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Wieder Astrazeneca-Impfungen in Dresden

Am Wochenende kommen knapp 2.000 Impfwillige ins Impfzentrum Dresden. Dort geht es nach kurzer Zwangspause mit dem Impfstoff Astrazeneca weiter. Ein Report.

Impf-Neustart im Dresdner Impfzentrum: Ein Arzt verabreicht dort einem jungen Mann die Immunisierung mit dem Astrazeneca-Wirkstoff gegen Corona.
Impf-Neustart im Dresdner Impfzentrum: Ein Arzt verabreicht dort einem jungen Mann die Immunisierung mit dem Astrazeneca-Wirkstoff gegen Corona. © Robert Michael/dpa

Dresden. Hand in Hand steuert ein betagtes Pärchen auf den Haupteingang zum Dresdner Impfzentrum zu. Ein Impftaxi hat die beiden bis vor die Tür gebracht. Nun begrüßt sie ein Security-Mitarbeiter, fragt nach dem Impftermin und bittet freundlich herein.

Seit Sonnabend hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in der Messe Dresden die Impfungen gegen das Coronavirus wieder aufgenommen. Die Verabreichung des Impfstoffes des Herstellers Astrazeneca war bundesweit vorübergehend gestoppt worden. Bei einigen wenigen Menschen waren tödliche Blutgerinnsel im Gehirn entstanden, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Verimpfung dieses Vakzins standen.

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Nach Farben sortiert: Spritzen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff, dem des Herstellers Biontech/Pfizer und von Moderna (v.l.) liegen für die Impfung gegen Corona vorbereitet in Schalen.
Nach Farben sortiert: Spritzen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff, dem des Herstellers Biontech/Pfizer und von Moderna (v.l.) liegen für die Impfung gegen Corona vorbereitet in Schalen. © dpa/Robert Michael

Am 18. März entschied die zuständige Europäische Arzneimittelagentur, dass die Vorteile mögliche Risiken einer Astrazeneca-Impfung weit übersteigen und die Versorgung damit wieder aufgenommen werden soll.

"Wir haben heute morgen, 7 Uhr, begonnen, den Impfstoff wieder zu verabreichen", sagt die stellvertretende Leiterin des Impfzentrums Dresden, Elisa Reininger, am Samstag. Für diesen Tag sind 1.100 Dresdner und Dresdnerinnen angemeldet. Am Sonntag sollen 800 Impfwillige ins Ostragehege kommen.

Sie gehören den Priorisierungsgruppen eins und zwei an, sind entweder mindestens 70 Jahre alt, Mitarbeiter im medizinischen oder pflegerischen Bereich oder vorerkrankt. An diesem Vormittag kommen überwiegend hochbetagte Frauen und Männer zum Impfen.

"Wir sind sehr froh, dass wir jetzt geschützt sind"

Karla und Gerhard Viehbach sind beide 81 Jahre alt und froh, nun endlich vor einer schweren Coronaerkrankung sicher zu sein.
Karla und Gerhard Viehbach sind beide 81 Jahre alt und froh, nun endlich vor einer schweren Coronaerkrankung sicher zu sein. © Christian Juppe

Darunter sind auch Karla Viehbach und ihr Mann Gerhard, beide 81 Jahre alt. Im Wartebereich ganz am Ende des Impfparcours haben sie Platz genommen. Darum werden alle gebeten, die ihre Impfung gerade erhalten haben, um sicher zu gehen, dass sich keine Beschwerden zeigen, die behandelt werden müssten.

"Das war jetzt schon unsere zweite Impfung", sagt Karla Viehbach sichtlich bewegt. "Es geht mir bestens, und wir sind sehr froh, dass wir nun geschützt sind." Gerhard Viehbach nickt dazu. Als er das DRK-Zeichen auf Elisa Reiningers Shirt sieht, sagt er begeistert: "Ich habe beim DRK 50 Jahre lang Blut gespendet, bis ich 70 Jahre alt wurde!" Dass der Impfstoff Astrazeneca vorsorglich abgesetzt und nun wieder erlaubt ist, beunruhigt das Ehepaar nicht. "Darüber machen wir uns keine Sorgen."

Ein paar Stuhlreihen weiter wartet auch Jean Paul Bereuter darauf, seine Impfbescheinigung ausgehändigt zu bekommen. Ihn trennen 60 Lebensjahre von Karla und Gerhard Viehbach. Weil der 21-jährige Medizinstudent gerade seine Doktorarbeit vorbereitet und dafür in der Chirurgie arbeitet, lässt auch er sich impfen. "Ich habe Kontakt mit Patienten, da ist das sicherer." Angst vor lebensbedrohlichen Nebenwirkungen des Astrazeneca-Impfstoffs hat er ebenfalls nicht.

