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Auszeichnung für Dresdner Sommelier

Jens Pietzonka von der Weinzentrale wurde gerade von einem Fachmagazin zum besten Sommelier Deutschlands gekürt. Warum das ein kleines Wunder ist.

Von Henry Berndt
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Vor sechs Jahren eröffnete Jens Pietzonka seine Weinzentrale in der Neustadt.
Vor sechs Jahren eröffnete Jens Pietzonka seine Weinzentrale in der Neustadt. © Sven Ellger

Dresden. Als er mit der Idee kam, erklärten ihn nicht wenige für verrückt. Einen schicken Weinladen direkt in der Neustadt? Das könne doch nicht funktionieren. Aber Jens Pietzonka hat das Gegenteil bewiesen. Sechs Jahre nach der Eröffnung seiner Weinzentrale an der Hoyerswerdaer Straße brummt der Laden - sofern die Corona-Beschränkungen das zulassen.

"Die Dresdner kommen nun ganz gezielt zu uns und verlangen mittlerweile auch das ein oder andere große Gewächs", sagt der 49-Jährige. Eine große Lage von Winzer Klaus Zimmerling oder ein Chardonnay von Martin Schwarz wird bei ihm auch im Glas serviert - ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. "Ich denke, wir haben für die Weinkultur hier einiges erreicht", sagt Pietzonka.

16.000 Gastro-Kollegen haben mitentschieden

Das ist offenbar auch den Weinkennern in anderen Ecken Deutschlands nicht verborgen geblieben. Das Fachmagazin "rolling pin" hat Jens Pietzonka gerade zum besten Sommelier des Landes gekürt. Die Zeitschrift spricht selbst vom "härtesten und fairsten" Branchen-Award, der in dieser Kategorie in diesem Jahr zum ersten Mal verliehen worden sei. Insgesamt wurden rund 16.000 Stimmen aus der Gastro-Branche abgegeben - und die meisten für Pietzonka.

"Das ist natürlich für uns und mich eine große Auszeichnung, aber auch für Dresden und den vinophilen Osten." In der Regel würden solche Preise nur im hippen Berlin oder im Westen verteilt.

Start auf dem Weißen Hirsch

Da zeigt sich, dass Jens Pietzonka einerseits zufriedene Kunden und Partner in der Region hat, sich andererseits über die Jahre aber auch ein Netzwerk über das ganze Land aufbauen konnte. Kein Wunder, ist er doch schon ziemlich herumgekommen in seiner beruflichen Karriere.

In Dresden geboren, wurde ihm die Gastronomie praktisch in die Wiege gelegt. Seine Eltern leiteten einst das Restaurant im Dresdner Fernsehturm. Vor der Wende flüchtete Pietzonka über Ungarn in den Westen und machte dort eine Lehre als Restaurantfachmann.

Bald schaffte er es in die besten Häuser und machten sich einen Namen als Weinkenner. Unter anderem arbeitete er in Baden-Baden, Berlin, Frankfurt, Hamburg und in der Schweiz. Für Familie und Kinder kam Pietzonka schließlich nach Dresden zurück und baute hier an der Seite von Stefan Hermann das Bean & Beluga auf dem Weißen Hirsch mit auf, wo er acht Jahre blieb.

Ein Ort auch für die Nachbarn

Dann erfüllte er sich 2015 seinen Traum von einer entspannten Weinbar. "Ich wollte weg von dem ganzen Schickimicki und etwas Puristischeres aufbauen", sagt er. Sein Plan ging auf. Inzwischen rufen die bekanntesten Winzer bei ihm an, um zu fragen, ob er sie auf seine Weinkarte nehmen möchte. "Genauso wichtig ist mir aber, dass wir auch die Kiezbewohner mit abholen." In der Weinzentrale sei eben nicht nur der Anwalt oder der Politiker zu Gast. "Wir haben hier eine wirklich bunte Mischung und gerade das macht unglaublich viel Spaß."