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Corona lässt Dresdner zu Drogen greifen

In der Corona-Pandemie suchen die Menschen offenbar öfter den Rausch mit Alkohol und Cannabis. Im Abwasser finden sich zudem Spuren von Crystal und Kokain.

Immer mehr Betroffene: Der Drogenkonsum nimmt zu. Alkohol ist jedoch noch immer das größte Problem.
Immer mehr Betroffene: Der Drogenkonsum nimmt zu. Alkohol ist jedoch noch immer das größte Problem. © Symbolfoto/dpa

Dresden. Seit einem Jahr leben die Dresdner in und mit der Corona-Pandemie. Die Auswirkungen auf die soziale Lage werden auch in Dresden zunehmend sichtbar und messbar. So ist der Konsum von Drogen im Corona-Jahr 2020 angestiegen. Diese Entwicklung bestätigt eine Antwort von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) auf eine Anfrage von Linken-Stadträtin Pia Barkow. Demnach meldete die Erwachsenenpsychiatrie des Uniklinikums seit Anfang des Jahres 2021 einen massiven Anstieg der Zuweisung per Rettungsdienst oder Notaufnahmen bei Alkoholentzugssyndromen, Alkoholvergiftungen und durch Drogen verursachte Psychosen.

Besonders besorgniserregend sei auch die Rückmeldung aus der Jugendhilfe, wonach verstärkte Alkohol- und Crystal-Rückfälle, ein gestiegener Mischkonsum und der verstärkte Einsatz von Ersatzsubstanzen zu beobachten ist, so Linken-Sozialexpertin Pia Barkow. Seit Herbst 2020 verzeichnet die Jugendhilfe wesentlich mehr Anfragen und vermehrt schwere Fälle psychisch Erkrankter. "Jetzt gilt es zu prüfen, ob das bestehende Netz an Präventions- und Beratungsangeboten für die Krise ausreicht oder ob hier nachgesteuert werden muss", so Barkow.

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Welche Drogen wurden am meisten konsumiert?

Das größte Problem ist nach wie vor der Alkohol, so das Gesundheitsamt. "Im Jahr 2020 dominierten die Beratungsanliegen im Zusammenhang mit Alkohol, gefolgt von dem Beratungsbedarf durch den Konsum illegaler Drogen", so die Stadt. Im Bereich der illegalen Drogen gab es den größten Beratungsbedarf bei Cannabis, gefolgt von Crystal.

Zusätzlich stellt das Gesundheitsamt 2020 ein Anstieg der Beratungen aufgrund von problematischen Medienkonsum fest. "Es wenden sich immer mehr Eltern an die Beratungsstellen, da sie einen stark erhöhten Medienkonsum bei ihren Kindern beobachten",so die Stadt.

Was sind die Gründe für den Drogenkonsum?

Laut Gesundheitsamt kann vor allem der mit der Pandemie verbundene Stress zu einer Zunahme des Suchtverhaltens führen. Das Amt verweist auf eine Befragung an der Uni in Nürnberg, wonach Menschen mit einer niedrigeren Schulbildung und Personen mit einem erhöhtem Stresserleben eine höhere Wahrscheinlichkeit auf, nach Beginn der Ausgangsbeschränkungen mehr Alkohol zu konsumieren oder mehr zu rauchen. Außerdem würden sich die Menschen an den Rechner oder Fernseher flüchten - ein vermeintlicher Weg zum Ausgleich von negativen Gefühlen und Stress.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Gab es eine Zunahme durch die Pandemie?

Das Gesundheitsamt sagt ganz klar, ja. Aus den Rückmeldungen unserer Netzwerkpartner lasse sich ableiten, dass die Suchtprobleme sich im Zuge der Pandemie eher zugespitzt haben.

Zur Konsumentwicklung illegaler Drogen in Dresden liegen der Stadt für vier Substanzen die Ergebnisse von Abwasseranalysen der TU Dresden vor. Im Zeitraum 2018 bis 2020 wurden Rückstände der Drogen Crystal Meth, Speed, Ecstasy und Kokain im Zulauf einer Dresdner Kläranlage untersucht. Für Crystal Meth zeigt sich im Jahr 2020 ein signifikanter Anstieg der Abwasserrückstände im Vergleich zu den Probeentnahmen 2018 und 2019, so die Stadt auf SZ-Anfrage. Nicht ganz so stark, aber immer noch signifikant, zeige sich dieser Anstieg auch für die Rückstände von Kokain. Zum Konsum von Speed und Ecstasy lassen sich bei den Abwasserrückständen im Jahresvergleich hingegen keine deutlichen Veränderungen erkennen.

Sind häufiger Männer oder Frauen betroffen?

Laut Suchtbericht waren diejenigen, die im Jahr 2020 eine Suchtberatungsstelle aufsuchten häufiger männlich, so die Stadt. Dabei ist der Anteil der 25- bis 34-Jährigen am größten, gefolgt von den 35- bis 44-Jährigen.

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