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Braucht Dresden einen Fernbus-Bahnhof?

Die Stadt hat einen Investor gefunden. Aber wie häufig sind die Busse vor der Corona-Krise genutzt worden? Eine neue Umfrage liefert die Antwort.

Dresden bekommt einen Fernbus-Bahnhof.
Dresden bekommt einen Fernbus-Bahnhof. © Sven Ellger (Archiv)

Dresden. In vier Jahren werden die ersten Fernbusse in den neuen Dresdner Busbahnhof rollen. Dann wird auch die Bayrische Straße als ewiges und mitunter gefährliches Halte-Provisorium abgelöst. So planen es die Stadtverwaltung und der Busbahnhof-Investor „S&G Development“. Beide wollen an diesem Montag erklären, ab wann gebaut wird und wie üppig das neue Terminal ausfallen soll. Aber braucht die Stadt wirklich einen Busbahnhof? Mehrere Tausend Dresdner sind gefragt worden, ob sie überhaupt schon einmal in einen Fernbus gestiegen sind.

Eine Umfrage, die gerade etwas deplatziert wirken mag. Immerhin wird Dresden derzeit von keinem einzigen Fernbus angesteuert. Die Deutschen sind aufgerufen, das Reisen zu unterlassen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Branchen-Primus Flixbus hat deshalb den Verkehr vorerst eingestellt. Ergebnis-Verzerrung könnte man der Umfrage also vorwerfen. Doch einerseits hat die Stadtverwaltung ihre Fragebögen bereits im vergangenen Frühjahr verschickt, andererseits nach Fernbus-Reisen im Jahr 2019 gefragt. Ein Jahr, in dem die Welt für die Reisebranche noch in Ordnung war.

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Wie viele Dresdner fahren nun Fernbus?

Und tatsächlich ist gut jeder dritte befragte Dresdner (35 Prozent) vor zwei Jahren mit dem Fernbus gefahren. Nicht zu knapp, wie die repräsentative Bürgerumfrage zeigt. Im Schnitt stiegen die Passagiere acht Mal zu. Das ist deutlich mehr als noch zwei Jahre zuvor. Damals zogen die Befragten den Fernbus im Schnitt vier Mal dem Auto, Zug und Flugzeug vor.

Welche Ziele hatten die Fahrgäste?

Mit einem dicken Fahrplan konnten die Anbieter vor der Corona-Krise punkten. Wien, Amsterdam, Paris, Budapest: Wer Zeit genug hatte, konnte sich in alle Ecken Europas chauffieren lassen. In Deutschland steuerten die Busse zum Beispiel Berlin, Hamburg und Köln an. Tatsächlich nutzten 72 Prozent den Fernbus, um innerdeutsche Ziele außerhalb des Freistaats zu erreichen. Etwa ein Viertel gab an, auch ins Ausland gefahren zu sein. Und ein Drittel war innerhalb Sachsens unterwegs.

Wer ist der typische Fernbus-Passagier?

Wer den Fernbus nutzt, ist typischerweise jung und verdient relativ wenig. In der Gruppe der 16- bis 24-Jährigen etwa sind 62 Prozent der Befragten in einen Fernbus eingestiegen. Vor allem bei Schülern, Azubis und Studenten ist diese Art des Reisens beliebt. Von den Rentnern steigen immerhin noch reichlich 20 Prozent ein.

Auch das Einkommen entscheidet in vielen Fällen offenbar zwischen Fernbus- und Flugzeugsitz. Rund 60 Prozent derjenigen, die im Monat 1.000 Euro und weniger im Haushalt zur Verfügung haben, reisten 2019 mit dem Fernbus. Bei den Besserverdienern (über 4.000 Euro) sind es gerade einmal 26 Prozent.

Auf die Stadtteile geschaut, sind die Neustädter die Fernbus-Fahrer Nummer eins, gefolgt von den Pieschenern und den Menschen in der Südvorstadt. Allesamt junge Stadtteile. Das geringste Interesse an langen Autobahnfahrten mit vielen Sitznachbarn bestand in Klotzsche.

Womit würden die Fernbus-Fahrgäste sonst reisen?

Eine gute Frage, jetzt wo die Fernbusse tatsächlich nicht fahren. Die meisten, nämlich 76 Prozent, würden anstelle des Fernbusses am ehesten den Zug nutzen. Danach folgen mit einigem Abstand das Auto sowie Mitfahrgelegenheiten. Acht Prozent würden lieber ganz auf die Reise verzichten, wenn der Fernbus nicht fährt. Für neun Prozent wäre das Flugzeug eine echte Alternative.

Und wann fahren die Fernbusse wieder?

Das hängt ganz davon ab, wann Hotels wieder Urlauber beherbergen dürfen und Unternehmen nicht mehr zum Homeoffice verpflichtet sind. Möglicherweise entscheidet sich das bereits in dieser Woche, wenn Bund und Länder über den Umgang mit der Pandemie in den kommenden Wochen beraten. Für den Moment aber heißt es etwa von Flixbus, dass man den Betrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz pausieren lasse. "Wir haben ein klares Ziel, worauf wir hinarbeiten, nämlich Sommer und zweite Jahreshälfte 2021", sagte Geschäftsführer André Schwämmlein der Deutschen Presse-Agentur im Januar. Der Anspruch sei da, wieder ein großes, flächendeckendes Netz zu haben.

Wo soll der Fernbus-Bahnhof entstehen?

Halten sollen die Fernbusse in Zukunft gegenüber des Simmel-Neubaus am Wiener Platz- zwischen Hauptbahnhof und Budapester Brücke. Die „S&G Development“ hat bereits einen Fernbusterminal mit Parkhaus in Leipzig für rund 17 Millionen Euro errichtet und den Leipziger Felsenkeller saniert und zum Ballhaus mit Supermarkt umgebaut.

In Dresden will das Unternehmen laut eigenem Bekunden bis 2025 am Hauptbahnhof ein modernes Gebäudeensemble mit Fernbusterminal, Fahrradparkhaus und innovativer Büronutzung errichten. S&G sprechen von einem "multimodalen Mobilitätshub". Dieser soll durch einen "ansprechenden Bauwerkkomplex" die häufig kritisierte Situation der Fernbushaltestellen an der Bayrischen Straße beenden.

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Ziel sei ein "umsteigefreundlicher Anschluss" des Fernbusangebotes an den sonstigen Regional- und Fernverkehr, die Dresdner Verkehrsbetriebe und das Radwegnetz. Den Entwurf für das Großprojekt an der Westseite des Wiener Platzes hat das Dresdner Architekturbüro Knerer und Lang entwickelt. (mit dpa)

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