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Dresden: Mehr Arbeitslose durch Corona

Welche Branchen am meisten getroffen wurden und was sich der Chef der Arbeitsagentur für 2021 wünscht.

Welche Branchen am meisten getroffen wurden und was sich der Chef der Arbeitsagentur für 2021 wünscht.
Welche Branchen am meisten getroffen wurden und was sich der Chef der Arbeitsagentur für 2021 wünscht. © Symbolfoto: Uwe Anspach/dpa

Dresden. 2020 hat Corona die Dresdner voll in Atem gehalten. Jan Pratzka, Chef der Dresdner Arbeitsagentur zieht Bilanz nach diesem schweren Jahr.

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Welche Bilanz ziehen Sie nach diesem schwierigen Jahr 2020?

Die Corona-Pandemie hat deutlich spürbare Auswirkungen auf dem Dresdner Arbeitsmarkt hinterlassen. Wir müssen feststellen, dass sich zwei der drei wichtigsten Arbeitsmarktindikatoren, nämlich die Zahl der Arbeitslosen und die Arbeitskräftenachfrage, negativ verändert haben. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich deutlich erhöht und die Arbeitskräftenachfrage verringerte sich. Für den dritten Indikator, die Beschäftigtenzahlen, werden wir erst im kommenden Monat neue Quartalszahlen erhalten.

Gleichwohl gibt es in dieser schwierigen Situation auch Lichtblicke, denn die Dresdner Unternehmen haben in der Krise vorausschauend agiert und auf Kurzarbeit gesetzt, was die Lage bei den Arbeitslosenzahlen entlastet.

Wie haben sich die Arbeitslosenzahlen von Januar bis Dezember für Dresden entwickelt?

Momentan können wir nur eine Aussage von Januar bis November treffen, die Dezember-Statistiken werden erst am 5. Januar bekannt gegeben. Im bisherigen Jahresverlauf ist die Zahl der Arbeitslosen, mit den üblichen saisonalen Schwankungen, im Schnitt um rund 2.000 höher als im Vorjahr.

Welche Branchen hat die Pandemie am härtesten getroffen?

Am härtesten hat es natürlich die Wirtschaftsbereiche getroffen, die gleich zu Beginn, dann mit Auflagen oder sogar fortlaufend von den Einschränkungen betroffen waren, also den Tourismus, die Gastronomie, die Veranstaltungsbranche und Künstler und die angeschlossenen Gewerke wie Bühnen- oder Messebau, aber auch das verarbeitende Gewerbe, teilweise der Handel und Teile des Gesundheitswesens wie Arztpraxen und Physiotherapien.

Welche sind gut durch die Zeit gekommen und konnten sogar Personal einstellen?

Corona veränderte die Nachfrage und das wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus. Positive Entwicklung gab es nach den ersten vorliegenden Einschätzungen beispielsweise in den Bereichen Information und Kommunikation, bei Liefer-, Post- und Kurierdiensten und auch im Gesundheitswesen. Gleichbleibend positiv war die Entwicklung im Bau-/ Ausbaubereich und im Sozialwesen.

Wie viele Dresdner sind aktuell in Kurzarbeit, in welchen Branchen?

Daten zur tatsächlich in Anspruch genommen Kurzarbeit liegen immer mit Verspätung vor, da Unternehmen bis zu drei Monate Zeit haben, die Abrechnungsunterlagen zur Kurzarbeit einzureichen. Mit Stand November wurden bisher die Monate März bis Mai 2020 endgültig abgerechnet, für die Monate Juni und Juli lagen mit Stand November zumindest qualifizierte Hochrechnungen vor:

Aufgrund der immer weiter eingehenden Anzeigen zur Kurzarbeit, lässt sich ein Trend bezüglich der tatsächlichen Inanspruchnahme vermuten, d.h. ab Mai wird die Inanspruchnahme der Kurzarbeit rückläufig. Bedingt durch den zweiten Lockdown und nachfolgend die Verschärfung mit Schließung auch des Einzelhandels, wird sich die Kurzarbeit wieder erhöhen.

Welche Prognose können Sie für 2021 wagen?

Die Pandemie hat bisher drastischer und einschneidender auf die Wirtschaft Einfluss genommen als beispielsweise die Finanzkrise. Bis Anfang des Jahres hatte wir bei der Arbeitslosigkeit einen guten Stand erreicht, nun sind wir auf das Niveau von 2017 zurückgefallen. Da sich nach dem ersten Lockdown die Wirtschaft relativ schnell erholt hatte, - die Arbeitskräftenachfrage, die im April wirklich hart abgebrochen war, steigt seitdem in kleinen Schritten aber kontinuierlich wieder an - hege ich die Hoffnung, dass dies im Jahr 2021 ebenfalls so kommen wird. Trotzdem wird es wohl ein bis zwei Jahre dauern, das 2019-er Niveau wieder zu erreichen.

Was ist Ihr Wunsch an die Arbeitgeber und Politik?

Was bei allem nicht vergessen werden darf: die Themen, die uns vor der Pandemie bewegt haben, werden ganz sicher nach der Krise wieder im Vordergrund stehen, einige sogar verschärft. Denn aktuell ist beispielsweise eine Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland kaum möglich, hier entstehen weiter Defizite gerade bei gesuchten Spezialisten, die aber für eine erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung gebraucht werden. Daher mein Appell an die Unternehmen, im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten an den Fachkräften festzuhalten.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

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