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Blaues Wunder: Bleibt Sanierung auf der Strecke?

Die Sanierung der denkmalgeschützten Dresdner Brücke kostet rund 40 Millionen, die die Stadt nicht allein stemmen kann. Der Freistaat will helfen, kann aber nicht.

Das Blaue Wunder ist ein verkehrliches Nadelöhr, weil es die einzige Brücke im Dresdner Osten ist.
Das Blaue Wunder ist ein verkehrliches Nadelöhr, weil es die einzige Brücke im Dresdner Osten ist. © Sven Ellger

Dresden. Das Blaue Wunder ist eines der Wahrzeichen von Dresden. Für die Dresdner ist die östliche Elbquerung aber vor allem eines: eine wichtige Verkehrsverbindung. Damit das so bleibt, müssen dringend Stahlbau- und Korrosionsschutzarbeiten erfolgen, denn die Brücke hat 128 Jahre auf dem Buckel und die 30 Jahre Lebensdauer des vorhandenen Korrosionsschutzes sind abgelaufen. Fußgänger können Rostspuren bereits sehen.

2018 sollte die Sanierung beginnen. Doch der Baustart war geplatzt, weil sich nach der öffentlichen Ausschreibung nur zwei Firmen gemeldet hatten, deren Angebote nicht den Bedingungen entsprachen. Seit 2020 bereitet die Stadt nun den zweiten Anlauf vor. Für das 40-Millionen-Euro-Projekt braucht sie Fördermittel vom Freistaat. Aber die stehen nach wie vor nicht zur Verfügung.

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Am Donnerstag hat sich Dresdens Baubürgermeister Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) mit dem sächsischen Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) zum Blauen Wunder ausgetauscht. "Der Baubeginn für die nächsten Bauabschnitte beim Blauen Wunder hängt von einer Förderung der Brückensanierung durch den Freistaat Sachsen ab", sagt der Politiker. "Aufgrund der Bedeutung der Brücke als Kulturdenkmal im Elbraum, aber auch auch aufgrund der Bedeutung im Straßenverkehrsnetz bemühen wir uns um eine Sonderlösung für diese umfangreiche und kostenintensive Baumaßnahme."

Das Gespräch mit Dulig habe klar gemacht, dass beide Seiten nach einer Sonderlösung suchen. Doch das Förderprogramm des Freistaats sei überzeichnet. Deshalb werde sich die Stadt auf einen höheren finanziellen Eigenanteil einstellen müssen. Kühn hatte bereits zu seiner Amtseinführung gesagt, dass die Sanierung des Blauen Wunders nicht ewig verschoben werden könne.

Wo soll das Geld herkommen?

Wo das Geld dafür herkommen soll, ist aber völlig unklar, denn durch die coronabedingten Belastungen gibt es große Diskussionen über Prioritäten im Stadthaushalt. Zuletzt wurden Stimmen laut, die bemängelten, dass sich Dresden das Projekt Fernsehturm leisten will, aber kein Geld für das Blaues Wunder hat.

"Das eine hat aber mit dem anderen überhaupt nichts zu tun und das Geld dafür kommt auch aus unterschiedlichen Bereichen", sagt Holger Zastrow, der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Stadtrat. Er ist überzeugt davon, dass es Fördermittelprogramme vom Bund insbesondere für Brückensanierungen geben wird. "Alle Kommune haben bei Brücken erheblichen Sanierungsstau, den sie nicht selbst schultern können. Da macht auch der Deutsche Städte- und Gemeindetag Druck", sagt Zastrow.

Zum Glück sei die Planung für die Sanierung des Blauen Wunders fertig, sodass Dresden mit diesem Projekt schnell sein könne. "Allein aus unserem städtischen Haushalt können wir die Sanierung nicht bezahlen. Und Corona hat darin noch viel mehr verändert."

Auch bei der CDU gebe es keine Diskussionen, die Wiederöffnung des Fernsehturms gegen die Sanierung des Blauen Wunders auszuspielen, sagt Fraktionsvorsitzender Peter Krüger. Man wolle beides. "Ich bin allerdings sehr überrascht, dass das Blaue Wunder mit seiner überregionalen Bedeutung vom Freistaat kein Geld erhalten soll."

Das Dresdner Straßen- und Tiefbauamt sei über Jahre chronisch unterfinanziert, es gebe einen erheblichen Sanierungsstau im Nebenstraßennetz sowie an Fuß- und Radwegen. "Wir dürfen den Rückstau nicht noch größer werden lassen, der Geschäftsbereich von Bürgermeister Kühn muss diesbezüglich Prioritäten setzen ", fordert Krüger.

Perspektivisch müsse die Verwaltung auch Planungen für eine neue Brücke im Dresdner Osten anschieben, denn "das Blaue Wunder hält nicht mehr ewig für den Verkehr", sagt der CDU-Politiker.

Für den Grünen-Landtagsabgeordneten und Dresdner Stadtrat Thomas Löser hat die Sanierung des Blauen Wunders Priorität: "Dresden hat den Eigenanteil dafür auch im Haushalt eingestellt. Der OB muss sich beim Land nochmals dafür einsetzen, dass Fördermittel kommen." Es wäre eine Katastrophe für alle Verkehrsteilenehmer, wenn die Brücke gesperrt werden müsste.

Einsparpotential sieht Löser durchaus beim Projekt Fernsehturm. "Wir werben dort für die kleine Variante des Ausbaus als technisches Museum, die wesentlich weniger Geld kosten würde."

Bleibt der Zeitplan umsetzbar?

Der Zeitplan für die Brückensanierung steht nach wie vor. Die Finanzierung vorausgesetzt, würden von 2022 bis 2026 die Stahlbauarbeiten und der Korrosionsschutz fortgesetzt. "Wir wollen den nächsten Sanierungsabschnitt nicht weiter verschieben, da die Substanz des Bauwerks leidet. Die Verkehrssicherheit ist sichergestellt", sagt der Baubürgermeister.

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Die Bauarbeiten müssten technologisch bedingt immer zum Jahresanfang mit der Bauvorbereitung starten. In den warmen Monaten erfolge dann die eigentliche Sanierung. "Über den Winter gibt es wegen der zu geringen Temperaturen eine Pause. Ab 2027 ist die Sanierung der Ankerkammern geplant", erklärt Stephan Kühn .

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