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Gewöhnliche Töne in ungewöhnlicher Zeit

Persönliche Gedanken und Beobachtungen aus dem Dresdner Corona-Alltag. Heute Teil 2 unserer Lockdown-Kolumne: Wie kleine Alltäglichkeiten helfen können.

Den meisten Dresdnern gefällt es, wenn die Dampfer von der Elbe grüßen. Die Dampfpfeifen sind vorerst verstummt.
Den meisten Dresdnern gefällt es, wenn die Dampfer von der Elbe grüßen. Die Dampfpfeifen sind vorerst verstummt. © René Meinig

Dresden. Haben Sie das auch gehört? Am Sonntagabend, es war kurz nach 18 Uhr und längst dunkel, tönte ein Pfeifkonzert von der Elbe durch Dresden. Das waren die Dampfpfeifen der historischen Dresdner Schiffe. 

Mehr als sonst waren sie zu hören, länger waren die Töne auch. Es klang wie ein Gruß zum Abschied vor der Corona-Pause, "machts gut, bis bald". Der Lockdown zwingt die Schiffe zu einer vierwöchigen Auszeit, dann sollte es mit den Dampfern Dresden und Pillnitz und mit den zwei Salonschiffen mindestens bis Weihnachten weitergehen.

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Manchmal nerven die Dampfersignale, doch...

Doch die Kapitäne hatten kein Abschiedshupen verabredet. Es war das Signal für die letzte Fahrt der Saison, hat mir Flottensprecher Robert Körner erklärt, "drei Mal lang". Also drei lange Signale pro Schiff. Deshalb klang es wie ein vielstimmiger Gruß an die Dresdner.

Manchmal nerven die Dampfersignale, ertönen sie doch in der gesamten Saison zum Beispiel immer dann, wenn ein Schiff ablegt. Früher wurde auch vor dem Fährgarten Johannstadt per Dampfpfeife gegrüßt und von dort kam ein Gruß zurück. Das hat schließlich ein Dresdner unterbunden, der sich gestört fühlte, es soll ein Rechtsanwalt gewesen sein...

Doch diese Töne sind zumeist mehr als ein freundlicher Gruß. Es sind nautische Signale, zum Beispiel Achtungszeichen oder Ankündigungen für Wendemanöver.

Eine kleine Alltäglichkeit, ein Zeichen für Normalität

Jetzt fehlen die Schiffssignale. Sie sind eine kleine Alltäglichkeit, die es nur dann gibt, wenn alles normal läuft. Wenn die Elbe nicht zu viel und nicht zu wenig Wasser hat, wenn die Schiffe fahren und alles im Lot ist.

Solche Signale können Zeitpunkte markieren. Besonders häufig waren die Dampfer zum Beispiel gegen 10 Uhr zu hören, weil da die meisten Schiffe auf Tour gingen. Solche Signale können auch Zeiträume beschließen - wie am Montag nach der letzten Fahrt der Saison.  

Jetzt ist es still. Wenn Sie in den nächsten Monaten einen Dampfer hören, ist das eine Ausnahme. Eine schöne Ausnahme. 

Vielleicht kommt das Schiff von der Werft zurück oder macht sich dorthin auf den Weg. Wenn die Dampfer im nächsten Jahr wieder regelmäßig grüßen, ist hoffentlich wieder alles normal. Alltag, wie er schöner kaum sein kann.

An dieser Stelle schreiben Redakteure der Dresdner Stadtredaktionen aus ganz persönlicher Sicht über Gedanken, Beobachtungen und Erfahrungen aus dem Alltag im Lockdown.

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