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Kundenansturm durch Click & Collect in Dresden

In vielen Geschäften in Dresden können bestellte Waren jetzt abgeholt werden. Bei Ikea führte das zu Warteschlangen, andere Händler haben weniger davon.

Julia Meinig und Toni Wolfgang ziehen gerade von Chemnitz in ihre neue Wohnung in Dresden und haben dafür Möbel bei Ikea abgeholt.
Julia Meinig und Toni Wolfgang ziehen gerade von Chemnitz in ihre neue Wohnung in Dresden und haben dafür Möbel bei Ikea abgeholt. © Marion Doering

Dresden. Seit diesem Montag können die Dresdner in verschiedenen Geschäften Waren bestellen und sie dort an der Tür abholen. Was sich "Click & Collect" nennt, war in allen anderen Bundesländern schon lange möglich, Sachsen hat jetzt endlich nachgezogen.

Besonders erfolgreich läuft das gerade im Dresdner Einrichtungshaus Ikea, wo die Kunden am Montag bereits Schlange standen. "Maximal können 200 Kunden pro Zeitfenster von einer Stunde ihre bestellten Artikel bei uns abholen. Das Maximum wurde gestern Nachmittag ausgeschöpft. Aber der Montag war der erste Tag und das haben viele schon genutzt", sagt Hartmut Buse, der Marketingchef des Dresdner Ikea-Hauses.

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Insgesamt 1.200 Bestellungen wurden am Montag abgeholt, ein enormes Ergebnis. "Aber das wird wohl eine Ausnahme gewesen sein, jetzt rechnen wir mit weniger Andrang", sagt Buse. "Es ist aber nachvollziehbar, dass jetzt nachgeholt wird. Viele wollen sich zu Hause neu einrichten und es sich dort möglichst gemütlich gestalten."

Zwei, für die das sogar eine Notwendigkeit ist, sind Julia Meinig und Toni Wolfgang. Die beiden ziehen gerade von Chemnitz in ihre neue Wohnung in Dresden und haben bei Ikea eine Küche und einen Kleiderschrank geordert und gestern Vormittag abgeholt. Auch Carina Lenk war unter den Ikea-Kunden, sie richtet sich gerade ein Nagelstudio in Coswig ein und hat Teile für einen Empfangstresen gekauft. Lenk hofft, nun bald öffnen zu können.

Um die Zeitfenster möglichst gut zu entzerren, hat Ikea die Abholzeiten auf 6 bis 22 Uhr erweitert. Die rund 350 Mitarbeiter seien alle in die Kommissionierung eingebunden und packten Hunderte Einkaufswagen, damit bei der Abholung nichts ins Stocken gerät, sagt Buse.

Am Dienstagmorgen lief es mit der Abholung dann auch völlig entspannt. Eine Kundin berichtete, dass sie um 8 Uhr weder warten musste, noch andere hinter ihr eine Schlange bildeten. "Es war alles perfekt organisiert und wurde schnell übergeben", sagt sie. Auch am Mittag war alles ruhig, nur wenige Kunden waren an der Click-&-Collect-Abholtür zu sehen.

Hunderte Wagen wurden bei Ikea gepackt und stehen jetzt zur Abholung bereit.
Hunderte Wagen wurden bei Ikea gepackt und stehen jetzt zur Abholung bereit. © Marion Doering

Entspanntes Abholen im Elbepark

Nicht nur bei Ikea wurde am Dienstag abgeholt, auch mehrere Geschäfte des Elbeparkes bieten Click & Collect an. Gut vorbereitet war dies im Media-Markt, wo Ein- und Ausgang gut gekennzeichnet sind und die Ware von zwei Mitarbeitern schnell ausgegeben wurde. Ein Sicherheits-Mitarbeiter kontrollierte, ob sich Schlangen bilden. "Wir wussten gar nicht, was uns erwartet", sagt Geschäftsführer Jörg Neumann.

Doch der Ansturm war überschaubar, die Kunden äußerst diszipliniert. "Viele haben uns gesagt, wie froh sie sind, wichtige Geräte wie Waschmaschinen oder Kühlschränke gleich abholen zu können statt auf die Lieferung zu warten", sagt Neumann.

Darunter waren auch Familien, denen im Lockdown diese Geräte kaputtgegangen waren. Um keine Staus zu erzeugen, werden die kleineren Waren am Haupteingang ausgegeben, größere an der Warenauslieferung. "Das hat sich schon gut eingespielt", schätzt Neumann ein. Er weiß auch, dass es manchen Kunden lieber ist, vor Ort mit Karte bezahlen zu können, als ihre Daten im Internet angeben zu müssen.

Eigentlich hätten die Kunden von Daniel Philipp bei Intersport Hübner im Elbepark angesichts des Winterwetters jetzt angestanden. Doch der Verkäufer, der auch für den Bereich Skier zuständig ist, ist froh, jetzt wenigstens Click & Collect anbieten zu können. "Die Resonanz ist noch verhalten, aber das muss sich ja auch erst rumsprechen", sagt er.

Langlaufskier gehen gerade sehr gut, die hat Intersport Hübner auch schon in den Wochen zuvor auf telefonische Bestellung ausgeliefert. Doch auch jetzt seien noch Skisets erhältlich, allerdings nicht mehr in allen Größen. Die Nachfrage nach Abfahrtskiern sei jedoch minimal, sagt Philipp und zeigt auch eine Wand voller Abfahrtsstiefel. "Aber wir wollen unsere Ware jetzt auch nicht verschleudern. Wer jetzt auf Rabatte von 90 Prozent hofft, der wird enttäuscht", sagt Philipp.

