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Debatte um Dresdner Schulstandorte geht weiter

Die Bildungspolitiker sind mit neuen Schulstandorten zufrieden. In der Altstadt sollen fehlende Grundschulplätze kompensiert werden.

An der Freiberger Straße soll ein neuer Schulkomplex entstehen. Weil in den kommenden Jahren wohl weniger Oberschulplätze gebraucht werden, zieht dort nun ein Berufsschulzentrum ein.
An der Freiberger Straße soll ein neuer Schulkomplex entstehen. Weil in den kommenden Jahren wohl weniger Oberschulplätze gebraucht werden, zieht dort nun ein Berufsschulzentrum ein. © Visualisierung: Stadtverwaltung Dresden

Dresden. Im Ringen um Dresdner Schulstandorte scheinen sich jetzt erste Lösungen abzuzeichnen. So soll Gorbitz sein 2019 neu gegründetes Gymnasium am Leutewitzer Ring behalten. Das teilt sich den Standort derzeit noch mit dem Berufsschulzentrum für Wirtschaft, das nun aber einen Neubau an der Freiberger Straße bekommt. Gemeinsam mit den Dresdner Bildungspolitikern im Stadtrat ist es Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) gelungen, eine Lösung für die beiden Schulen zu finden, mit der alle Beteiligten - auch die Schulleiter, versichert Donhauser - einverstanden sind.

SPD-Stadträtin Dana Frohwieser, die sich schon lange dafür einsetzt, dass Gorbitz Gymnasialstandort wird und auch bleiben soll, begrüßt die Entscheidung Donhausers. "15 Jahre Kampf für Gorbitz und endlich ein breit getragenes Bekenntnis im Stadtrat: Gorbitz braucht, verdient und behält sein eigenes Gymnasium", so die bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. "Beste Bildungschancen in allen Stadtteilen sind ein zentraler Baustein einer sozialen Stadtentwicklung", sagt Frohwieser mit Blick auf Gorbitz, wo vergleichsweise viele Kinder und Jugendliche in sozial schwachen Familien leben.

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"Standpunkte und Bedenken ausgetauscht"

Die SPD-Politikerin begrüßt insbesondere den gemeinsamen Weg, den Donhauser in mehreren Gesprächen mit den Bildungsexperten und der neuen Chefin des Schulverwaltungsamtes, Katrin Düring, beschritten hat. "Eines muss man Jan Donhauser lassen: Einen derart aufwendigen, aber vor allem kooperativen Prozess auf sich zu nehmen, welcher am Ende politische Richtungsentscheidungen bestätigt, die sowohl von seinen CDU-Amtsvorgängern, als auch seiner eigenen früheren Fraktion zum Teil bekämpft wurden, verlangt große Anerkennung und absoluten Respekt."

Auch Anja Apel von den Linken spricht von einem konstruktiven, gemeinsamen Dialog, bei dem Standpunkte und Bedenken ausgetauscht wurden. Vor allem mit Blick auf den geplanten Standorttausch zwischen der 10. Grundschule und der Erich-Kästner-Förderschule sei Apel besorgt gewesen. Allerdings hat Donhauser diesen Plan, mit dem er mehr Grundschulplätze für die Altstadt schaffen will, für die kommenden zwei Jahre auf Eis gelegt, will die Entwicklung im Gebiet zunächst beobachten. Bis dahin sollen Schulcontainer vor der 10. Grundschule die fehlenden Plätze bereitstellen.

"Den Vorschlag, in der Dresdner Altstadt an der 10. Grundschule mit mobilen Raumeinheiten erst einmal zwei Jahre zu überbrücken, halten wir für eine gute Lösung", so Apel, die ebenfalls die Entscheidung für das Gorbitzer Gymnasium und das Berufsschulzentrum begrüßt.

Eingespartes Geld soll bei Berufsschulen bleiben

Dem folgt auch Torsten Nitzsche von den Freien Wählern. In Bezug auf eine andere Standortentscheidung für die Berufsschulen - nämlich der Umzug des BSZ für Elektrotechnik aus dem sanierungsbedürftigen Altbau am Strehlener Platz in einen Neubau nach Prohlis - ist er allerdings skeptisch, ob die für den Neubau vorgesehenen 70 Millionen Euro tatsächlich ausreichen. Dennoch spart die Stadt zunächst Geld, denn eine umfassende Sanierung des Altbaus am Strehlener Platz würde mit 130 Millionen Euro zu Buche schlagen. "Es ist vernünftig, auf diese hohe Ausgabe zu verzichten", sagt Nitzsche.

Donhauser will den Standort perspektivisch als Auslagerungsschule nutzen, wenn andere Schulhäuser saniert werden. Nitzsche schlägt indes vor, mit den Hochschulen ins Gespräch zu kommen, die diese Räume möglicherweise nutzen wollen, sodass sich die Stadt von diesem großen Standort trennen könnte.

Nitzsche fordert nun aber, dass das mit den Umzügen der BSZ eingesparte Geld auch bei den Berufsschulen bleibt und stattdessen in die dringend nötige Sanierung des BSZ für Agrarwirtschaft und Ernährung in Altroßthal investiert wird. "Dieser Standort ist für Dresden enorm wichtig und hat auch über die Stadtgrenzen hinaus große Strahlkraft."

Auch CDU-Stadtrat Matthias Dietze zeigt sich froh über die Lösungen, auf die sich alle Beteiligten verständigen konnten. "Wir haben eine Variante gefunden, die kostengünstig ist und trotzdem qualitativ hochwertigen Berufsschulunterricht gewährleistet."

Terrassenufer soll eher Grundschulstandort werden

Ein umstrittenes Thema bleibt weiterhin, wie die fehlenden Grundschulplätze in der Altstadt kompensiert werden sollen. Dazu hat Donhauser nun einen weiteren Vorschlag unterbreitet, den er in der vergangenen Woche bereits mit den Bildungspolitikern diskutiert hat. Donhauser will den Schulkomplex am Terrassenufer, in dem derzeit die Gymnasiasten aus Cotta lernen und der schon längere Zeit als Auslagerungsstandort dient, ab 2028 für eine Grundschule nutzen.

Dann müssten die Schulcontainer, die am Terrassenufer aufgebaut wurden, um Platz für große Gymnasien zu schaffen, ohnehin wieder abgebaut werden. Vorher sollen nach Donhausers Willen die Schüler des Bertolt-Brecht-Gymnasiums den Auslagerungsstandort nutzen, wenn ihr Schulkomplex in der Johannstadt saniert oder neu gebaut wird. Frohwieser und Nitzsche lehnen diesen Plan allerdings ab, weil die Grundschulplätze nicht erst 2028, sondern jetzt benötigt werden.

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