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Händler-Krise auf Dresdens Weihnachtsmärkten

So manche Händler werden nach dem Krisenadvent 2020 nicht zurückkehren. Die Organisatoren der kleineren Märkte wollen trotzdem öffnen - ein Überblick.

Von Kay Haufe & Julia Vollmer & Sandro Rahrisch & Andreas Weller
 6 Min.
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Noch nie sei es so schwierig gewesen, den Augustusmarkt auf der Dresdner Hauptstraße zu organisieren, sagt Holger Zastrow.
Noch nie sei es so schwierig gewesen, den Augustusmarkt auf der Dresdner Hauptstraße zu organisieren, sagt Holger Zastrow. © Sven Ellger

Dresden. Noch einmal sollen die Weihnachtsmärkte in Dresden nicht ausfallen. Das gilt für den Striezelmarkt, aber auch die zahlreichen kleineren Märkte im Zentrum und in den Stadtteilen. Zwar plagen die Organisatoren dieses Jahr keine Sorgen, dass die Pandemie noch einmal einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Allerdings werden so manche Stände diesmal fehlen.

Advent auf dem Neumarkt

Advent auf dem Neumarkt heißt der kleine Weihnachtsmarkt vor der Dresdner Frauenkirche.
Advent auf dem Neumarkt heißt der kleine Weihnachtsmarkt vor der Dresdner Frauenkirche. © Ronald Bonß

Der Betreiber von Advent auf dem Neumarkt ist froh, dass in diesem Jahr wieder Weihnachtsmärkte möglich sind. "Wir haben auch für eine Verschärfung der Vorgaben eine Variante in der Tasche", so Sven Erik Hitzer. "Mit den üblichen AHA-Regeln und Spuckschutz ist es relativ entspannt." Er werde die 60 Stände etwas weiter auseinanderstellen als vor den Corona-Maßnahmen.

"Aber wir haben arge Bedenken wegen der Wirtschaftlichkeit und befürchten deutlich weniger Besucher, sodass es sich nicht lohnt." Denn der Gewinn in der Kalkulation sei überschaubar. "Wir tragen das wirtschaftliche Risiko und die Auswirkungen der politischen Entscheidungen zur Eindämmung der Pandemie treffen uns jetzt mit voller Breitseite." So verzeichne er deutlich weniger Händler, die überhaupt noch auf den Weihnachtsmarkt wollen. In den Jahren bis 2019 habe er dreimal so viele Bewerber gehabt wie Stände, jetzt sind noch etwa zehn Prozent der Stände nicht vergeben, weil es keine Interessenten gebe. Viele wollen sich jetzt nicht vertraglich binden und haben zudem Probleme, Personal für den Verkauf zu finden. "Die Maßnahmen waren für viele Händler so einschneidend, dass sie entweder pleite gegangen sind oder etwas anderes machen", so Hitzer.

Aber er will den Weihnachtsmarkt auf dem Neumarkt trotzdem durchführen. Falls die sogenannte Vorwarnstufe ausgerufen wird und verschärfte Regeln greifen, könne Hitzer die Stände noch ein ganzes Stück weiter auseinander stellen. Eine 2G-Regel, also nur Geimpfte und Genesene auf den Markt zu lassen, käme für Hitzer aber nicht infrage. "Es war für die Psyche der Menschen nicht gut, alles zu schließen und im vergangenen Jahr keine Weihnachtsmärkte zuzulassen. Die Vorweihnachtszeit ist ein wichtiger Moment im Jahr. Die Auswirkungen der Lockdowns werden Kliniken noch Jahre beschäftigen."

Weihnachtsmarkt Loschwitz

Der Loschwitzer Weihnachtsmarkt öffnet am 4. Dezember.
Der Loschwitzer Weihnachtsmarkt öffnet am 4. Dezember. © Sven Ellger

"Der Weihnachtsmarkt soll auf jeden Fall stattfinden", sagt Jörg Ulrich, Chef des Elbhangfest-Vereins, der auch den Loschwitzer Weihnachtsmarkt veranstaltet. Vom 4. bis 19. Dezember sollen auf dem Körnerplatz die weihnachtlichen Buden stehen und Geschenke, Glühwein und Co. verkaufen. 2020 musste der Weihnachtsmarkt ausfallen wegen Corona. "Geplant ist die traditionelle Variante, wie früher", so Ulrich. Über 40 Händler bieten Essen, Getränke und Handwerkskunst an. "Täglich wird es auf der Bühne ein kleines feines Kulturprogramm geben."

Augustusmarkt auf der Hauptstraße

Die Stände auf dem Augustusmarkt werden dieses Jahr weiter auseinandergestellt.
Die Stände auf dem Augustusmarkt werden dieses Jahr weiter auseinandergestellt. © Agentur

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren für den internationalen Weihnachtsmarkt auf der Hauptstraße. "Aber sie waren nie so aufwendig wie in diesem Jahr", sagt Betreiber Holger Zastrow. Die Händler seien sehr zögerlich mit Zusagen, was verschiedene Gründe habe. "Erstens finden sie kaum noch Personal für die Stände. Menschen, die das früher gemacht haben, sind in den vergangenen Monaten alle in feste Jobs abgewandert", sagt Zastrow, der es aus eigener Erfahrung in seinem Biergarten Hofewiese kennt. Studenten interessierten sich kaum noch für diese Arbeit, weil sie viele andere Angebote hätten. "So stehen die Händler oft selbst viele Stunden in den Buden, können aber deshalb nicht auf mehreren Märkten wie früher präsent sein", schätzt Zastrow ein. Dazu kommen Lieferschwierigkeiten für bestimmte Waren, unter anderem auch Erzgebirgserzeugnisse.

