merken
PLUS Dresden

Warum öffnen Dresdens Berufsschulen nicht?

Schüler und Eltern wundern sich, warum es an Berufsschulen noch keinen Präsenzunterricht gibt. Denn in wenigen Monaten stehen Abschlussprüfungen an.

Andere Abschlussklassen sitzen bereits seit Montag wieder in der Schule.
Andere Abschlussklassen sitzen bereits seit Montag wieder in der Schule. © Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa (Symbolfoto)

Dresden. Seit vor Weihnachten sind die Dresdner Schüler zu Hause und die Schulen mit Ausnahme der Notbetreuung geschlossen. Seit 18. Januar sind die Dresdner Abschlussklassen in den Oberschulen, Gymnasien, Förderschulen und Fachoberschulen wieder zurück auf der Schulbank. Angesichts der hohen Infektionszahlen gab es dafür auch Kritik. Doch eine Gruppe bleibt beim Präsenzunterricht außen vor: die Berufsschüler. Das sorgt für viel Unverständnis bei Schülern und Lehrern.

"Ich fühle mich im Homeschooling auf mich allein gestellt, weil ich nicht wie im Unterricht Probleme direkt besprechen kann. Der immer gleiche Ablauf der Aufgaben zu Hause ist auf Dauer extrem demotivierend", erzählt der Dresdner Berufsfachschüler Sebastian Müller, der eigentlich anders heißt.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Auch seine Mutter ist beunruhigt. "Ich mache mir Sorgen um den Berufsabschluss meines Sohnes, der ja durch die vielen Praxiseinsätze sowieso nur wenig Schule, aber ab Mai acht theoretische Prüfungen zu absolvieren hat." Gerade diese Prüfungsvorbereitung war ja das Argument, warum die Abschlussklassen der anderen Schulen wieder zurück in die Penne mussten.

Kultusministerium: mehr Schüler an Berufsschulen

"Für die Begrenzung der Zulassung von Schülern der Berufsschule, Fachschule und Berufsfachschule war der Infektionsschutz das ausschlaggebende Argument", erklärt Dirk Reelfs, Sprecher des Kultusministerium, auf SZ-Anfrage. An den Einrichtungen sollen so wenig Kontakte wie möglich stattfinden. "Da die einzelnen Klassenstufen bei berufsbildenden Schulen immer einen deutlich höheren Anteil an der Gesamtschülerzahl haben, als etwa an Gymnasien und Oberschulen, war man aufgrund der aktuellen Infektionslage gezwungen, sich zu beschränken", so Reelfs.

Auf die Frage, ob denn die Berufsschüler noch vor dem 14. Februar - dem nach aktuellem Stand letzten Tag des Lockdowns - in die Schulen zurückkehren, sagt Reelfs: "Ich bitte noch um Geduld."

Schulleiter: "Angesichts der hohen Infektionszahlen muss man Kompromisse eingehen"

Verständnis zeigt Rico Szymanski, er leitet das BSZ für Technik Gustav Anton Zeuner an der Gerokstraße. Das Berufsschulzentrum hat auch eine integrierte Fachoberschule, bei der die Fachrichtungen Gesundheit und Soziales sowie Technik gewählt werden können. Zwei Schulformen, zwei unterschiedliche Regelungen. "Bei unseren vier Abschlussklassen an der Fachoberschule können wir Präsenzunterricht durchführen, an der Berufsschule nicht", erklärt Szymanski. Als ungerecht empfindet er das jedoch nicht.

"Natürlich wäre es uns anders lieber, aber angesichts der hohen Infektionszahlen muss man Kompromisse eingehen", sagt Szymanski. Für die Berufsschulen sei es ja auch der Fall, dass die Praxis in den Betrieben weitergehe, der Rest laufe hauptsächlich über Lernsax.

Weil es auf der Plattform des Freistaats zu Beginn starke Probleme gab, war man in der Schule in einer gewissen Zwangslage und sei so kreativ geworden. "Wir mussten auf Alternativen umsteigen, besonders weil wir Video-Unterricht zurzeit sehr intensiv nutzen", so der Schulleiter.

Er erhofft sich dafür vor allem, dass die digitalen Mittel dann auch nach Corona weiter zum Schulalltag gehören. Über ein Förderprogramm sei es möglich gewesen, auch Schülern aus Familien mit geringerem Einkommen einen Laptop zur Verfügung zu stellen.


Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

Weiterführende Artikel

Nur wenige Schüler in Sachsen lassen sich testen

Nur wenige Schüler in Sachsen lassen sich testen

Die Abschlussklassen in Sachsen haben wieder Präsenzunterricht. Nicht alle haben sich vorher testen lassen. Und nur bei wenigen fiel der Test positiv aus.

Corona-Tests in Dresden teils nach Schulschluss

Corona-Tests in Dresden teils nach Schulschluss

In manchen Dresdner Schulen bekamen die Schüler erst nach der sechsten Stunde einen Termin zum Corona-Test. So lief der erste Tag im Präsenzunterricht.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden