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"Assi-Eck" in der Neustadt: "Besonders Familien sind auf eine Nachtruhe angewiesen"

Am "Assi-Eck" in der Dresdner Neustadt gibt es immer wieder Ärger zwischen Anwohnern und Feiernden. Jetzt gibt es neue Lösungsvorschläge.

Von Julia Vollmer
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Das Eck an der Kreuzung von Louisenstraße und Rothenburger Straße ist ein beliebter Treffpunkt.
Das Eck an der Kreuzung von Louisenstraße und Rothenburger Straße ist ein beliebter Treffpunkt. © Archiv: Benno Löffler

Dresden. Beschwerden über die Lautstärke, Glasscherben und Wildpinkler: Am "Assi-Eck" in der Neustadt prallen seit Jahren Anwohnern und Feiernden aufeinander. Die einen wollen nachts Spaß haben und Freunde treffen, die anderen schlafen. Die Kreuzung von Louisenstraße und Rothenburger Straße im Kiez ein belebter Treff. Nun soll es zu dem Thema voraussichtlich Mittel April eine Einwohnerversammlung geben.

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  • Warum findet die Anwohnerversammlung statt?
  • Geht es mit den Nachtschlichtern weiter?
  • Wie war die Situation in den vergangenen Jahren?
  • Was wünschen sich junge Menschen für den Kiez?

Warum findet die Anwohnerversammlung statt?

Der Stadtbezirksbeirat Neustadt hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach mit der Problematik befasst. Auf Antrag der Grünen hat dieser die Einberufung einer Einwohnerversammlung beschlossen, um die Notwendigkeit und Akzeptanz weiterer Maßnahmen mit den Neustädtern zu diskutieren.

Außerdem soll durch die Umgestaltung der Louisenstraße das Geschehen entzerrt und so die Lage an Hotspots entspannt werden. "Die Beschwerden gingen tatsächlich jetzt schon los, obwohl noch gar nicht richtig Frühling ist", beobachtet Stadtbezirksamtsleiter Andre Barth.

Nun will man mit den Neustädtern beraten, was Wege sein könnte, um die Probleme zu lösen. Zur Diskussion steht unter anderem das Glasflaschenverbot. "Diskutiert werden könnte auch ein Pfandsystem, um der Müllproblematik besser in den Griff zu bekommen", schlägt Grünen-Stadträtin Tina Siebeneicher vor. Einig sind sich die Politiker: Es muss etwas passieren.

"Wenn wir die Situation nicht verbessern, sind einige Wohnungen in Zukunft nur noch als Ferienwohnung für Partygäste vermietbar. Die Neustadt soll ein lebendiges Viertel bleiben. Dazu brauchen wir einen neuen Kompromiss zwischen Bewohnern und Besuchern unseres Stadtteils", so Grünen-Stadtbezirksbeirat Klemens Schneider.

Ulla Wacker, ebenfalls Stadtbezirksbeirätin ergänzt: "Insbesondere Familien sind auf eine gewisse Nachtruhe angewiesen und wollen nicht an jedem Sommermorgen durch Glasscherben auf den Gehwegen laufen."

Geht es mit den Nachtschlichtern weiter?

2021 gab es zum ersten Mal Sozialarbeitende am Eck, die mit allen Beteiligten in den Nächten Gespräche gesucht haben und versuchten, zu vermitteln. Das Projekt der "Nachtschlichter" wird auch in diesem Jahr in der Äußeren Neustadt fortgeführt.

Ende Dezember kam der Zuwendungsbescheid des Freistaates. Damit werden vom Freistaat Sachsen 90 Prozent der Kosten aus Steuermitteln des Landeshaushaltes übernommen. Den zehnprozentigen Eigenanteil von 130.000 Euro hat der Stadtbezirksbeirat Neustadt schon zur Verfügung gestellt. "Wir suchen dafür aktuell noch Menschen, die als Nachtschlichter arbeiten wollen", so Barth.

Wie war die Situation in den vergangenen Jahren?

Polizei und Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) zeigten sich Ende 2021 zufrieden mit der Entwicklung am "Assi-Eck". Ein Beitrag sei mit Sicherheit auch den Nachtschlichtern zuzuschreiben, sagte Polizeisprecher Marko Laske. In Summe gab es 2021 rund 60 Einsätze mit Bezug auf die Kreuzung. "Die Gründe sind verschieden, angefangen von Gefahrenabwehr über Ordnungswidrigkeit bis hin zu Straftaten", so Laske.

In der ganzen Neustadt waren es 2021 mehr als 4.200 Einsätze. Auch 2020 gehörte die Ecke zu den Schwerpunkten bei den Einsätzen in der Äußeren Neustadt und war für die Polizei ein Dauerbrenner. Zwischen dem 10. Juli und dem 1. November 2020 führten die Beamten 39 Polizeieinsätze im Ausgehviertel durch. Es wurden 194 Strafanzeigen aufgenommen und 171 Tatverdächtige gestellt.

Was wünschen sich junge Menschen für ihren Kiez?

"Junge Menschen aus der Neustadt wünschen sich vor allem einen Ort, wo sie sich aufhalten können ohne Konsumzwang und an dem sie frei sein können", sagen die Sozialarbeitenden Nathalie Stratmeier und Fabian Günther von der Mobilen Jugendarbeit Neustadt der Diakonie. Oft hätten Jugendliche das Gefühl, überall wo sie sich aufhalten, zu stören.

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"Durch die lange geschlossenen Clubs und Bars gab es auch eine Verdrängung der Menschen nach draußen auf die Straße", so Günther. Die beiden wünschen sich, dass die Bedürfnisse der jungen Menschen gehört werden und sie auch bei der Einwohnerversammlung mit einbezogen werden.

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