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Lösung fürs Dresdner "Assi-Eck"?

Scherben, Straßenbahn-Streicheln und laute Musik - Konflikte gibt es viele in der Neustadt. Jetzt sollen eine Frau und ihr Team es richten.

Neustadt-Abend nach Lockerung des Corona-Lockdowns.
Neustadt-Abend nach Lockerung des Corona-Lockdowns. © Sven Ellger

Dresden. Zuhören, Vermitteln, Konflikte lösen: das sollen die Aufgaben der "NachtschLichter" sein. Am kommenden Wochenende werden sie ihre Arbeit am "Assi-Eck" in der Neustadt aufnehmen. Die Schlichter sind ein Kommunikationsteam des Stadtbezirksamtes Neustadt, das sich für mehr Toleranz, Rücksichtnahme und Respekt insbesondere an der Kreuzung Louisenstraße/Rothenburger Straße/Görlitzer Straße einsetzen soll, so die Stadt. An der „Schiefen Ecke“, wie sie von Nicht-Neustädtern auch genannt wird, treffen sich im Sommer viele Menschen und genießen die Begegnung mit anderen. Die Kehrseite: Anwohner klagen über Lärm, Straßenbahnen können wegen blockierter Schienen nicht fahren und am nächsten Morgen sorgt Müll für einen unschönen Anblick.

Nun will die Stadt eingreifen und startet nach eigenen Angaben einen "Maßnahmenkatalog". Polizei und Ordnungskräfte sind vor Ort, es gibt aber auch Informationskampagnen und Aktivitäten von Anwohnern. Teil des Pakets sind auch die "NachtschLichter".

Koordinatorin Anna Anastasiou und ihr achtköpfiges Team sollen einen dialogorientierten Ansatz in Form eines allparteilichen Konfliktmanagements. Ziel sei es, zuzuhören, zu moderieren, zu vermitteln, Impulse zu geben, Perspektivwechsel anzuregen und ein gutes Miteinander zu unterstützen. Dabei soll es um Themen gehen wie Bedürfnisse der Partygäste der Neustadt aber auch Rücksicht für die Anwohner und ihre Kinder.

Seit 2. Juli sind die "NachtschLichter" abends und nachts, vor allem am Wochenende, in Zweier- oder Viererteams unterwegs. Ihr Einsatz ist zunächst bis Ende Oktober vorgesehen. Am Ende der Saison ist eine wissenschaftliche Evaluation geplant, um Erkenntnisse für den weiteren Einsatz zu gewinnen, die auch anderen Städten zur Verfügung stehen können. Konfliktmanagerin Anna Anastasiou ist seit dem 16. Juni bis Ende des Jahres in Teilzeit beim Stadtbezirksamt Neustadt angestellt.

Die "NachtschLichter" suchen noch nach Verstärkung. Wer über Kommunikationsfähigkeit und Sozialkompetenz, hohe Konfliktfähigkeit und ein freundliches, sicheres Auftreten, sowie anwendbare Kenntnisse über Deeskalationsmethoden verfügt, könne sich beim Stadtbezirksamt Neustadt bewerben. Alle Informationen zur Ausschreibung stehen unter www.dresden.de/honorarkraft-neustadt

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Immer wieder meldeten die Dresdner Verkehrsbetriebe und die Polizei Probleme an der Kreuzung. "Die Situation hat sich in diesem Jahr trotz der Corona-Einschränkungen verschärft", sagt Anja Ehrhardt, Sprecherin der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) im November 2020. "Wir mussten die Straßenbahnlinie 13 in diesem Jahr bisher insgesamt mehr als 90 Stunden auf 17 Nächte verteilt umleiten, entweder auf Anordnung der Landespolizei oder aus eigenem Antrieb."

Im Jahr davor waren es noch knapp zwölf Stunden in acht Nächten, in denen die Bahnen umgeleitet werden mussten. 2018 waren es knapp 38 Stunden in 15 Nächten und 2015 war die Kreuzung nur für zwei Stunden in einer Nacht blockiert.

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Die Polizei führt keine gesonderte Statistik für die Kreuzung. Sie gehört aber zu den Schwerpunkten bei den Einsätzen in der Äußeren Neustadt und die ist für die Polizei ein Dauerbrenner. Zwischen dem 10. Juli und dem 1. November des vergangenen Jahres führten die Beamten 39 Polizeieinsätze im Ausgehviertel durch. Es wurden 194 Strafanzeigen aufgenommen und 171 Tatverdächtige gestellt.

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