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"Die vierte Welle ist im Anstieg"

Professor Michael Albrecht, medizinischer Vorstand am Dresdner Uniklinikum, spricht über steigende Infektionszahlen und Impfmüdigkeit.

Michael Albrecht, medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, erklärt im SZ-Interview wie hoch die Impfquote sein muss, damit die Patientenzahlen in den Kliniken nicht wieder enorm steigen.
Michael Albrecht, medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, erklärt im SZ-Interview wie hoch die Impfquote sein muss, damit die Patientenzahlen in den Kliniken nicht wieder enorm steigen. © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Seit Samstag gilt in Dresden beim Einkaufen wieder die Maskenpflicht, die Inzidenz hatte vorher an fünf aufeinanderfolgenden Tagen über 10 gelegen. Die Infektionszahlen steigen bundesweit immer weiter an, auch in Dresden. Aktuell sind Sommerferien, viele Dresdner Familien machen Ferien in Spanien oder Italien. Professor Michael Albrecht spricht im SZ-Interview über die Gefahr, die von Reiserückkehrern ausgeht, und die mangelnde Impfbereitschaft.

Professor Albrecht, die Corona-Infektionszahlen steigen aktuell wieder, wird das auch eine hohe Bettenauslastung in den Kliniken bedeuten?

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Noch liegen die Belegungszahlen zum Glück im sehr geringen Bereich. Es wird abzuwarten sein, ob sich das bei weiter steigenden Inzidenzen ändert.

Wie bewerten Sie das aktuelle Infektionsgeschehen? Wo sehen Sie die Ursachen für die steigenden Zahlen?

Das aktuelle Geschehen beobachte ich mit Sorge. Die Menschen gehen zu nachlässig mit der Pandemie um. Der Sommer und die derzeit noch geringen Inzidenzen sind sicher ein Grund dafür. Aber Corona ist noch nicht vorbei. Die vierte Welle ist im Anstieg. Wir sollten vorsichtig sein, uns weiter an die Regeln halten. Und es ist wichtig, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen.

Welche Rolle spielen Urlaubsrückkehrer?

Sicher eine große, vor allem, wenn es um Urlaubsgebiete geht, in denen die neuen Varianten weit verbreitet sind. Dort werden auch weitere entstehen.

Beobachten Sie schon neue oder weitere Varianten?

Derzeit nicht.

Hätte man die Ausbreitung der Delta-Variante in Dresden verhindern können?

Nein. Das haben wir bereits bei der Alpha-Variante (die britische Variante) gesehen. Das Virus lässt sich im Mutationsgeschehen nicht stoppen. Genau deshalb ist es so extrem wichtig, dass möglichst viele Menschen geimpft sind.

Die Impfquote in Sachsen ist niedrig, wie erklären Sie sich das? Und wie könnte man mehr Menschen zur Impfung motivieren?

Richtig verstehen kann ich die Impfablehnung nicht. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir auf deren absolute Notwendigkeit ständig hinweisen. Nur wenn wir eine Durchimpfung von über 80 Prozent erreichen, können wir sicher sein, dass die Zahlen von Infizierten sowie Patientinnen und Patienten in den Kliniken nicht noch einmal so enorm steigen und dann erneut Beschränkungen notwendig sind. Das wollen wir alle nicht.

Wie bewerten Sie Impfung für Kinder ab 12?

Die aktuelle Empfehlung der Stiko ist eindeutig und gibt Eltern die Empfehlung, ihre Kinder impfen zu lassen. Das finde ich gut. Wir beobachten aber auch, dass die Impfbereitschaft unter Jugendlichen unter 18 Jahren überdurchschnittlich hoch ist – unabhängig von Vorerkrankungen oder anderen Risikofaktoren. Das sollte Vorbild für die gesamte Gesellschaft sein.

Kamen die aktuellen Lockerungen zu früh?

Wir haben in den vergangenen Monaten immer wieder beobachtet, dass mit den Lockerungen auch das Verständnis für den Ernst der Lage verloren geht. Wenn ich Reisen möglich mache, reisen die Menschen. Wenn das Maskengebot wegfällt, werden die Menschen insgesamt unachtsamer - zum Beispiel beim Abstandnehmen. Sicher, es ist ein schmaler Grat. Dennoch sollte beim Lockern bedacht werden, dass damit in den Köpfen der Menschen eine gewisse Sorglosigkeit einhergeht und eine Rückkehr zu härteren Maßnahmen immer schwerer wird.

Bleibt die Covid-Ambulanz bestehen? Wie viele Menschen kommen täglich?

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