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Besserung am Dresdner "Assi-Eck"?

An der Kreuzung in der Neustadt ballten sich zuletzt die Probleme mit der Lautstärke und Glasscherben. Der Ortsamtsleiter zieht ein Fazit des Sommers.

Ein Fahrzeug der Polizei steht auf der Kreuzung Rothenburger Straße/Görlitzer Straße und Luisenstraße "Assi-Eck". Das Dresdner Szeneviertel kämpft mit zunehmendem Partytourismus.
Ein Fahrzeug der Polizei steht auf der Kreuzung Rothenburger Straße/Görlitzer Straße und Luisenstraße "Assi-Eck". Das Dresdner Szeneviertel kämpft mit zunehmendem Partytourismus. © Arvid Müller/dpa-Zentralbild (Archiv)

Dresden. Nach Monaten des Lockdowns sehnten sich viele Dresdner wieder danach Freunde zu treffen und gemeinsam die Abende zu genießen. An milden Sommerabenden ist das "Assi-Eck", also die Kreuzung von Louisenstraße und Görlitzer Straße ein beliebter Treffpunkt in der Neustadt. Doch immer wieder entbrennt und entbrannte in der Vergangenheit dort ein Konflikt zwischen den Feiernden und den Anwohner. Die Lautstärke, der Müll und das Wildpinkeln sind häufige Streitpunkte. Wie lief es in diesem Sommer?

Wie liefen die letzten Wochen am Eck?

Der Neustädter Ortsamtsleiter André Barth zieht ein erstes, "positives Fazit aus der Entwicklung am Eck", wie er im SZ-Gespräch sagt. "Die Präsenz von Nachtschlichtern und der Polizei sowie die Zusammenarbeit untereinander haben gut funktioniert", so Barth. Die Nachtschlichter sind ein Kommunikationsteam aus jungen Menschen, die vorwiegend Freitag-und Samstagabend mit den Feiernden ins Gespräch kommen und auch für die Bedürfnisse und Probleme der Anwohner sensibilisieren sollen. "Das Problem der Boxen, über deren Lautstärke sich die Anwohner oft beschwert haben, hat abgenommen", sagt Barth. Er beobachtet durch die Polizeipräsenz aber zunehmend eine Verdrängung der Partyszene Richtung Alaunpark, Alaunstraße und Martin-Luther-Platz. "Dort bilden sich auch zunehmend Bewohnerinitiativen, um auf die Probleme aufmerksam zu machen", sagt der Ortsamtsleiter.

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Weiterhin ein Problem: Wildpinkeln und die vielen Scherben, die nach den Partynächten übrig bleiben. "Vor allem der Spielplatz Louisengrün wird oft zur Erleichterung genutzt", so Barth. Um die Problematik der Scherben in den Griff zu bekommen, könnte sich der Ortsamtsleiter ein Glasflaschenverbot am Eck gut vorstellen.

Auch Anna Anastasiou, die Koordinatorin Konfliktmanagement bei den Nachtschlichtern, schaut positiv auf den ersten Sommer am Eck zurück. Seit Juli sind sie und ihr Team dort unterwegs. "Unsere Bekanntheit ist gestiegen und die meisten Menschen reagieren sehr positiv auf uns", sagt sie. Die Schlichter sprechen die Menschen direkt an und wollen auch deren Sicht erfahren. "Oft hören wir, dass es schwierig ist, einen Treffpunkt für die Feiernden zu finden, an dem sie nicht das Gefühl haben, zu stören." So bräuchten die jungen Menschen Freiräume, um sich an den Abenden treffen zu können. SPD-Stadtrat Vincent Drews schlägt als mögliche Flächen die Westerweiterung im Alaunpark oder den Alten Leipziger Bahnhof vor.

Anna Anastasiou sieht bei allen ersten Erfolgen des Projektes aber auch Probleme, die nach wie vor da sind und angegangen werden müssen. "Das Problembewusstsein für das, was die etwa die Scherben anrichten können, ist bei vielen nicht da. Jemand muss das am nächsten Morgen wegräumen und Menschen könnten sich verletzten", sagt sie. Sie merkt auch, dass der kommunikative Ansatz, den sie mit ihrem Team verfolgt bei steigendem Alkoholpegel schwieriger umzusetzen ist.

Konnte die Straßenbahn fahren?

Auch DVB-Sprecher Falk Lösch ist vorsichtig zufrieden mit dem Sommer, zumindest mit dem Juli und August. "Am 4. Juli gab es die letzte Blockade der Linie 13. Ob das jetzt ein Erfolg der „Nachtschlichter“ oder der Polizeiaktionen ist, weiß man nicht. Oder vielleicht lag es nur am Wetter?" Tatsächlich war der August sehr verregnet.

2021 habe es insgesamt 12 Störungen in der Neustadt, wovon drei über zehn Stunden gingen. "Das auch, weil die Schienen und Weichen am nächsten Morgen von Glasbruch und Unrat befreit werden mussten. Das hat schon mehrere tausend Euro gekostet", sagt er. Dazu komme der Dispatchereinsatz. "Von den negativen Auswirkungen der Umleitung für Fahrgäste und auf unser Image mal ganz abgesehen", so Lösch.

Wie oft musste die Polizei anrücken?

Die Dresdner Polizei gibt auf Anfrage 44 Beschwerden über nächtliche Ruhestörung im August 2021 aus der Neustadt bekannt. "Zehn Beschwerden betrafen den Alaunpark", sagt Polizeisprecher Marko Laske.

Es gab 44 Einsätze im August 2021 im täglichen Dienst sowie weitere acht geplante Einsätze an den Wochenenden. "Die Einsätze im täglichen Dienst sind breit gefächert und reichen von Eigentumskriminalität über Körperverletzungsdelikte bis hin zu Ordnungsstörungen", so Laske.

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Die Dresdner Polizei zählt vorher bis Mitte Juli schon rund 3.200 Einsätze in den Stadtteilen Äußere und Innere Neustadt. Darunter fallen auch Verkehrsunfälle. Aber eben auch sogenannte Ordnungsstörungen und Straftaten wie Körperverletzungsdelikte, Diebstähle und Sachbeschädigungen. Die Polizisten sind vor allem jetzt im Sommer sehr präsent in der Neustadt, vor allem im Alaunpark und am "Assi-Eck". "Der Alaunpark wird ebenso kontrolliert wie die Äußere Neustadt. Einen festen Streifenplan gibt es hierfür nicht. An den Wochenenden gehe man öfter im Alaunpark Streife, so die Polizei.

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