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Noch ein letztes Haus für den Dresdner Postplatz

Das letzte Grundstück am Postplatz soll bebaut werden. Der Investor will, dass sich Dresdner Architekturbüros am Wettbewerb beteiligen. Und er hat eine Vision.

Dort, wo heute Baucontainer der Annenhöfe zwischen Schauspielhaus und Zwingerforum stehen, plant ein Münchner Unternehmen ein Bürohaus.
Dort, wo heute Baucontainer der Annenhöfe zwischen Schauspielhaus und Zwingerforum stehen, plant ein Münchner Unternehmen ein Bürohaus. © Marion Doering

Dresden. Der Postplatz war jahrelang eine der Großbaustellen in der Innenstadt. Kaum vorstellbar, dass es hier noch immer ein letztes unbebautes Grundstück gibt. Gibt es aber. Und was für eins! Es befindet sich zwischen Schauspielhaus und dem Zwingerforum. Eigentlich wollte der Freistaat Sachsen dort sein Probebühnenzentrum bauen. Doch ihm gehörte nicht die ganze Fläche. Ein Teil war in Besitz der Landeshauptstadt Dresden, eine weiterer gehörte einer Erbengemeinschaft. Bereits 2015 begann ein sogenanntes Umlegungsverfahren, man kann es sehr vereinfacht als Grundstückstausch beschreiben. Doch darin gab es erhebliche Schwierigkeiten, eine Lösung zu finden.

Der Durchbruch gelang erst Anfang 2020, nachdem sich die CCD Projektentwicklungs GmbH & Co KG aus München mit dem Freistaat Sachsen und der Erbengemeinschaft über einen Erwerb der möglichen Zuteilungsflurstücke, also Grundstücke, die neu gebildet werden, einigen konnte. CCD-Geschäftsführer Christoph Dross ist in Dresden kein Unbekannter. Er hatte neben Grundstücken an der Könneritzstraße unter anderem Teile des Packhof-Areals hinter dem Haus der Presse gekauft.

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Genau das hat ihm für das Projekt am Postplatz geholfen. Der Freistaat hat für sein Zuteilungsgrundstück am Postplatz laut Dross erheblich größere Flächen im Packhof-Areal erhalten. Dort soll jetzt ein Behördenzentrum errichtet werden, in das die Landtagsabgeordneten und Mitarbeiter während der Sanierung des alten Landtagsgebäudes einziehen. 2025 soll es fertig sein.

Neben der Erbengemeinschaft hat auch die Stadt ihre Fläche am Postplatz an Dross verkauft, um "eine einheitliche städtebauliche Entwicklung sicherzustellen". Damit konnten neue Flurstücke gebildet werden, die jetzt über ein Bebauungsplanänderungsverfahren entwickelt werden. In einem städtebaulichen Wettbewerb soll geklärt werden, was genau auf dem letzten Filetgrundstück am Postplatz entstehen könnte. Die Aufgabenstellung wurde in den letzten Monaten unter Federführung des Dresdner Büros Hamann & Krah gemeinsam mit dem Stadtplanungsamt und der CCD erarbeitet.

Wie soll das Gebäude genutzt werden?

Die CCD möchte ein Büro-, Verwaltungs- und Dienstleistungsgebäude modernster Art errichten, mit dem der Postplatz weiter belebt werden soll. Von ihm soll sich die in Dresden immer stärker werdende Gründer- und Start-up Szene im IT- und Hightech-Sektor angesprochen fühlen. Auch Coworking wäre ein denkbares Konzept, bei dem sich Kreative einen zeitlich flexiblen Arbeitsplatz in einem offen gestaltetem Büro anmieten.

„Ich gehe davon aus, dass die zentrale Lage verbunden mit modernen Bürokonzepten genau diese Zielgruppe ansprechen wird“, sagt der CCD-Geschäftsführer Christoph Dross im Gespräch mit der SZ. Es gebe neue tolle Konzepte, die er bei aktuellen Büroneubauten in Dresden vermisse. Die Arbeitswelt von morgen sei ein dynamisches Miteinander von Büroflächen und sogenannten Makerspace-Angeboten. Das sind offene Werkstätten, in denen es zum Beispiel 3-D-Drucker gibt.

Die Aufenthaltsqualität im Büro gewinne durch die wachsende Home-Office-Müdigkeit enorm an Bedeutung, sagt Dross. Dresden sei führender Halbleiterstandort in Europa. Erst vor wenigen Jahren sei mit dem Smart System Hub ein Kompetenz- und Innovationszentrum zur Industrie-Digitalisierung entstanden. An diese Entwicklung möchte CCD nun am Postplatz anknüpfen: „Wenn man junge, aufstrebende Gründer mit Konzernen und wissenschaftlichen Einrichtungen vernetzen möchte, um digitale Innovationen zu kreieren, braucht man auch eine innovative Bürolandschaft. Diese zu schaffen ist der klare Auftrag an die Architekten!“, sagt der Geschäftsführer.

Dieses Bild der Landeshauptstadt zeigt von oben, um welche Fläche es sich am Postplatz handelt.
Dieses Bild der Landeshauptstadt zeigt von oben, um welche Fläche es sich am Postplatz handelt. © Landeshauptstadt Dresden/Bearbeitung: Hamm/Krah P

Wie ist der Zeitplan?

Laut Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne), wird es ein zweistufiges Verfahren, in dem zuerst die äußere Figur bestimmt wird und anschließend Fassaden und weitere städtebauliche Details herausgearbeitet werden. "Aufgrund der prominenten Lage zwischen Schauspielhaus und Zwingerforum ist dies eine anspruchsvolle Aufgabe“, sagt Kühn. Mit einem Ergebnis ist im Herbst 2021 zu rechnen.

Vom Investor, aber auch vom Stadtplanungsamt ist ausdrücklich erwünscht, dass sich die Dresdner Architektenschaft am Verfahren beteiligt. Interessierte Büros können sich ab sofort unter der E-Mail-Adresse [email protected] unter Angabe einer Referenzliste für die Teilnahme bewerben. Bewerbungen werden bis 10.Juni dieses Jahres berücksichtigt. Gemeinsam von Stadtplanungsamt und CCD werden sie anhand der Kriterien „Referenzen bei Büroneubau“ und „Leistungsfähigkeit des Büros“ bewertet. Alle geeigneten Büros bekommen dann die Aufgabenstellung zugeschickt und haben anschließend sieben Tage Zeit ihren Teilnahmewunsch zu konkretisieren, so CCD.

Der Siegerentwurf soll das Bauleitplanverfahren begleiten und am Ende den Planungsauftrag erhalten, sagt der Baubürgermeister. Zwei der fünf Kandidatenplätze seien laut Investor Dross im Wettbewerb für Dresdner Büros reserviert. Da sich vermutlich mehr als zwei Büros bewerben, würde das Los über die Teilnahme entscheiden. Dies sei auch mit dem Stadtplanungsamt so abgestimmt. „Wir bauen in Dresden und wollen deshalb auch eine Beteiligung von Dresdner Büros.“ Es werde absolut transparent sein, welche Büros ausgewählt werden.

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Dross weiß, dass mehrere Jahre ins Land gehen werden, ehe der erste Spatenstich auf dem Postplatz-Grundstück getan werden kann. "Aber dort soll etwas richtig Gutes entstehen, das braucht seine Zeit."

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