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Mehr Dresdner sind wegen Corona arbeitslos

Die Krise hat den Arbeitsmarkt in der Landeshauptstadt durcheinandergebracht. Wo es offene Stellen gibt und was mit Langzeitarbeitslosen passiert.

In der Gastronomie hat der personelle Umbruch bereits begonnen. Viele Servicekräfte haben sich andere Jobs gesucht.
In der Gastronomie hat der personelle Umbruch bereits begonnen. Viele Servicekräfte haben sich andere Jobs gesucht. © dpa/Christophe Gateau (Symbolfoto)

Dresden. Monatelange waren Geschäfte, Lokale und Friseursalons in Dresden aufgrund der Pandemie geschlossen. Das hat Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Jan Pratzka, Chef der Dresdner Arbeitsagentur, spricht über die Folgen der Krise.

Wie hat sich die Zahl der Arbeitslosen entwickelt?

"Die Kurzarbeit hat uns tatsächlich vor einer großen Zahl an Arbeitslosen gerettet", sagt Jan Pratzka, Chef der Dresdner Arbeitsagentur. Trotzdem ist die Zahl der Menschen ohne Job gestiegen. Im August dieses Jahres sind rund 18.300 Dresdner arbeitslos gewesen, das waren im Vergleich zu August 2019, also vor Corona, rund 3.000 Menschen mehr.

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Welche Branchen hat die Pandemie besonders getroffen?

Das waren all die Branchen, die im Lockdown nicht oder nur eingeschränkt arbeiten konnten. "In der Dresdner Gastronomie waren etwa 7.300 Menschen auf Kurzarbeit und im Handel rund 6.000", so Pratzka. Auch die Autohäuser mussten mit Einschränkungen leben: Sie waren nicht vollständig geschlossen, angeschlossene Werkstätten durften in Betrieb bleiben.

Wie dramatisch ist die Lage in der Gastronomie?

Wer gerade durch Dresden läuft, sieht an beinahe jedem Lokal und jeder Bar Schilder mit dem Aufruf: "Personal gesucht". Köche und Kellner sind seit Jahren Mangelwaren. Doch die Pandemie hat die Lage zusätzlich verschärft. "Viele sind in die Pflege oder den Einzelhandel abgewandert", beobachtet Pratzka. Aber er sieht nicht alles so schwarz wie viele Wirte. "Wir bemerken, dass ausgebildetes Personal durchaus eine Zukunft in der Gastronomie sieht. Schwierig ist es eher für ungelernte Hilfskräfte, denen im Lockdown, wie den Festangestellten, das Trinkgeld fehlte", sagt Pratzka.

Jan Pratzka leitet die Dresdner Arbeitsagentur. Jeder sollte mit Job mehr Geld zur Verfügung haben als ohne, sagt er.
Jan Pratzka leitet die Dresdner Arbeitsagentur. Jeder sollte mit Job mehr Geld zur Verfügung haben als ohne, sagt er. © Christian Juppe

Auch an den Zahlen wird die Abwanderung sichtbar. "Wir haben aktuell rund 770 Beschäftigte in der Gastronomie weniger als vor der Pandemie." Die Menschen würden jetzt mit der Pandemie-Erfahrung im Kopf eher nach Sicherheit im Job suchen. "Bei vielen Familien wurde es immer wichtiger, dass wenigstens einer von beiden eine feste Stelle hat. Daher gab es viel Abwanderung zum Beispiel in die Gesundheitsbranche, die krisenfest ist", beobachtet Pratzka.

Sind alle Lehrstellen in Dresden besetzt?

Nein. Bei der Berufsberatung der Dresdner Arbeitsagentur sind seit Beginn des Berufsbe-ratungsjahres 2020/2021 bisher 2.249 Ausbildungsplatzbewerber gemeldet. Das sind 31 Jugendliche oder 1,4 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr. Davon sind 455 Jugendliche noch ohne Lehrstelle, 14 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, so die Arbeitsagentur. Auf der anderen Seite des Ausbildungsmarktes wurden bisher von Unternehmen rund 2.133 Ausbildungsstellen gemeldet, das sind 5,1 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. 580 Ausbildungsstellen sind noch nicht besetzt.

Wie viele Dresdner bekommen Hartz-IV?

Rund zwei Drittel der arbeitslosen Männer und Frauen in Dresden werden vom Jobcenter Dresden betreut und bekommen Hartz-IV oder andere Leistungen vom Amt. Im August waren das 12.195 Arbeitslose - 63 Männer und Frauen mehr als im Vormonat und 130 weniger als noch vor einem Jahr. "Der Anteil der Langzeitarbeitslosen, also Menschen, die länger als ein Jahr ohne Job sind, beträgt 39 Prozent, also rund 7.000 Personen", so Pratzka. Das sei aber kein "statisches Schicksal", das Jobcenter hätte speziell ausgebildete Berater für diese Menschen, um zu helfen, wieder Struktur in den Tag zu bringen. Oder im Fall von gesundheitlichen Problemen zu helfen.

Wo gibt es freie Jobs?

"Es gibt aktuell wieder deutlich mehr offene Stellen als noch vor einem Jahr in Dresden, Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind also durchaus vorhanden", so Pratzka. Dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Dresden wurden insgesamt 1.059 Stellenangebote gemeldet. Das waren 31 weniger als im Vormonat, aber 307 mehr als im gleichen Monat des vergangenen Jahres.

Von den Stellenmeldungen kamen die meisten aus den freiberuflich wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (159 Stellen), dem verarbeitenden Gewerbe (112 Stellen), dem Gastgewerbe (100 Stellen), dem Handel (98 Stellen) sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen (97 Stellen). Wichtig ist dem Arbeitsagentur-Chef: "Jeder sollte von einer Vollzeitstelle gut leben können und damit mehr Geld zur Verfügung haben als ohne Job." Das schaffe Anreize.

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