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"Das Digitale kann Präsenzunterricht nicht ersetzen"

Buch oder Lernvideo, Papierform oder digital? Dresdner Eltern und Lehrer sind sich nicht immer einig, was besser für die Kinder im Homeschooling ist.

Derzeit sind die Klassenzimmer leer und die Kinder lernen fast alle daheim.
Derzeit sind die Klassenzimmer leer und die Kinder lernen fast alle daheim. © Symbolbild: Claudia Hübschmann

Dresden. Die Herausforderung ist für alle Familien mit schulpflichtigen Kindern derzeit dieselbe: neben der eigenen Arbeit die Kinder beschulen. Die einen lernen daheim mit viel Disziplin, die anderen proben den Aufstand und wollen kein Buch aufschlagen. Immer mehr Eltern fordern jetzt von den Schulen mehr digitale Angebote.

Was sagen Eltern?

In mehreren Dresdner Schulen gibt es jetzt Elterninitiativen für mehr Digitalisierung während der häuslichen Lernzeit. Sie bemängeln, dass immer noch an vielen Schulen kein Unterricht im direkten Konferenzmodus stattfindet. Außerdem seien diese gut für das soziale Miteinander, da viele Kinder gerade keine Freunde sehen können.

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Andere Eltern befürworten eher Aufgaben in Lehrbüchern und Heften, da man die Kinder schon oft genug vor Fernseher und Co. parken müsste, um die eigene Arbeit zu schaffen.

Martin Raschke, Chef der Dresdner Elternrates, sieht in der Mischung den richtigen Weg. "Als Ergänzung sind digitale Angebote sicher gut, aber gerade die Konferenzen bergen auch die Gefahr, dass sich Schüler gedanklich schnell rausziehen", sagt er. Auch bei der Grundschulklasse sei eine Stunde via Zoom oder Teams nicht sinnvoll. "Das Digitale kann den Präsenzunterricht, wenn er dann wieder möglich ist, nicht ersetzen", sagt er.

Dennoch wünschen sich vor allem Eltern der Erst- bis Viertklässler, dass ihre Kinder Kontakt zu den Mitschülern halten können. Dort, wo Lehrer das ermöglichen, nutzen viele Familien das Angebot, auch wenn die Videokonferenz nur einmal wöchentlich stattfindet. "Unsere Lehrerin macht das super, sie fragt die Kinder einfach nur, was sie so erlebt haben und erklärt ganz kurz, was im Unterricht jetzt wichtig ist", berichtet die Mutter eines Zweitklässlers an der 95. Grundschule.

Wie setzen Schulen digitale Mittel ein?

Dazu gibt es keine Vorgaben, Schulen und Klassenlehrer können das eigenständig entscheiden. An einer Grundschule im Dresdner Osten lernen die Kinder der vier zweiten Klassen deshalb unterschiedlich. Während sich eine Klassenlehrerin - auch mithilfe von Eltern - in die Technik von Big Blue Button, einer Plattform für Videokonferenzen, eingearbeitet hat und die Kinder sich regelmäßig sehen, verzichten andere Lehrer komplett auf den Einsatz digitaler Mittel.

Frank Haubitz, Schulleiter des Gymnasiums Klotzsche, hat gerade einen Vertrag mit einem Unternehmen geschlossen, über das sichere Videokonferenzen angeboten werden sollen. Bisher würde diese Unterrichtsform auch schon genutzt, sagt er.

Das sehen einige Eltern seiner Schule jedoch anders, wie sie auf Facebook schreiben. "Welche Videokonferenzen meint er", schreibt dort Dietmar Riedel. "Ich sehe nur ein paar Aufgaben über Lernsax, falls es mal funktioniert. Neuer Unterrichtsstoff wird leider nicht vermittelt."

Auch Rene Strietzel beschreibt Schwierigkeiten am Klotzscher Gymnasium. "Hier gab es seit dem neuerlichen Lockdown keinen neuen Stoff, sondern nur Zettelwirtschaft und Videokonferenz gibt es durch das massive Aufbegehren der Eltern seit gestern, nur nicht in unserer Klasse."

Dagegen hat Ines Röthig gute Erfahrungen gemacht. "Videokonferenzen sind sehr von den entsprechenden Lehrern abhängig. Ich würde sagen, die Jüngeren sind dem gegenüber natürlich offener", schreibt sie. "Der Englischunterricht wird nun beispielsweise komplett per Videokonferenz abgehalten - die Aufgaben werden da quasi auch live erledigt. Für andere Fächer gibt es die Möglichkeit, die bereits gelösten Aufgaben per Konferenz durchzugehen, was auch schon hilft. Der Mathelehrer hat sich in die Youtube-Welt gestürzt und dreht nun eigene Erklärvideos für die Kinder. Generell läuft es in der Schule meiner Kinder (Haubitz-Gymnasium) ganz gut. "

Wie gut ist die technische Ausstattung?

Wer im Homeschooling am Rechner Aufgaben lösen soll, braucht dafür die entsprechende Technik. Doch nicht alle Familien haben das Geld oder die Möglichkeit, jedem Kind ein Gerät zur Verfügung zu stellen. Die Stadt hat sich gekümmert. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 5.208 Notebooks für die kommunalen Dresdner Schulen neu angeschafft, so Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU).

Damit seien nun rund 7.000 Notebooks in den Schulen. Eine erneute Bestellung sei im Januar 2021 nicht erfolgt. Die Notebooks werden durch das Schulverwaltungsamt so installiert und konfiguriert, dass sie sowohl in der Schule als auch zu Hause von den Schülern genutzt werden können. "Somit können die Geräte selbstverständlich auch bei der Notbetreuung in den Schulen eingesetzt werden", so Donhauser.

Alle kommunalen Schulen würden auch für die Lehrer, die von der Schule aus arbeiten oder für Kinder, die in der Notbetreuung lernen, über einen ausreichenden Internetzugang verfügen, so die Stadt. Trotzdem sollen bis Ende 2023 die Bedingungen durch die Anbindung der Schulen an das Glasfasernetz der Stadt noch verbessert werden. In allen Schulen soll mit den Mitteln des Digitalpaktes eine flächendeckende WLAN-Infrastruktur geschaffen werden. Dies wird jedoch bis zum Abschluss der Fördermaßnahme im Jahre 2024 dauern.

Was fordern die Schüler?

Damit die Lehrerschaft endlich methodische Fortbildungen erhält, um den digitalen Unterricht effektiver zu gestalten und nachhaltig Wissen vermittelt wird, haben Schüler jetzt die Petition "Corona bekämpfen, Bildung stärken - für die Zukunft der Jugend in Sachsen" gestartet. Initiatorin ist Helene Gebel aus Langebrück, die Schülersprecherin am Gymnasium Radeberg ist.

In der Petition wird darauf hingewiesen, dass es in den Sommermonaten versäumt wurde, die Lehrer für ein erneutes Homeschooling zu qualifizieren und das Portal LernSax ausreichend stabil zu gestalten. Auch für die Abiturienten gebe es keine Perspektiven, falls Prüfungen und Klausuren nicht planmäßig stattfinden könnten. Das jahrelange Verschleppen einer umfassenden Digitalisierung und der Fortbildung der Lehrkräfte seien nicht förderlich für die Notsituation gewesen.

Bisher haben 363 Personen die E-Petition unterzeichnet (Stand Donnerstagmittag), es gibt über 100 Kommentare dazu. Die meisten weisen darauf hin, wie wichtig Bildung ist. Es sei höchste Zeit, jetzt etwas zu verändern.

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