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18 Corona-Fälle an einer Dresdner Grundschule

Der Fall des Lehrermangels an der 15. Grundschule sorgte für Aufregung. Jetzt muss es wieder Klassenleiterunterricht geben.

17 Schüler und eine Beschäftigte haben sich an der 15. Grundschule in der Dresdner Neustadt mit dem Coronavirus infiziert.
17 Schüler und eine Beschäftigte haben sich an der 15. Grundschule in der Dresdner Neustadt mit dem Coronavirus infiziert. © Christian Juppe

Dresden. Es wird nicht ruhiger für die Schüler, Lehrer und Eltern der 15. Grundschule in der Dresdner Neustadt. An diesem Donnerstag ist klar geworden: Es gibt weitere Coronafälle.

"An der 15. Grundschule gab es insgesamt acht Schüler und eine Beschäftigte, bei denen ein positives Testergebnis festgestellt wurde. Alle Meldungen erfolgten bisher im September", so Frank Bauer, Leiter des Dresdner Gesundheitsamtes auf SZ-Anfrage.

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In der anschließenden Quarantäne seien bei bisher neun Kindern weitere positive Tests verzeichnet worden. "Es handelt sich hierbei vermutlich um Folgeinfektionen", so Bauer. Diese würden jedoch nicht im Dashboard der Stadt dargestellt, da der Nachweis erst in der Quarantäne und nicht während des Schulbesuchs erfolgte.

Schulen entscheiden über Fortsetzung des Unterrichts selbst

Bauer erklärt auf SZ-Anfrage, warum jetzt wieder Klassenleiterunterricht an der 15. Grundschule angeordnet wurde. "Wird ein positiver Corona-Fall in einer Schule festgestellt, empfiehlt das Gesundheitsamt, in einer festen Gruppe zu unterrichten. Eine Anordnung ergeht jedoch nicht, sondern die Schule muss nach den Möglichkeiten vor Ort entscheiden, ob dieser Empfehlung gefolgt werden kann." Insofern sei auch für diese Schule keine Anordnung von Klassenleiterunterricht ergangen.

Schulleiter Böttger hatte von einer Anweisung gesprochen. "Leider muss ich erneut Überbringer schlechter Nachrichten sein. Unsere Schule muss ab morgen auf Grund einer Anweisung des Gesundheitsamtes Dresden wieder in den Klassenleiterunterricht gehen", schrieb Böttger am Mittwoch an die Eltern. Zwei Klassen müssten in Quarantäne, bedingt durch erneute Aktiv- oder Verdachtsfälle in anderen Klassen. Auch die Hortbetreuung müsste in festen Gruppen übergehen.

"Der Zeitraum dieser Maßnahme ist uns noch nicht bekannt. Damit sind auch keine Drittangebote wie Ganztagesangebote in dieser Zeit möglich", so Böttger.

Lehrermangel war gerade erst geklärt

Obwohl die Dresdner Schulen gerade regulär unterrichten, musste die 15. Grundschule in der Neustadt bereits in der vergangenen Woche einzelne Klassen nach Hause schicken.

"Aufgrund eines außergewöhnlich hohen Personalmangels durch Krankheit, Abordnung, Quarantäne, Studium, Teilzeitbeschäftigung und Freistellung fehlen an unserer Schule diese Woche 8 von 19 Lehrpersonen", schrieb Schulleiter Olaf Böttger vergangene Woche an die Eltern. Er musste eine dritte und eine vierte Klasse ins Homeschooling schicken. Die betroffenen Klassen bekamen Aufgaben durch ihre Klassenleiter, konnten aber den Hort ab 11.45 Uhr besuchen. Erst am Montag konnte der Regelbetrieb wieder aufgenommen werden. Der Unterricht finde wieder nach Regelstundenplan inklusive aller Fächer und Gruppenunterricht statt, hieß es.

