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Kurzer Prozess gegen schwer kranken Betrüger

677.000 Euro Schaden, Betrug in 59 Fällen, mehrere Jahre Haft: Dem Angeklagten wurde all das sehr leicht gemacht. Nun fiel das Urteil am Landgericht Dresden.

Andreas E. hat in seinem Prozess am Landgericht Dresden ein schnelles und umfassendes Geständnis abgelegt. Der 60-jährige Betrüger hat seine Krankenkasse nach Strich und Faden ausgenommen.
Andreas E. hat in seinem Prozess am Landgericht Dresden ein schnelles und umfassendes Geständnis abgelegt. Der 60-jährige Betrüger hat seine Krankenkasse nach Strich und Faden ausgenommen. © SZ/Alexander Schneider

Dresden. Aufgrund des Umfangs dieses Verfahrens hätte die Beweisaufnahme Monate dauern können. „Es liegt zu 95 Prozent am Angeklagten, dass wir so effizient verhandeln konnten“, lobte der Vorsitzende Richter Thomas Mrodzinsky den Angeklagten. Das schnelle und umfassende Geständnis sei aber auch überprüft worden. Nach zwei Wochen endete am Donnerstag der Prozess gegen Andreas E. am Landgericht Dresden. Wegen Betruges und Urkundenfälschung in 59 Fällen wurde der 60-Jährige zu vier Jahren Haft verurteilt.

E. hatte gestanden, von seiner privaten Krankenkasse mehr als 677.000 Euro ergaunert zu haben. Er war Inhaber einer Straßenbaufirma als bei ihm im Jahr 2000 eine schwere Darmkrankheit diagnostiziert wurde. Seitdem ist er erwerbsunfähig und hatte seine Firma und Immobilien verkaufen müssen. Aufgrund von Medikamentennebenwirkungen verschlimmerte sich sein Gesundheitszustand erheblich.

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Irgendwann habe E. begonnen, neben den echten Rechnungen für Arzt- und Behandlungskosten auch am eigenen PC gefälschte Rechnungen seiner Krankenkasse einzureichen, Fantasiebeträge von teilweise mehr als 10.000 Euro monatlich. Das funktionierte gut, niemand schöpfte Verdacht. Und E. habe immer weiter machen müssen. Ein Motiv für den Schwindel war zunächst, dass Ärzte ihm gesagt hätten, ihm bleibe nicht mehr viel Zeit, wie E. zum Prozessauftakt berichtet hatte.

Viele weitere Taten sind längst verjährt

Angeklagt wurden nur Fälle aus den Jahren 2015 bis 2020, frühere Taten, ebenfalls mit einem Schaden in sechsstelliger Höhe, seien bereits verjährt gewesen. Mit dem Geld finanzierte sich E. seine Wohnungen, zahlte Unterhalt für Ex-Frau und Sohn, lud die Familie mehrfach zu Urlaubsreisen, darunter allein vier Kreuzfahrten, ein. Er leistete sich auch einen Audi A6 für seine Fahrten zum Arzt und an die See. Der Familie sagte E., das Geld stamme aus seinem Vermögen.

Die Taten seien dem Angeklagten "sehr, sehr leicht gemacht worden", sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Er habe "Schlupflöcher professionell genutzt".

Seit Ende 2020 sitzt der Betrüger in Untersuchungshaft, bekommt auch dort täglich Besuch von der Pflege. Die Angehörigen, die früher gern mit ihm verreist seien, hätten den Kontakt zu ihm jedoch abgebrochen, berichtete sein Verteidiger Andreas Gumprich. Er will sich jetzt dafür einsetzen, dass E. die Strafe nicht voll verbüßen muss, er sei haftuntauglich.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten, der Verteidiger drei Jahre und zehn Monate gefordert. Wenn es nach E. geht, kann das Urteil rechtskräftig werden. Die Staatsanwaltschaft zögert noch.

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