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Lässig aus Dresdner Fernsehturmverein ausgeschlossen

Eklat im Verein, der sich um die Wiedereröffnung des Wahrzeichens kümmert: Sprecherin Barbara Lässig muss wegen "Eskapaden" gehen.

Barbara Lässig darf nicht mehr für den Dresdner Fernsehturmverein sprechen.
Barbara Lässig darf nicht mehr für den Dresdner Fernsehturmverein sprechen. © Marion Doering

Dresden. Nie war die Sanierung des Fernsehturms so greifbar wie seit einigen Monaten. Bund und Land haben zugesagt, Geld zu einer Revitalisierung dazuzugeben. Das ist auch ein Erfolg des Dresdner Fernsehturmvereins, der seit Jahren darum kämpft.

Nun ist es aber vereinsintern offenbar eskaliert. Barbara Lässig, die Sprecherin und damit auch so etwas wie das Gesicht des Vereins, wurde rausgeworfen. Das bestätigt Vereinschef Eberhard Mittag gegenüber der SZ. "Wir haben uns von Frau Lässig getrennt." Als Gründe nennt er mehrere Verstöße gegen die Vereinssatzung. "Es gab einen Verstoß gegen die Datenschutzgrundverordnung und gegen einen Vorstandsbeschluss", so Mittag. Er hege persönlich keinen Groll gegen Lässig. "Aber so geht es einfach nicht", sagt Mittag. "Einige Eskapaden kann man dulden, aber jetzt war es zu viel."   

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Bei dem Verstoß gegen die Datenschutzgrundverordnung soll Lässig laut Mittag einen Mailverteiler genutzt haben, der vom Vorstand nicht freigegeben war. Ein Dresdner, der seit drei Jahren nicht mehr Mitglied im Verein ist, hat sich beschwert, weiter Mails vom Verein zu bekommen.

Schwerer wiege aber Lässigs Auftritt bei der SPD-Fraktion in der vergangenen Woche. Der Verein hatte mehrere Fraktionen des Dresdner Stadtrates besucht, um die Idee von der Seilbahn am Fernsehturm vorzustellen. Die SPD hatte der Bitte um das Gespräch zugestimmt, aber ohne Barbara Lässig. "Wir reden nicht mit Personen, die für die AfD arbeiten", so die Erklärung von SPD-Fraktionsvizechefin Kristin Sturm. Lässig ist Stadtbezirksbeirätin für die Freien Wähler und Mitarbeiterin der AfD-Stadtratsfraktion.

"Frau Lässig hat uns vor der SPD unmöglich gemacht"

Mittag und andere Mitglieder des Vorstandes sagten zu, dass sie ohne Lässig kommen. Die Sprecherin wurde informiert, dass sie bei diesem Gespräch nicht dabei sein solle. Zu dem Termin tauchte Lässig dennoch auf.

"Wir und auch die SPD-Vertreter haben Frau Lässig mehrfach gebeten, zu gehen", so Mittag. Lässig blieb. Irgendwann informierte Sturm den Sicherheitsdienst des Rathauses und Lässig wurde herausgeführt. "Frau Lässig hat uns vor der SPD unmöglich gemacht", wertet Mittag dies.  

Da Mittag Lässig kenne, rechne er damit, dass Lässig dies nicht einfach hinnehme. "Sie hat zwei Wochen Zeit, Einspruch dagegen einzulegen, kann fordern, dass das Thema bei der Jahreshauptversammlung im November auf die Tagesordnung kommt oder auch dagegen klagen." Er warte nun Lässigs Entscheidung ab. Da er aber juristische Auseinandersetzungen fürchte, könne er keine näheren Details nennen.

Lässig sagt, es gebe keine Verstöße. "Ich verlange, dass mir die Vorstandsbeschlüsse und der Mailverteiler vorgelegt werden, erwarte ein Gespräch mit dem Vorstand. Das wurde bisher abgelehnt", sagt sie.

Wegen des Rauswurfs aus der Dresdner SPD-Stadtratsfraktion hat Lässig einen offenen Brief an Sachsens SPD-Minister Martin Dulig und Petra Köpping geschrieben. Darin schreibt sie, die beiden Minister haben "für einen gesellschaftlichen Zusammenhalt appelliert". Sie zitiert von Duligs Homepage, "dass alle Menschen in Sachsen anständig miteinander umgehen" sollen. 

"Der Fernsehturm wird politisch missbraucht"

"Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Ihre positiven und beispielgebenden Intensionen in der Dresdner SPD-Stadtratsfraktion offensichtlich nicht geteilt und erst recht nicht gelebt werden", so Lässig. "Die Stadträte scheinen leider in einem Lagerdenken verhaftet zu sein." Lässig hebt darauf ab, dass sie als Person ausgeladen wurde, weil die SPD-Stadträte für ein Gespräch mit "Personen, die Mitglied der AfD oder AfD-Fraktion sind oder in irgendeiner Weise für diese tätig werden" nicht zur Verfügung stehen. 

Lässig sagt, sie arbeite zwar für die AfD-Fraktion, zu diesem Termin sei sie aber ausschließlich als Pressesprecherin des Fernsehturmvereins gewesen. Sie sagt, die SPD-Fraktion würde den Fernsehturm "politisch missbrauchen". "Aus meiner Sicht wird es mittlerweile bedrohlich für die gesamte Gesellschaft, wenn hier nicht abgerüstet wird und wir uns wieder aufeinander zubewegen."

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