltungsstaus, der sich in den letzten Monaten gebildet hat.“

Auch beim Backstage-Dinner kann letztlich getanzt werden.
Auch beim Backstage-Dinner kann letztlich getanzt werden. © PR

Tannert weiter: „Von den hiesigen Clubs, Crews oder Kollektiven hat niemand aufgegeben oder musste aufgeben. Das Gegenteil ist der Fall: Es wurde in den letzten Wochen so viel umgesetzt wie schon lange nicht mehr – und das fühlte sich sehr gut an.“

So versichert auch Philipp Demankowski, dass das etwas geschrumpfte DAVE-Organisationsteam hoch motiviert sei, „der Clubkultur in diesen schwierigen Zeiten eine Plattform zu bieten“. Jedoch sei das potenzielle Publikum etwas zurückhaltend.

„Der Vorverkauf läuft schleppend, was sicher mit den unsicheren Bestimmungen zusammenhängt“, so Demankowski. „Aber andere Festivals spiegeln uns dafür großen Zulauf an den Abendkassen. Darauf setzen wir. Zumal es bei den Veranstaltungen, die schon stattfanden, immer eine ganz besondere Atmosphäre ist, wenn man nach so langer Zeit wieder gemeinsam Kultur genießen kann. Da ist dann viel Dankbarkeit beim Publikum da.“

Feiern für Geimpfte und Genesene

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Damit die DAVE-Veranstaltungen nicht unter steriler Atmosphäre leiden, setze man speziell bei Partys auf 2G-Regeln; feiern darf also nur, wer geimpft oder genesen ist. Sonst würden die 3G-Regeln gelten. Pierre Tannert: „Die Tendenz ist eindeutig, daher wird es auch hier bei uns in Zukunft immer mehr Veranstaltungen unter 2G- Bedingungen geben.“

Das DAVE-Festival findet vom 8. bis 17. Oktober vorrangig in Dresdner Clubs statt. Das Programm, Karten und Informationen zu den Einlassregelungen gibt es im Netz.

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