"Unsere angespannte Personalsituation wird sich aus heutiger Sicht wesentlich entspannen", sagt Böttger. Seit Montag stehe eine neue Lehrkraft aus dem Pool "Unterrichtsversorgung" fast ganzjährig und eine Vertretungslehrkraft temporär zur Verfügung. Trotzdem könne es in der Zeit bis zu den Herbstferien noch punktuell zu Vertretungs- und Ausfallstunden kommen. "Unsere Zielsetzung ist jetzt, den Schülern Präsenzunterricht in allen Fächern zu gewährleisten", so Böttger.

Das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) bestätigt das. "Es ist gelungen, die problematische Situation innerhalb kurzer Zeit durch eine befristete Einstellung im Programm 'Unterrichtsversorgung' sowie eine Vollabordnung einer Lehrkraft zu lösen", so Sprecher Clemens Arndt. Außerdem seien einige Lehrkräfte aus dem Krankenstand zurückgekehrt. "Die befristete Einstellung wird bis Mai 2022 bleiben können. Die 15. Grundschule hatte zum Schuljahresanfang einen Bedarf von ungefähr 1,5 Lehrerstellen, die nicht besetzt werden konnten", so Arndt.

Auch fehlende Lehrer an anderen Schulen

Es gibt unbesetzte Lehrerstellen, auch in Dresden und nicht nur auf dem Land, das musste Clemens Arndt, Sprecher im Landesamt für Bildung vergangene Woche einräumen. Doch auch auf mehrmalige Anfrage der SZ kann er keine konkrete Zahl nennen, wie viele. "Die Bedarfssituation ist sehr dynamisch und kann sich innerhalb kürzester Zeit verändern, daher ist eine pauschale Aussage, im Sinne einer Momentaufnahme, nicht möglich", so Arndt. Aktuell erfasse die Behörde den "planmäßigen Ausfall". Erst Ende Oktober könne er valide Aussagen machen.

Derzeit sind 52 Lehrer in Dresden langzeitkrank. "Hinzu kommen noch Lehrkräfte, die aufgrund von Corona vom Unterricht befreit werden mussten und daher ihrer Tätigkeit nicht nachgehen können", sagt der Sprecher. Auch hier kann er keine Zahlen nennen.

Das Lasub sei aber "stets darum bemüht", Stellen nachzubesetzen. Jede Möglichkeit werde geprüft, um Vertretungslehrkräfte zu finden. Dabei würden unter anderem Nachbarschulen geprüft und der Bewerberpool für das Programm "Unterrichtsversorgung" berücksichtigt. "Aus diesem Pool können Lehrer ohne Arbeit oder Absolventen des 1. Staatsexamens befristet eingestellt werden bei Elternzeit oder Langzeiterkrankung."

Was kritisieren Eltern und die Bildungspolitiker?

"Die Klagen um fehlende Lehrerkräfte führen wir in Dresden auf hohem Niveau im Vergleich zu den Landkreisen. Natürlich ist jede fehlende Lehrkraft ein Desaster für die Schülerinnen und Schüler", betont SPD-Bildungspolitikerin Dana Frohwieser. Aber sie sieht das Problem nicht allein beim Lehrermangel. "Wir brauchen in der Stadt mehr Flexibilität beim Hortpersonal. Statt Erziehern mit sogenannten Flexverträgen die Stunden zu reduzieren, sollten wir einen Puffer haben, um in solchen Fällen wie der 15. Grundschule wenigstens die Betreuung von Kindern vor Ort zu gewährleisten, die dann dort betreuten Fernunterricht erhalten könnten", fordert Frohwieser.

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Das Thema Hort liegt auch Stefan Kraft am Herzen, der im Kreiselternrat Dresden für die Grundschulen zuständig ist. "Es muss eine Betreuung auch vor 11.45 Uhr sichergestellt sein, so etwas darf nicht passieren." Gerade mit Blick auf die ohnehin schon schwierige vergangene Zeit für die Eltern, als Schulen wochenlang komplett geschlossen waren. Und natürlich müsse auch das Thema Lehrermangel angegangen werden, fordert der Elternrat. Aber das gehe natürlich nicht von heute auf morgen. "Gerade in Prohlis und Reick fehlen Lehrer an den Schulen."

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