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AfD wollte Fernsehballett nach Dresden holen

Die Partei macht verwirrende Vorschläge zur Ausrichtung des Festspielhauses Hellerau - und knickt dann bei ihrem eigenen Antrag ein.

Zum Semperopernball hat das Deutsche Fernsehballett bereits in Dresden getanzt.
Zum Semperopernball hat das Deutsche Fernsehballett bereits in Dresden getanzt. © ronaldbonss.com

Dresden. Irgendetwas hat die AfD gegen das Europäische Zentrum der Künste in Hellerau, das zumindest könnte man meinen: Bereits seit Jahren versucht die Partei dort den zeitgenössischen Tanz der "Dresden Frankfurt Dance Company" auszubremsen. Nun wollte sie ein Gesamtkonzept von Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke), um "die Akzeptanz der Spielstätte in der Dresdner Bevölkerung" zu erhöhen.

Matthias Rentzsch ist der Kulturexperte der AfD im Dresdner Stadtrat. Er forderte per Stadtratsantrag ein "Gesamtkonzept zur Ansiedelung kultureller Institutionen für das Festspielhaus Hellerau". Dazu hat Rentzsch einen ganz konkreten Vorschlag. "In dem Konzept ist zu untersuchen, wie das Festspielhaus Hellerau durch die Ansiedelung neuer kultureller Institutionen und Ensembles als europäisch wichtiges Zentrum der modernen und zeitgenössischen Tanzkunst gestärkt werden kann. Hierbei ist ein Vorschlag zur Ansiedelung des Deutschen Fernsehballetts zu unterbreiten."

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Außerdem fordert der AfD-Stadtrat auch die "Tanzausbildung und der Tanzbildung bei Kindern und Jugendlichen, insbesondere für diejenigen aus sozial benachteiligten Familien" zu stärken und eine "breitere Verankerung des Festspielhauses in die Kunst- und Bildungslandschaft".

Was Rentzsch dabei offenbar übersieht: Kooperationen zwischen Hellerau und anderen Einrichtungen gibt es bereits viele, das Deutsche Fernsehballett hingegen nicht mehr - es wurde aufgelöst.

Hauptstadtkulturvertrag gilt unbefristet

Der sogenannte Hauptstadtkulturvertrag regelt vereinfacht dargestellt, welche Kultureinrichtungen wie Semperoper und Staatsschauspiel das Land in Dresden betreibt und was die Stadt dafür zahlen muss. Die Ansiedlung der "Dresden Frankfurt Dance Company" wird dabei komplett als Beitrag der Stadt angerechnet.

Dresden zahlt für das Ensemble 1,38 Millionen Euro pro Jahr und 120.000 Euro für die Entwicklung der freien Tanzszene. "Sollten die Zuschüsse der Landeshauptstadt Dresden an die Company nicht mehr gezahlt werden, sind diese Mittel direkt an den Freistaat abzuführen", stellt Kulturbürgermeisterin Klepsch klar.

Zudem habe sich das Europäische Zentrum der Künste Hellerau laut Klepsch seit seiner Gründung 2006 zu einem der wichtigsten internationalen Zentren der zeitgenössischen Künste in Deutschland und Europa entwickelt. Es ist Koproduktions- und Gastspielhaus, in dem Tanz, Musik, Theater, Performance, Medienkunst und Bildende Kunst Räume für Produktion und Präsentation geboten werden. Zudem gibt es laut Klepsch das von der AfD geforderte Gesamtkonzept, über das die jeweilige Intendanz entscheidet.

Derzeit hat das Zentrum mehr als 70 Institutionen und Ensembles als regelmäßige Partner und auf dem Areal in Hellerau befinden sich zudem die Kulturstiftung des Freistaates, der Sächsisches Kultursenat und der Deutsche Werkbund Sachsen. Schaut man auch die Internetseite des Zentrums, gibt es bereits Kooperationen mit etlichen Kultureinrichtungen in Dresden und Workshops mit Schulklassen, Jugendlichen, Lehrern und Künstlern.

Klepsch: "Ausgezeichnete Akzeptanz"

Der AfD-Politiker stellt die Akzeptanz des Zentrums bei den Dresdnern infrage und will diese erhöhen. Das sei "Grundanliegen von Kulturpolitik", sagt Klepsch. Aber es sei eben nicht so, dass Hellerau nicht angenommen werde. "Das Zentrum verzeichnete im Jahr 2019 knapp 45.000 Besucherinnen und Besucher bei einer Auslastung von 80 Prozent. Dies ist ein starker Beleg für ausgezeichnete Akzeptanz des Programmangebotes."

Mehr als 20 Prozent des Programms seien darauf ausgerichtet, ein "Vermittlungsangebot" für alle Publikumsschichten zu sein. "Ein klares Zeichen für den Anspruch des Hauses, zeitgenössische Künste nicht nur zu präsentieren, sondern zu kommunizieren“, so Klepsch. Sie verweist auf Kooperationen mit dem Landesjugendorchester, dem Heinrich-Schütz-Konservatorium, ein Dance Projekt 60+ und vieles mehr.

AfD-Rentzsch: "Es war ein Versuch"

Der AfD-Stadtrat hat mittlerweile den Antrag zurückgezogen. "Im Stadtbezirksbeirat Klotzsche wurde fast einstimmig dagegen gestimmt", sagt er selbst. "Deshalb verfolgen wir das nicht weiter."

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Was auch mit daran liege, dass seine Idee, das Deutsche Fernsehballett nach Hellerau zu holen, sich als unmöglich erwiesen hat. "Die Auflösung des Balletts war für dieses Jahr geplant und wurde dann vorgezogen", so Rentzsch. "Es war ein Versuch." Doch dann wird es wirr: "Wir wollten das Ballett in diesem Jahr nach Hellerau holen. Die Ansiedlung hätte mindestens ein Jahr gedauert, also wäre es eh knapp geworden."

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