Dennoch hat Zastrow für seinen Markt schon viele Händlerzusagen, nur noch wenige Stände sind zu vergeben. Neu ist in diesem Jahr, dass der Augustusmarkt vom 24. November bis zum 9. Januar geöffnet sein soll und damit der zeitlich längste in Sachsen sein wird. Auch zu Silvester sollen die Stände über Mitternacht hinaus ein Angebot für die Kunden bereithalten.

Mit einem finnischen Dorf, in dem die Skandinavier unter anderem Flammlachse grillen, will Zastrow etwas Anderes als das Gewohnte bieten. "Leider können wir aus Hygienegründen den großen inneren Einkaufsbereich nicht öffnen, das wird wohl erst nächstes Jahr möglich sein." Aber es soll finnische Souvenirs geben.

Um mehr Raum und somit auch mehr Abstand für die Besucher zu gewährleisten, werden die Stände in diesem Jahr noch weiter voneinander entfernt aufgestellt. "Dafür nutzen wir die gesamte Breite des inneren Bereichs und bauen auch die Bänke ab", sagt Zastrow. Deren Bolzenverankerungen würden mit Kappen vom Autobahnbau abgedeckt, um keine Unfälle zu verursachen. "Frühere Engstellen werden so entschärft." Außerdem werden Stände mit besonders gefragtem gastronomischem Angebot in Rondellen platziert, sodass es keine Staus geben soll. "Natürlich setzen wir aber auch immer auf die Eigenverantwortung der Gäste." Zastrow ist gespannt, wie das Experiment mit der verlängerten Öffnungszeit in den Januar hinein läuft.

Mittelalter-Weihnachtsmarkt im Stallhof

Auch der Mittelalter-Weihnachtsmarkt im Stallhof soll dieses Jahr wieder stattfinden.
Auch der Mittelalter-Weihnachtsmarkt im Stallhof soll dieses Jahr wieder stattfinden. © Marion Doering

Entspannt und zufrieden gibt sich Henry Bibow, der mit seiner Agentur "Sündenfrei" den Mittelalter- Weihnachtsmarkt im Stallhof betreibt. "Wir haben alle Verträge in Sack und Tüten und wollen am 24. November um 11 Uhr eröffnen", sagt er. Sein Hygienekonzept hat er unter anderem vor wenigen Tagen auf der Neuenburg in Sachsen-Anhalt erfolgreich getestet. "Das hat uns Mut gemacht, dass im Stallhof auch alles super funktionieren wird."

Das Gute am Stallhof sei, dass er zwei Eingänge habe, über die man die Besucherzahlen regulieren kann. "Wir sind auf 2G oder 3G eingestellt. An Drehkreuzen werden die Besucher gezählt und registriert." Dennoch bleibt Bibow abwartend, denn die entscheidende sächsische Corona-Schutzverordnung für den Mittelalter-Markt kommt erst Ende November.

Er will indes auch den Badezuber wider anbieten. "Wer sich zusammen ins Wasser setzt, kennt sich bereits. Da haben wir keine Bedenken." Anders sieht er das im Arkadengang, wo es bisher immer Sitzmöglichkeiten gegeben hat. Flächen, auf denen die Gäste zu lange verweilen, soll es aber laut der derzeit gültigen Corona-Schutzverordnung nicht geben. "Ich glaube aber, dass wir es den Leuten ermöglichen sollten, sich hinzusetzen", sagt Bibow. Dazu sei er mit dem Dresdner Gesundheitsamt in Gesprächen. "Wir sind auf alle Eventualitäten eingestellt. Nur nicht auf eine Absage der Weihnachtsmärkte."

Geöffnet sein soll der Mittelalter-Markt vom 24. November bis 23. Dezember sowie vom 27. Dezember bis zum 6. Januar.

Winterlichter auf der Prager Straße

Der Winterlichter-Weihnachtsmarkt auf der Prager Straße wartet dieses Jahr mit einem besonderen Lichtspiel.
Der Winterlichter-Weihnachtsmarkt auf der Prager Straße wartet dieses Jahr mit einem besonderen Lichtspiel. © PR-Foto

Am 22. November eröffnet der "Winterlichter"-Weihnachtsmarkt auf der Prager Straße. Ein Highlight im wahrsten Sinne des Wortes soll die illuminierte Fassade des Pullman-Hotels werden. Bis zum 23. Dezember ist täglich von 10 bis 21 Uhr geöffnet, am Starttag ab 16 Uhr. Auch die Agentur Schröder, die den Markt auf der Einkaufsmeile organisiert, sucht noch Händler, insbesondere für erzgebirgische Volkskunst. Einige Händler, oft ältere, hätten das Pandemiejahr 2020 zum Anlass genommen, aufzuhören, so Geschäftsführer Hagen Stieglitz.

Es werde seinen Schätzungen zufolge mindestens zwei bis vier Jahre dauern, bis sich Nachfolger gefunden haben. Im gastronomischen Bereich sei man dagegen gut aufgestellt. Interessenten für einen Stand können sich per E-Mail unter [email protected] bei der Agentur melden.