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Dresdner Dampfer brauchen Hilfsgelder

Seit fast vier Monaten darf kein Schiff mehr fahren. Die Verantwortlichen warten noch immer auf Corona-Finanzhilfen. Wie es für die Flotte nun weitergeht.

Die Waldschlößchenbrücke, unter der hier der Dampfer Leipzig hindurchfährt, spielt bei einer Fahrt in diesem Jahr eine besondere Rolle.
Die Waldschlößchenbrücke, unter der hier der Dampfer Leipzig hindurchfährt, spielt bei einer Fahrt in diesem Jahr eine besondere Rolle. © Archiv/Sven Ellger

Dresden. Vier Monate lang keine Ausflugsfahrt, seit Anfang November war kein Dampfer und kein Salonschiff mehr mit Gästen an Bord auf der Elbe unterwegs. Die Corona-Zwangspause hat die Flotte in einer Zeit getroffen, in der es nach der Insolvenz wichtiger denn je war, dass die Schiffe wieder Geld verdienen.

Doch der Lockdown traf das Unternehmen, das seit dem Spätsommer "Weiße Flotte Sachsen GmbH" heißt, eben so hart, wie jedes Hotel und jedes Restaurant. Nichts geht mehr seit dem 2. November, nur die Werftarbeiten konnten wie geplant weiterlaufen.

Geschäftsführer Stefan Bloch verbreitet dennoch Optimismus. Die Flotte sei nicht in Gefahr. Bei der Übernahme des Unternehmens Anfang September 2020 habe der neue Eigentümer, die River Advice AG aus Basel, nicht nur über das nötige Geld verfügt, um die Schiffe zu übernehmen. Auch dann sei vorgesorgt, wenn Einnahmen zum Beispiel wegen Corona fehlten.

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Keine Überbrückungshilfe III für die Weiße Flotte

Doch ohne staatliche Hilfe und Kurzarbeit ging es trotzdem nicht. Mit finanzieller Unterstützung rechnet Bloch rückwirkend für die Monate November und Dezember. Es sei aber noch nichts angekommen, auch keine Abschlagszahlungen, berichtet der Geschäftsführer. Die sogenannte Überbrückungshilfe III wird es für die Flotte dagegen nicht geben. Unternehmen, die nach dem 30. April 2020 gegründet wurden, seien nicht antragsberechtigt, hat Bloch aus den Regeln für dieses Hilfsangebot erfahren.

Die nautische Belegschaft, also die Kapitäne samt ihren Besatzungen, seien zu 50 Prozent in Kurzarbeit, die Unternehmensverwaltung ebenfalls, sagt Bloch. Und die Cateringkollegen müssen mit 80 bis 100 Prozent Kurzarbeit klarkommen. Das heißt, sie müssen den Gürtel deutlich enger schnallen, bis es endlich wieder losgeht auf der Elbe.

Wann das der Fall sein wird, ist noch offen. Aber die Verantwortlichen der Flotte haben Pläne. "Derzeit wünschen und hoffen wir natürlich auf einen Start zu Ostern", sagt Bloch. Dann soll die Ausflugsschifffahrt auf der Elbe mit einem neuen Fahrplan in die erste Saison unter Schweizer Flagge starten. Ein Festtagslunch an Bord und eine Kaffeefahrt zu Ostern stehen am 4. April im noch unveröffentlichten Veranstaltungsfahrplan.

Neuer Fahrplan für die Dampfer

Zusätzlich zu solchen Sonderfahrten haben die Chefs Robert Straubhaar und Stefan Bloch mit ihren Kollegen der Flotte einen neuen Regelfahrplan erarbeitet. Das Besondere daran: Es gibt ihn gleich dreimal. Grün, blau und orange sind die Fahrpläne hinterlegt.

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"Bevor wir uns entschlossen hatten, die Sächsische Dampfschifffahrt in die Familie der 'United Rivers' aufzunehmen (der Dachmarke, zu der auch die River Advice AG gehört; Anmerkung der Redaktion), schauten wir uns das bisherige Angebot an", sagt Bloch. "In vielen Gesprächen mit den dampfbegeisterten Kunden und den Mitarbeitern wurde uns eines ganz klar: Wir bieten bei jedem Wasserstand etwas für unsere Kunden."

Deshalb gibt es nun drei Fahrpläne. Grün bedeutet volle Fahrt, mehr als 74 Zentimeter Elbepegel in Dresden sind dafür nötig. Ein gelb hinterlegter Fahrplan gilt für einen Wasserstand ab 74 bis 60 Zentimeter und darunter geht es schließlich mit einem orangefarbenen Plan bis zu einem Wasserstand von 50 Zentimetern weiter. Dann sollen noch tägliche Fahrten nach Meißen und zurück sowie drei Linien in Dresden angeboten werden.

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Neue Angebote stehen ebenfalls in den Plänen, die voraussichtlich Ende dieser Woche veröffentlicht werden. Dazu gehört zum Beispiel ein "Wanderdampfer". Das Schiff startet zwischen Mitte Mai und Ende September jeweils vormittags am Terrassenufer, fährt bis Bad Schandau und dann wieder zurück. Neu ist auch eine "Kulturerbefahrt", die von Anfang Mai bis Anfang Oktober immer am Sonnabend stattfinden soll: Vom Terrassenufer stromauf bis zum Blauen Wunder, dann stromab bis Pieschen und schließlich zurück zum Terrassenufer. Auch mit dem aberkannten Welterbetitel lässt sich Geld verdienen, sind die Flottenverantwortlichen überzeugt. "Erfahren Sie, warum Dresden der Titel aberkannt wurde!", steht in der Beschreibung der zweistündigen Tour.

Eine Ticketart wird teurer

Steht der Elbepegel auf "Grün", sollen in diesem Jahr auch mehrmals Dampfer nach Decin fahren. Die Touren stehen Anfang bis Mitte Mai und Ende September/Anfang Oktober täglich im Fahrplan. Startort ist dabei Königstein, die Schiffe halten unterwegs in Prossen, Bad Schandau und Hrensko.

Die Fahrpreise bleiben unverändert. Das hat Stefan Bloch Ende Oktober auf SZ-Nachfrage angekündigt. Doch das stimmt nicht ganz, zeigt der Blick auf die neue Preistabelle. Tickets für Kinder und Jugendliche werden etwas teurer. Eine Tarifzone, etwa die Fahrt mit einem Linienschiff von Blasewitz nach Pillnitz, kostet in diesem Jahr 9 Euro. Das ist ein Euro mehr als noch 2020.

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