"Diskussion um Astrazeneca sorgt für große Verunsicherung"

"Das viel größere Problem sehe ich darin, dass die Diskussion um den Impfstoff für große Verunsicherung in der Bevölkerung sorgt." Ängste und Bedenken wieder auszuräumen und Vertrauen zu gewinnen sei nun ein weiter Weg.

Jean-Paul Bereuter sichert mit der Impfung nicht nur sich, sondern auch die Patienten, mit denen er täglich zu tun hat, ab. Seine Freundin Anabel Hildebrand begleitete ihn.
Jean-Paul Bereuter sichert mit der Impfung nicht nur sich, sondern auch die Patienten, mit denen er täglich zu tun hat, ab. Seine Freundin Anabel Hildebrand begleitete ihn. © Christian Juppe

Wer an diesem Wochenende die Messehallen betritt, sieht es in aller Regel ebenso. "Es kommt nur sehr selten vor, dass jemand nach dem ärztlichen Vorgespräch doch lieber Abstand nimmt", sagt die Vizechefin des Impfzentrums.

Das Wirkungsfeld der 34-Jährigen hat etwas von Flughafen: weitläufige Hallen, Stuhlreihen für Wartende, Counter für Anmeldungen mit großen Ziffern, die Orientierung geben. Von insgesamt acht Schaltern, an denen die Impfwilligen ihre Chipkarten wie beim Arzt einlesen lassen können, sind an diesem Tag vier geöffnet. Kein Gedränge, keine Hektik. Alles verläuft entspannt.

Die stellvertretende Leiterin des Impfzentrums Dresden, Elisa Reininger, versorgt in ihrem eigentlicen Beruf Hotelgäste. Nun ist sie für Besucher mit Impfanmeldung da.
Die stellvertretende Leiterin des Impfzentrums Dresden, Elisa Reininger, versorgt in ihrem eigentlicen Beruf Hotelgäste. Nun ist sie für Besucher mit Impfanmeldung da. © Christian Juppe

Dazu tragen auch die insgesamt 15 Bundeswehrsoldaten bei, die im Schichtbetrieb Ankommende begrüßen, ihre Impfanmeldung kontrollieren und vor allem Senioren von A nach B begleiten.

Das Kümmern um die Besucher erinnert Elisa Reininger an ihren eigentlichen Beruf. Ohne Corona würde sie vielleicht auch an diesem Wochenende im Dienst sein - allerdings als Hotelfachfrau. Seit Januar ist sie von ihrem Arbeitgeber frei- und beim DRK angestellt. Hier wie dort muss sie planen und organisieren können. "Auch die Freude und Dankbarkeit unserer Hotelgäste und die der Menschen, die hier zum Impfen kommen, haben viel gemeinsam", sagt sie.

Auch ältere Menschen dürfen Astrazeneca-Impfstoff erhalten

Sind die Daten der zu Impfenden am Check-in aufgenommen worden , gehen sie weiter zur sogenannten Impfstrecke - eine Art Containerdorf innerhalb der Messehalle. Es besteht aus in langen Reihen aufgestellten Kabinen. Dort warten Ärzte auf sie, um sie über alle Fragen rund um die Immunisierung aufzuklären. Apotheker und Pharmazeutische Fachangestellte bereiten die Spritzen vor und medizinisches Fachpersonal mit der Kompetenz zum Spritzen verabreicht die Impfungen.

Zur Zeit unterstützt ein 15-köpfiges Team der Bundeswehr das Deutsche Rote Kreuz in der Messe. Die Bediensteten nehmen die Impfbesucher in Empfang und begleiten sie.
Zur Zeit unterstützt ein 15-köpfiges Team der Bundeswehr das Deutsche Rote Kreuz in der Messe. Die Bediensteten nehmen die Impfbesucher in Empfang und begleiten sie. © Christian Juppe

Verimpft wird momentan überwiegend Astrazeneca, der Impfstoff des Herstellers Biontech nur für Menschen, die ihre erste Impfung damit bereits absolviert haben und nun zum zweiten Mal geimpft werden. Auch der Impfstoff des Unternehmens Moderna steht zur Verfügung, allerdings nur in geringen Mengen. "Wer ihn erhält, legt bereits bei der Anmeldung ein Algorithmus nach gesundheitlichen Kriterien fest", sagt Elisa Reininger.

Immer wieder stellt sie Unsicherheiten in der Frage fest, wer sich denn aktuell zur Impfung anmelden sollte und wer nicht: Es sei leider noch nicht ganz durchgedrungen, dass auch ältere Menschen den Astrazeneca-Impfstoff erhalten können. "Seine Wirkung für die Altersgruppe ab 65 Jahren ist aber inzwischen bestätigt."

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