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Ansturm auf Dresdner Gärtnereien

Mit Beginn der sonnigen Tage wollen sich die Dresdner den Frühling ins Haus holen. Doch das klappt nur bedingt. Händler sind verärgert, auch jene, die öffnen dürfen.

Frühblüher werden gerade gut gekauft in der Gärtnerei von Andreas Müller in Leuben.
Frühblüher werden gerade gut gekauft in der Gärtnerei von Andreas Müller in Leuben. ©  Rene Meinig

Dresden. Es ist Zeit, den Frühling in Haus und Garten zu lassen. Insbesondere nach dem harten Corona-Winter denken sich das auch viele Dresdner und steuern in diesen Tagen vermehrt die Gärtnereien der Stadt an. Warum sie wieder öffnen dürfen und warum auch sie davon betroffen sind, dass Blumenläden, Bau- und Gartenmärkte bis auf Click & Collect geschlossen bleiben.

Mehr Kunden als in den Vorjahren

Mit Beginn der sonnigen Tage haben die Kunden die Gärtnereien regelrecht gestürmt. Denn wer selbst produziert, darf auch öffnen. So wie Gartenbau Rülcker auf der Reicker Straße oder Gartenbau Müller in Leuben. Dort gingen vor allem die selbst produzierten Primeln, Hornveilchen und Stiefmütterchen weg wie warme Semmeln.

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"Die Kunden wollen die dunkle Zeiten des Winters und der Pandemie zumindest gefühlt hinter sich lassen und sich mit den Blumen den Frühling ins Haus holen", sagt Thomas Schrön, der Geschäftsführer von Gartenbau Rülcker. Ganz ähnliche Erfahrungen haben auch Andreas Müller und sein Team gemacht. "Mit jedem sonnigen Tag kommen mehr Kunden", sagt Müller.

Es seien definitiv mehr als in den Vorjahren. "Aber das liegt natürlich daran, dass die Gartencenter und Baumärkte nicht öffnen dürfen. Wir sind solidarisch mit denen und hoffen, dass es in Sachsen auch bald wieder möglich ist, was in 13 anderen Bundesländern jetzt funktioniert", sagt Thomas Schrön. Denn er verkauft seine Pflanzen auch an den Großhandel und an Gartencenter. "Ich muss ein Jahr im Voraus die Jungpflanzen bestellen, bekomme sie im August geliefert und ziehe sie dann in unseren Gewächshäusern heran. Im März/April des Vorjahres war nicht absehbar, wie sich die Pandemie entwickelt."

Der Absatz allein in der Gärtnerei kann die Verluste nicht ausgleichen, wenn die Pflanzen nicht auch an größere Abnehmer geliefert werden können. "Wir arbeiten mit verderblichen Waren, die nicht ewig frisch bleiben, deshalb muss jetzt bald eine Öffnung kommen", hofft Schrön. Die Discounter dürften auch Pflanzen verkaufen und hätten dabei nicht annähernd so viel Verkaufsfläche wie in großen Gartencentern und Baumärkten. Dort könnte auf Abstand geachtet werden.

Gartencenter, Baumärkte, Floristen: nur Click & Collect

Anders als Gärtnereien, die selbst produzieren, dürfen die Dresdner Gartencenter wie Dehner in Übigau nach wie vor nur Click & Collect bei Gartenbedarf anbieten, erklärt eine Sprecherin. Nur die Tierbedarf- und die Lebensmittel-Abteilung ist geöffnet. Bei Click & Collect kann aus dem Sortiment online bestellt und abgeholt werden.

Tobias Muschalek, Chef vom Gartenbauverband in Dresden, hofft, dass bald wieder die Baumärkte und Gartencenter öffnen dürfen. "Aktuell beginnt mit dem Frühling deren Hochsaison und alle Dresdner machen den Garten und den Balkon fit für die warmen Tage", sagt er. Jetzt würden Pflanzen und Zubehör gekauft.

Muschalek freut sich einerseits, dass die Gärtnereien offen haben, sorgt sich aber auf der anderen Seite um den fehlenden Umsatz durch die geschlossenen Baumärkte und Gartencenter. "Viele Gärtnereien beliefern diese als große Kunden und merken natürlich die Schließungen", sagt er. Auch Click & Collect fange das nicht auf. Blumen und Pflanzen seien emotionale Produkte, die der Kunde gerne anfassen und riechen möchte und das ginge nun mal nur vor Ort.

