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Dresden: Einsame Kundgebungen zum 1. Mai

Anlässlich des Tages der Arbeit haben Gewerkschaften, Parteien und Initiativen zu Demos aufgerufen - viele allerdings verlagerten ihre Aktionen ins Netz.

Zum 1. Mai wurde kundgegeben, jeder für sich allein. Große Gefühle der Einigkeit können unter Coronabedingungen kaum zustande kommen.
Zum 1. Mai wurde kundgegeben, jeder für sich allein. Große Gefühle der Einigkeit können unter Coronabedingungen kaum zustande kommen. © Sven Ellger

Dresden. Fast alles lässt sich online stellen und digital versenden - die Reden der Kundgebungen zum 1. Mai, die Musik zur Auflockerung der Pausen, die Gesichter der wenigen Zuhörenden, die Plakate ringsum. Nur der Bratwurstduft nicht. Deshalb haben die Veranstalter der Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Dresden am Sonnabendvormittag gar keinen Grill erst aufgebaut.

Außerdem hätte es ohnehin kaum Abnehmer gegeben wie in anderen Jahren. Das Gros der Teilnehmer wurde zum Schutz vor Corona aufs Netz verwiesen. Die Zusammenkunft anlässlich des Tages der Arbeit, traditionell auch Tag des Arbeitskampfes, fand nur im ganz kleinen Kreis live vor dem Haus des Volkes am Schützenplatz und im größeren per Video-Stream in die heimischen Wohnzimmer statt.

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André Schnabel, Vorsitzender des DGB Dresden, auf der Kundgebung am Schützenplatz.
André Schnabel, Vorsitzender des DGB Dresden, auf der Kundgebung am Schützenplatz. © Sven Ellger

Aus Solidarität mit allen Kollegen und Kolleginnen habe man sich für diesen Weg entschieden, sagt André Schnabel, Vorsitzender des DGB Dresden: "Wir sind vielleicht leiser als in den vergangenen Jahren, aber still sind wir deshalb noch lange nicht." Gerade jetzt gebe es Grund genug, für faire Löhne und Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Besonders präsent seien dabei die Pflegeberufe. "Klatschen allein reicht nicht."

Corona verlangt Gewerkschaften neue Protestformen ab. Schulterschluss in der Masse verbietet der Infektionsschutz. Manche Alternativen wirken skurril. Warnstreiks von Zuhause aus zum Beispiel. Doch es wird sie geben - für Lohngleichheit in Ost und West etwa, für Tarifverträge und -verhandlungen, kündigt Stefan Ehly, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Dresden/Riesa an.

Bedächtige Bekundung zweier Rentner bei einer Veranstaltung der Partei Die Linke zum 1. Mai-Feiertag im Dresdner Alaunpark.
Bedächtige Bekundung zweier Rentner bei einer Veranstaltung der Partei Die Linke zum 1. Mai-Feiertag im Dresdner Alaunpark. © dpa/Robert Michael

Für Auflockerung und Standpunktbekundung gleichermaßen sorgte die Dresdner Ska- und Polkaband Offbeat Cooperative von der Bühne am Schützenplatz aus. Unterdessen hatte die Kundgebung, die Die Linke auf dem Alaunplatz ähnlich reduziert abgehalten hatte, bereits geendet.

Ansonsten ist es am 1. Mai in Dresden ruhig geblieben, teilte die Polizei am Nachmittag mit. Ursprünglich waren etwa ein Dutzend Demonstrationen angemeldet. Auch von Gegnern der aktuellen Corona-Regeln. Am Ende startete von ihnen lediglich ein Autokorso von der Pieschener Allee in Richtung Großschönau im Landkreis Görlitz.

"Wacht auf" steht auf einem Auto einer Demonstration von Corona-Regel-Gegnern, die sich am 1. Mai sammelte. Der Konvoi setzte sich schließlich in Bewegung - durch Dresden und dann in Richtung Großschönau.
"Wacht auf" steht auf einem Auto einer Demonstration von Corona-Regel-Gegnern, die sich am 1. Mai sammelte. Der Konvoi setzte sich schließlich in Bewegung - durch Dresden und dann in Richtung Großschönau. © dpa/Robert Michael

Mutmaßlich ist Großschönau wieder Treffpunkt, weil Sachsens Ministerpräsident im Ortsteil Waltersdorf einen Zweitwohnsitz hat. Als „Autokorso zur Wiederherstellung der Demokratie und Grundrechte“ zogen die Fahrzeuge aus Dresden und umliegenden Landkreisen gegen 14 Uhr los.

Eine weitere Aktion, die sich gegen die Corona-Regeln richtet, hat es vor dem Dresdner Landgericht gegeben. Dort sind Grabkerzen, weiße Rosen sowie Zettel auf die Treppenstufen gelegt worden. Darauf zu lesen: "Zum Gedenken an den Rechtsstaat und dessen mutige Verteidiger im Amtsgericht Weimar."

Vorm Dresdner Landgericht ist am Samstag gegen die Ermittlungen gegen einen Weimarer Amtsrichter protestiert worden.
Vorm Dresdner Landgericht ist am Samstag gegen die Ermittlungen gegen einen Weimarer Amtsrichter protestiert worden. © Ulrich Wolf

Dabei handelt es sich um eine Solidaritätsaktion mit einem Weimarer Amtsrichter. Er hatte Anfang April mit einem Beschluss die Maskenpflicht an zwei Schulen in Weimar ausgesetzt. Eine Entscheidung, die deutschlandweit für Aufsehen und viel Kritik sorgte. Daraufhin wurden mehrere Anzeigen gegen ihn erstattet. Die Staatsanwaltschaft geht nun der Frage nach, ob der Jurist seine Zuständigkeit überschritten hat. In vielen anderen Städten, vor allem in Thüringen, fanden am Samstag ähnliche Beistandsbekundungen statt, auch verbunden mit Aufrufen, Widerstand zu leisten, da in Deutschland "Unrecht zu Recht" werden würde. (mit SZ/lex)

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