Daniel Philipp von Intersport Hübner hofft auf noch mehr Bestellungen.
Daniel Philipp von Intersport Hübner hofft auf noch mehr Bestellungen. © SZ/Kay Haufe

Langsam geht es auch beim Technikanbieter Cyberport im Elbepark los. "Allerdings kann man bei uns erst seit Montag ordern, das wissen offenbar noch nicht sehr viele Leute", sagt ein Mitarbeiter. Er hat gemerkt, dass die, die kommen, gern auch Beratung hätten. "Aber das können wir bei Click & Collect nicht bieten, da geht es wirklich nur um das reine Bereitstellen zur Abholung."

Baumärkte: Ansturm erst bei wärmerem Wetter

Auch die Dresdner Baumärkte setzen – wie schon im Frühjahr 2020 – auf den Abholservice. Allerdings spielt die aktuelle Wetterlage den Unternehmen noch nicht ganz so in die Karten, sodass die Nachfrage eher verhalten ist. Seit Samstag können die Kunden online reservieren, das sei bei Hornbach für die Märkte in Kaditz und Prohlis auch rege in Anspruch genommen worden, so ein Sprecher. "An diesem Montag hatten wir im Schnitt 150 bis 200 Kundenaufträge pro Markt in Sachsen. Auch die beiden Dresdner Märkte lagen in diesem Schnitt."

Gefragt sind derzeit vor allem Streusalz und andere Auftaumittel, gefolgt von Material für Innenprojekte im Haus wie Farben und Holz. "Interessanterweise sind auch Pumpen und Pumpentechnik momentan gefragt." Dahinter vermutet das Unternehmen, dass sich die Dresdner und Sachsen auf Hochwasser auf ihren Grundstücken einstellen.

Es gebe allerdings Tageszeiten, so der Hornbach-Sprecher, in denen sich das Kundenaufkommen ballt, sodass Wartezeiten entstehen oder ein anderes Zeitfenster gebucht werden muss. Das sei vor allem für die Mittagszeit der Fall. "Unser Tipp: Wer möglichst schnell an die Kasse und an die Ware heran möchte, sollte seine Abholzeit in die Morgen- oder in die Abendstunden legen." Kunden können den Abholtermin im Halbstundentakt buchen.

Auch im Bauhaus-Baumarkt in Prohlis werde Click & Collect gut angenommen, dennoch rechne man mit einer größeren Nachfrage erst, wenn das Wetter wärmer wird und der Gartenbedarf eine größere Rolle spielt.

Kleine Händler: "Umsatz nur Tropfen auf den heißen Stein"

Bei Franziska Rüpprich vom Bekleidungsgeschäft Prüssig&Kroll lief es am Montag mit Click & Collect gut an. "Die Leute haben gestern bestellt und abgeholt und alle genießen es, wieder mehr Kontakt dadurch zum Kunden zu haben - auch wenn es digital ist", sagt sie. Ihre Kunden können online bestellen und die Ware abholen. "Wenn etwas nicht passt, kann es natürlich umgetauscht werden."

Auch Maria Bernhardt, Chefin im Blumenladen Salomé in der Neustadt, macht mit. "Gestern haben schon einige Leute angerufen und Blumen zum Abholen bestellt", sagt sie. Gerade jetzt im Winter und Lockdown wollen sich viele Dresdner etwas Schönes für daheim gönnen. "Ich werde demnächst noch mehr Werbung online machen und auch feste Abholfenster auf meiner Website anbieten", so Bernhardt, die Blumen und auch Deko verkauft.

So sieht das auch Hendrik M. Dietrich aus dem Geschenkeladen Catapult auf der Rothenburger Straße. "Wir bieten Click & Collect natürlich an, aber der Umsatz daraus ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein", so der Chef des Geschenkeladens. Seine Kunden können auf der Website die Produkte aussuchen und bei ihm abholen.

Er ist froh, durch Click & Collect wieder Kundenkontakte zu haben, sagt Daniel Dorner, der die Spielaxie in der Altmarkt-Galerie betreibt. Doch rein vom Umsatz bringt ihm diese Form des Einkaufens auch nicht mehr als über den Online-Shop. "Den Kunden fehlt ja nach wie vor die Möglichkeit zu bummeln und Dinge zu sehen, die sie vielleicht noch mitnehmen möchten. Wer bestellt, legt sich meist nur auf einen Artikel fest", sagt Donner. Und auch Beratung ist beim reinen Abholen nicht möglich.

Handelsverband: Längst Überfällig!

Der Handelsverband Sachsen kritisiert, dass das Abholen erst jetzt möglich ist. "Die Entscheidung Click & Collect jetzt endlich auch in Sachsen zuzulassen, war aus unserer Sicht längst überfällig", sagt Hauptgeschäftsführer René Glaser. Doch er relativiert auch. Click & Collect ermögliche nicht annähernd die Umsätze, die im Rahmen von geöffneten Geschäften getätigt werden würden und rettet vor allem nicht die absolut bedrohliche Liquiditätslage, in der sich die Unternehmen vielerorts gegenwärtig befinden würden. Zudem ist der Abholservice auch nicht für alle Branchen und Betriebsgrößen gleichermaßen relevant.

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