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Der Zwinger in Dresden bekommt eine neue Brücke

Fünf Millionen Besucher kommen jährlich in den Zwinger, viele bisher über eine baufällige Holzbrücke. Wie kann das sein?

Einen idyllischen Anblick bot die Zwingerbrücke nach dem jüngsten Wintereinbruch. Doch die 1930 fertiggestellte und 1945 nach historischem Vorbild wiederaufgebaute Brücke ist marode.
Einen idyllischen Anblick bot die Zwingerbrücke nach dem jüngsten Wintereinbruch. Doch die 1930 fertiggestellte und 1945 nach historischem Vorbild wiederaufgebaute Brücke ist marode. © Sven Ellger

Dresden. Michael Leimert kommt oft in den Zwinger, um die barocke Architektur zu bewundern. „Mich interessiert die Geschichte der Stadt“, sagt der gebürtige Dresdner, der heute nicht weit entfernt in Kleinröhrsdorf wohnt. Ein Problem sieht der 67-Jährige jedoch: die Zwingerbrücke unterm Kronentor. „Für mich ist die baufällige Holzbrücke eine Schande.“ Der Zwinger sei doch eine touristische Attraktion. „Wenn Touristen in den Zwinger kommen, ist die Brücke aber nicht gerade ein Aushängeschild“, sagt Leimert.

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Früher habe es am Zwingerteich sogar eine Gondelstation gegeben. „In den 50er- und 60er-Jahren bin ich noch mit meinem Vater dort im Ruderboot gegondelt. An der Brücke muss endlich etwas geschehen.“ Schließlich kommen bis zu fünf Millionen Besucher jährlich in den Zwinger.

Der Plan: Gestaltungswettbewerb vor dem Neubau möglich

Für einen Neubau ist der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) zuständig. Doch die Zwingerbrücke steht derzeit noch nicht auf dem Plan. „Zuvor wollen wir erst den Zwingerinnenhof fertig bekommen“, sagt der zuständige Dresdner SIB-Niederlassungsleiter Ulf Nickol. Der soll bis Ende 2023 saniert werden. Das soll schrittweise in jeweils einem Viertel des Hofes geschehen. Doch vor den Bauleuten kommen die Archäologen. Eigentlich wollten sie schon Anfang Februar mit ihren Grabungen beginnen. Doch wegen des Wintereinbruchs wurde das verschoben, bis es wärmer wird.

Die Erneuerung der Brücke wird nicht eher begonnen, um den Zugang zum Zwinger zu sichern und damit es während der Bauzeit im Hof nicht noch größere Einschränkungen gibt. „Nach der Hofsanierung beginnt die weitere Planung“, sagt Nickol. Überlegt werden muss, wie die Brücke überhaupt aussehen soll. Es sei durchaus möglich, dass es auch einen Gestaltungswettbewerb gibt. Den gab es beispielsweise auch bei der Waldschlößchenbrücke. 1996 wurden dabei 27 Entwürfe eingereicht. Falls die neue Brücke jedoch so wie die jetzige aussehen soll, sei kein Wettbewerb nötig. „Das müssen wir noch mit der Denkmalpflege abstimmen“, sagt der SIB-Niederlassungsleiter. In einer Studie hat der SIB aber schon die Brückensituationen seit der Zeit Augusts des Starken untersuchen lassen, verweist Nickol auf den ersten Schritt.

Der Ursprung: Brücke als Geheimausgang für Kutschen

Der Bauhistoriker Hartmut Olbrich hatte die lange Geschichte der Zwingerbrücke erforscht. Der promovierte Experte, der Architekt und Archäologe ist, arbeitet seit über 20 Jahren im Zwinger und kennt das Bauwerk genau. Er erklärte die Geschichte.

1714 wird das Kronentor fertig. Hofbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann plant eine dazu passende steinerne Brücke über den Wassergraben vor dem Festungswall. Doch der für Bau zuständige Minister fordert eine Holzbrücke und kann sich damit durchsetzen. Sie wird 1718 fertig. Genutzt wird die Brücke als kleiner Geheimausgang für höfische Kutschen, wenn sie aufs Land fahren wollen.

Das ist die Zwingerbrücke um 1812. Sie wurde wenige Jahre später abgerissen, als man auch den Stadtgraben unterm Kronentor verfüllte. Die erste Zwingerbrücke war 1718 fertiggestellt worden.
Das ist die Zwingerbrücke um 1812. Sie wurde wenige Jahre später abgerissen, als man auch den Stadtgraben unterm Kronentor verfüllte. Die erste Zwingerbrücke war 1718 fertiggestellt worden. © Kupferstich C.F. Spinch, Staatliche Kunstsammlunge

Im Siebenjährigen Krieg wird die Brücke 1759/60 abgebrochen, als die Preußen vor Dresden stehen und die Stadt später besetzen. Sieben Jahre nach Kriegsende wird sie 1770 neu gebaut. Allerdings geschah dies offenbar so schlecht, dass sie schon 1780 zerlegt und neu errichtet werden muss.

Der Abriss: Neue Brücke 1804 bereits baufällig

Doch sie steht nicht lange. Schon 1804 ist die Brücke wieder baufällig. Anfang des 19. Jahrhunderts sind die Befestigungsanlagen nicht mehr nötig. Bis in die 1820er-Jahre werden sie beseitigt. In dem Zuge werden auch der Graben am Zwinger verfüllt und die Brücke abgerissen.

Der Neubau: Nach Prüfung Entscheidung für Holzbrücke

Über 100 Jahre gab es keine Zwingerbrücke. Mit der großen Zwinger-Restaurierung in den 1920er-Jahren überlegt Zwingerbaumeister Hubert Ermisch, den einstigen Festungsgraben wieder freizulegen und die Brücke neu zu errichten. Er begründet das mit dem zunehmenden Verkehr auf der Ostra-Allee, wodurch sich Erschütterungen auf die Zwingergebäude übertragen würden. 1929 beginnt der Bau einer hölzernen Brücke, der im Juni 1930 abgeschlossen wird. Allerdings wird die Brücke wegen der benachbarten Straße etwas kürzer als früher. Der Stadtgraben wird nur teilweise wieder ausgehoben.

Über 100 Jahre nach dem Abriss wird die Zwingerbrücke ab 1929 entsprechend dem historischen Vorbild wieder aufgebaut. Dafür hatte sich damals Zwingerbaumeister Hubert Ermisch eingesetzt.
Über 100 Jahre nach dem Abriss wird die Zwingerbrücke ab 1929 entsprechend dem historischen Vorbild wieder aufgebaut. Dafür hatte sich damals Zwingerbaumeister Hubert Ermisch eingesetzt. © Archiv Landesamt für Denkmalpflege, H. Hantzsch

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Bei den Bombenangriffen 1945 wird die Brücke teilweise zerstört. Nur noch die Fundamente stehen, Leitungen hängen in der Luft. Allerdings steht noch der Brückenkopf an der Ostra-Allee. 1949/50 wird die Brücke wieder aufgebaut und im Juni 1951 freigegeben. Die Brücke muss in den 70er- und 80er-Jahren mehrfach repariert werden. 1996/97 wird sie mit Stahlpfeilern verstärkt. „Noch immer steht die mehrfach reparierte Nachkriegsbrücke", erklärte Olbrich. „Dieses Provisorium kann so nicht bleiben.“

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