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Corona lässt den Blutfluss stocken

Seit 30 Jahren spendet Thomas Langheinrich Blut und Plasma. Dabei erlebt er die Dringlichkeit seiner Gaben immer wieder gern am eigenen Leib.

Nur zehn Minuten und schon ist Thomas Langheinrich um 500 Milliliter Lebenssaft erleichtert. Für Plasmaspenden plant er etwa eine Dreiviertelstunde Zeit ein.
Nur zehn Minuten und schon ist Thomas Langheinrich um 500 Milliliter Lebenssaft erleichtert. Für Plasmaspenden plant er etwa eine Dreiviertelstunde Zeit ein. © Sven Ellger

Dresden. Thomas Langheinrich ist ein gefragter Mann. Ganz besonders klar wurde ihm das vor einiger Zeit. Kaum hatte er das Blutspendezentrum betreten, herrschte große Aufregung um ihn herum. Ein Patient im Uniklinikum Dresden brauchte dringend eine Blutkonserve - Blutgruppe 0 mit dem Rhesusfaktor negativ. Thomas Langheinrich konnte Leben retten helfen, so unmittelbar, dass es Gänsehaut macht.

"Noch während alle Vorbereitungen für die Blutspende liefen, bekam ich einen Kurier an die Seite. Er sollte mein Blut ins Krankenhaus bringen", erzählt der 51-Jährige. Nur etwa zehn Minuten dauert es, bis einem Spender 500 Milliliter Blut abgenommen sind. Jede einzelne zählt, wenn ein Unfallopfer zu versorgen ist oder unter einer Operation große Blutverluste ausgeglichen werden müssen.

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Rund sechs Prozent aller Menschen haben Blutgruppe 0-negativ. Seltener sind nur noch die Blutgruppen AB und b-negativ. Am häufigsten kommen die Gruppen a-positiv und
0-positiv vor. Dass Menschen unterschiedliche Blutgruppen zuzuordnen sind, hat der Pathologe und Hämatologe Karl Landsteiner im Jahr 1901 entdeckt.

Thomas Langheinrich knetet mit der linken Hand ein rotes Gummiherz. Mit einer Art Pumpbewegungen soll er seinen Blutfluss anregen. Für den Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma ist das Routine. Anfang der 1990er-Jahre hat er begonnen, regelmäßig zum Blutspenden zu gehen. "Ein Freund, mit dem ich zusammen Fußball spielte, hat mich mitgenommen", erinnert er sich. Seitdem kommt der Wahldresdner auf exakt 374 Blut- und Plasmaspenden. Seit 13 Jahren ist er vertrauter Gast beim Haema Blut- und Plasmaspendedienst im World Trade Center.

Eine sogenannte Vollblutspende darf er nur sechsmal innerhalb von zwölf Monaten abgeben. Blutplasma hingegen kann der Körper ein- bis zweimal die Woche entbehren, weil er dabei sein Blut in den Blutkreislauf zurückgeführt bekommt. Nur die entscheidenden Blutgerinnungsfaktoren werden herausgewaschen und separiert.

Das Wissen, einem anderen Menschen in Not mit seiner Spende zu helfen, beflügelt Thomas Langheinrich. Zwar erhält er 20 Euro für jede Blut- und 25 Euro für jede Plasmaspende als Aufwandsentschädigung. Doch das ist für ihn nicht der wichtigste Antrieb. "Früher war das ja auch noch anders. Da gab es zur Stärkung einen Beutel mit Knacker, Apfel und Joghurt."

Welche Motivation auch immer die Spender haben, Corona war vielen zu gefährlich, um unbeeindruckt weiter zu spenden. "Aber ich habe mich hier immer sicher und gut versorgt gefühlt", sagt Thomas Langheinrich, der seine Spendenfrequenz während der Pandemie nicht eingeschränkt hat.

Nicht nur die rückläufige Spendenbereitschaft, auch der Coronaschutz selbst hat dazu geführt, dass weniger Blutspenden zur Verfügung stehen. "Sonst nutzen wir zusätzlich andere Räumlichkeiten für mobile Blutspendezentren", sagt Dr. Ralf Knels vom Haema Blut- und Plasmaspendedienst. Doch zum Schutz vor Ansteckung mussten Kontakte stark eingeschränkt und Blutspendeaktionen abgesagt werden. Fatal sei das gerade jetzt, da durch Corona verschobene Operationen nun nachgeholt werden und Menschen mit Beschwerden Besuche beim Arzt nicht mehr verschieben. "Die Blutspendedienste sind auf jede einzelne Spende angewiesen", so Dr. Knels.

Keine Viertelstunde, nachdem Thomas Langheinrich auf einer der vielen roten Liegen Platz genommen hat, befreit eine Schwester ihn auch schon wieder von Nadel und Schläuchen. In acht Wochen darf er wiederkommen. Zwischendurch wird er Plasma spenden, jede Woche einmal.

Nicht nur fürs Blutspenden, sondern auch für seine eigene Gesundheit beschäftigt sich Thomas Langheinrich seit einiger Zeit mit dem Thema Ernährung. "Mein Körper mag Kohlenhydrate nicht so gern", sagt er. Zwei Brötchen übersteigen schon seinen Tagesbedarf. Nun isst er mehr Gemüse, mageres Fleisch und lieber Kartoffeln als Brot. "Ich habe auf diese Weise schon mehr als 14 Kilogramm abgenommen", erzählt er stolz. Das macht ihn fit für den Alltag und fürs Blutspenden.

So wie er Blut spenden, darf jeder, der mindestens 18 und höchstens 73 Jahre alt ist, wenigstens 50 Kilogramm, aber nicht mehr als 180 Kilogramm wiegt. Erstspender sollten nicht älter als 65 Jahre alt sein. "Ich kann das Blutspenden nur empfehlen", sagt Thomas Langheinrich. Es sei gut zu wissen, dass man damit Gutes tun kann.

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