Der Gartenverbandschef sorgt sich auch um das Geschäft der Floristen, die aktuell noch geschlossen haben und nur per Click & Collect verkaufen dürfen. "Bald ist der 8. März und damit Frauentag. Dieser Tag ist gerade im Osten sehr wichtig als Blumentag, fast noch mehr als der Valentinstag", so Muschalek.

Während in anderen Bundesländern die Bau- und Gartenmärkte wieder öffnen dürfen, können die Sachsen weiterhin nur vorbestellen und abholen.
Während in anderen Bundesländern die Bau- und Gartenmärkte wieder öffnen dürfen, können die Sachsen weiterhin nur vorbestellen und abholen. © Marion Doering

Gut läuft es dagegen in den Dresdner Baumärkten. Das teilten zumindest Bauhaus und Hornbach auf SZ-Anfrage mit. Wie die Unternehmen schon zum Start von Click & Collect vor zwei Wochen vermutet haben, stieg die Nachfrage in den vergangenen Tagen parallel zu den Temperaturen. Und sie steige stetig weiter, so Hornbach-Sprecher Florian Preuß. "Irgendwann kommen wir damit in den Märkten auch an unsere Grenzen." Deshalb sei es gut, dass die anderen Bundesländer nun nach und nach ihre Baumärkte wieder für die Privatkunden öffnen.

Sachsen-Anhalt und Bayern folgten am Montag. Ob es dadurch bei den Sachsen nun zu einem Baumarkt-Tourismus in die angrenzenden Bundesländer kommt, könne Hornbach nicht einschätzen. Das Unternehmen sei indes froh, dass - anders als im Frühjahr 2020 - Click & Collect in Sachsen und damit auch in Dresden in diesem Jahr überhaupt möglich ist.

Und auch Bauhaus bestätigt: "Der Bestell- und Abholservice wird von den Kunden in Dresden gegenwärtig sehr gerne und rege genutzt, was sicherlich auch an den frühlingshaften Temperaturen liegt." Gekauft werde alles rund um Werkstatt, Haus und Garten.

"Händler verstehen die Welt nicht mehr"

Dennoch gibt es massive Kritik, dass anderswo die Bau- und Gartenmärkte öffnen dürfen, in Sachsen aber weiterhin nur Click & Collect möglich ist. "Unsere Mitgliedsunternehmen verstehen die Welt nicht mehr", so Thomas Ott, Geschäftsführer Handel der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden.

Click & Collect, also Waren bestellen und im Geschäft abholen, habe Sachsen erst seit 15. Februar erlaubt, später als jedes andere Bundesland. "Und auch Baumärkte waren in Sachsen im Frühjahr 2020 sechs Wochen geschlossen, in anderen Bundesländern zum Teil durchgehend geöffnet", erklärt Ott und befürchtet, dass "Sachsen auch bei der Öffnung der Baumärkte und Blumenläden wieder einmal Schlusslicht sein wird".

"Nur mit Click & Collect werden wir die Kunden nicht in Sachsen halten können", sagt Mike Helbig, Marktleiter des Toom-Baumarktes in Radeberg. "Balkone und Gärten werden jetzt für das Frühjahr fit gemacht, und dafür werden viele Sachsen auch die Fahrt in ein angrenzendes Bundesland auf sich nehmen."

In seinem Baumarkt werden alle AHA-Regeln eingehalten. "Wir bieten unserer Kundschaft die notwendige Sicherheit beim Einkauf und schützen auch unsere Mitarbeiter", betont der Marktleiter. Deshalb spricht seiner Meinung nach alles für eine schnellstmögliche Öffnung.

Der Gartenbauverband Mitteldeutschland hatte durch eine Umfrage bei seinen Mitgliedsunternehmen errechnet, dass bereits durch die Schließung von Blumenläden und Baumärkten bis Ende Februar zigtausend Pflanzen vernichtet werden mussten. Durch die fehlenden Absatzmöglichkeiten aufgrund der Schließungen werden es täglich mehr.

"Die Unternehmen haben erheblich in Coronaschutzmaßnahmen investiert", meint Ott. "Die Sachsen jetzt in anderen Bundesländern einkaufen zu lassen, schadet dem Freistaat dreifach: Bei der Eindämmung des Virus, volkswirtschaftlich durch den Kaufkraftabfluss sowie ökologisch mit weiten Autofahrten."

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