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Brauerei: Warum riecht es in Dresden-Plauen so übel?

Anwohner in Dresden-Plauen fühlen sich von einem penetranten Gestank belästigt. Woher dieser kommt und wie das Problem gelöst werden soll.

In Coschütz wird das Feldschlößchenbier gebraut. Auf dem Weg ins Klärwerk sorgt das Abwasser bei etlichen Anwohnern für gerümpfte Nasen.
In Coschütz wird das Feldschlößchenbier gebraut. Auf dem Weg ins Klärwerk sorgt das Abwasser bei etlichen Anwohnern für gerümpfte Nasen. © Sven Ellger

Dresden. Beim Joggen ist es ihr zum ersten Mal aufgefallen: Im Dresdner Stadtteil Plauen stinkt es aus den Gullys. "Es riecht ganz säuerlich, das brennt richtig in der Lunge." Juliane Schiemenz fragt sich, wo dieser starke Geruch herkommt. Im Gespräch mit Freunden wird schnell klar, dass auch andere Bewohner den Gestank bemerkt haben. "Im Winter fällt es besonders auf, wenn Dampf aus den Kanälen aufsteigt." Auch an sehr heißen Tagen wehe ein übel riechendes Lüftchen durch die Straßen. Rund um die Bienertmühle sei es sogar so schlimm, dass Freunde sich gegen eine Wohnung dort entschieden hätten.

Auch eine andere Dresdnerin berichtet der SZ von dem Problem. "Mein Freund wohnt in Plauen. Wenn wir spazieren gehen, ist der Geruch manchmal kaum auszuhalten." Sie habe gehört, dass das mit der Feldschlößchen-Brauerei in Coschütz zusammenhängt. Stimmt das?

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Brauerei kennt das Problem

Tatsächlich ist das Problem dort lange bekannt. "Ja, wir produzieren viel Abwasser", sagt Jens Tewes, Betriebsleiter bei der Feldschlößchen-Brauerei. Eine Brauerei im Stadtgebiet sei eben nicht der Idealfall, räumt er ein. Seit zwei Jahren arbeite man aber intensiv mit der Stadtentwässerung zusammen, um den Gestank in den Griff zu bekommen. "Wir sind wirklich auf gute Nachbarschaft besonnen und gehen ganz offen damit um."

In Plauen sei der Geruch so stark, weil das Abwasser bis dahin schon einen langen Weg durch die Kanäle zurückgelegt hat und dabei mikrobiologische Prozesse vonstatten gehen, die Bestandteile des Abwassers zersetzen. Dabei entstehen die übel riechenden Gase, die aus den Gullys aufsteigen.

In Kanälen mit geringem Gefälle bleibt das Abwasser etwas länger stehen oder fließt langsamer ab, deshalb riecht es in manchen Bereichen etwas stärker, erklärt Tewes. Wenn es wenig regnet und die Kanäle nicht durchgespült werden, verschlimmert sich das Problem. "Aber wir haben Mittel, dann etwas nachzuhelfen." So gibt es ein mobiles Team, das vor Ort den betroffenen Kanal spült. Auch in der Brauerei selbst könne durch das Beimischen bestimmter chemischer Substanzen etwas gegen den Gestank unternommen werden.

Stadtentwässerung sucht Lösungen

Hintergrund ist der Brauprozess, bei dem unterschiedlich belastetes Abwasser entsteht. Damit dieses Wasser in das Kanalnetz eingeleitet werden kann, muss die Brauerei strenge Vorgaben einhalten. "Es gibt eine Spanne, wie heiß das Wasser sein und welchen pH-Wert es haben darf." Auch Schwermetalle, Öle oder Fette dürfe es nicht enthalten, so Tewes.

Die Dresdner Stadtentwässerung bestätigt, dass auch dort das Geruchsproblem seit geraumer Zeit bekannt sei, man aber im Gespräch mit der Brauerei ist, um es möglichst gering zu halten. Dafür führt die Stadtentwässerung regelmäßig Messungen durch. Der Geruch kann minimiert werden, wenn etwa der pH-Wert angehoben wird.

Dabei ist die Hilfe der Anwohner nötig. "Sollten in Einzelfällen die Geruchsbelastungen unzumutbar sein, bitten wir die betroffenen Anwohner, sich direkt an uns zu wenden", so Torsten Fiedler von der Stadtentwässerung.

Der schnellste Weg ist eine E-Mail an [email protected]. Auch Brauerei-Betriebsleiter Jens Tewes bittet die Dresdner um Hinweise, wenn es aus dem Gully stinkt. "Wir müssen es nur wissen, dann kümmern wir uns darum." Unter der Telefonnummer 0351/40830 nimmt ein Mitarbeiter die Hinweise entgegen.

Die Stadtentwässerung hat bereits weitere Möglichkeiten getestet, um das Geruchsproblem zu beheben. "An Schwerpunkten installieren wir Geruchsfilter in Schächte und, wo möglich, auch Geruchsklappen in Regeneinläufe", erklärt Torsten Fiedler. "Solche Einbauten haben wir bereits in der Passauer Straße eingesetzt. Ihre Funktion wird regelmäßig kontrolliert."

Geprüft wurden auch andere Lösungen, wie etwa durchgängig geschlossene Kanaldeckel. Diese kommen aber nicht in Frage, so Fiedler. So müsse der Kanal minimal belüftet werden, auch, um Korrosionsschäden zu verhindern. "Außerdem würde das Geruchsproblem dadurch nur an andere Stellen verlagert."

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