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Streicht Dresden den Schulen Geld?

Eine Lehrerin kritisiert, dass Schulbücher und Arbeitshefte nicht angeschafft werden können. Der Bildungsbürgermeister erklärt, was es damit auf sich hat.

Zurück im fast normalen Schulalltag: Dresdner Kinder lernen wieder in den Klassen. Nun sorgt die Kürzung der Schulbudgets für Ärger.
Zurück im fast normalen Schulalltag: Dresdner Kinder lernen wieder in den Klassen. Nun sorgt die Kürzung der Schulbudgets für Ärger. ©  Symbolfoto: dpa/Robert Michael

Dresden. Schulen geöffnet, Schulen geschlossen, mal Präsenz- mal Wechselunterricht - für Schüler, Lehrer und Eltern war die Schulzeit unter Pandemiebedingungen oft anstrengend. Nun läuft zwar langsam wieder alles in geordneteren Bahnen, aber es gibt ein neues Problem, das Lehrern und Schulleitern offenbar Sorgen bereitet: mögliche Budgetkürzungen und damit weniger Geld für Schulbücher und anderes Lernmaterial.

Johanna Meier ist Lehrerin an einer Dresdner Grundschule in einem Brennpunktviertel, wie sie es selbst beschreibt. "Nach über einem Jahr Corona, Schulschließungen und Wechselunterricht kehren wir nun langsam zum Normalbetrieb zurück und blicken hoffnungsvoll auf das neue Schuljahr, in dem wir mit unseren Schülern hoffentlich wieder wie gewohnt arbeiten können", erzählt sie. Ihren richtigen Namen und den der Schule, an der sie arbeitet, möchte sie lieber für sich behalten.

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Es sei ihr nun mitgeteilt worden, dass das Schulbudget für das kommende Schuljahr um 25 Prozent gekürzt wird. "Und dies, nachdem die Stadt Dresden erst kürzlich verlauten ließ, trotz der Pandemie einen Überschuss von mehr als 100 Millionen Euro erwirtschaftet zu haben. Zudem wurde stets betont, wie wichtig die Bildung nach der Pandemie sein werde", ärgert sich die Pädagogin.

Schulbücher sind veraltet

"Die massiven Kürzungen unseres Budgets bedeuten für unsere Schüler und das Kollegium große Einschränkungen. Dazu zählt unter anderem die Tatsache, dass wir keine neuen Bücher bestellen können und zudem alle Klassenstufen in den Fächern Englisch und Ethik künftig keine Arbeitshefte mehr erhalten werden", so Johanna Meier.

Schon jetzt seien die Bücher teilweise über zehn Jahre alt. "Unsere Bücher für den Deutschunterricht stammen aus dem Jahr 2009, zwischenzeitlich gab es seitens des Verlags bereits zwei neue, nach neuesten pädagogischen und fachwissenschaftlichen Erkenntnissen angefertigte Auflagen." In ihrer Schule wurden diese überarbeiteten Ausgaben nicht angeschafft.

Für die Kinder sei es ein großer Nachteil, wenn sie keine zeitgemäßen Unterrichtsmaterialien hätten, ganz abgesehen vom schlechten Zustand der Lehrwerke, nachdem sie jahrelang durch verschiedene Kinderhände gegangen sind. Das Kollegium arbeite nun weiterhin mit völlig veraltetem Material, mit dem niemand mehr zufrieden ist.

Ein weiteres Problem aus ihrer Sicht: die fehlenden Arbeitshefte in den Fächern Englisch und Ethik, die nicht mehr gekauft werden könnten. Sie und ihre Kollegen müssten nun jedes einzelne Arbeitsblatt kopieren. "Für ein Arbeitsblatt im Fach Englisch für die Klassenstufe 3 bedeutet das für die entsprechende Lehrkraft, dass mindestens 100 Kopien angefertigt werden müssen, denn unsere Grundschule ist vierzügig, in jeder Klasse lernen etwa 25 Kinder, häufig sogar mehr", zählt sie auf. Für das Kollegium mit insgesamt 24 Lehrkräften stehe dabei nur ein Kopierer zur Verfügung. Diese Anzahl von Kopien zu machen, sei absolut unrealistisch.

Lehrerin: "Wir fühlen uns vor den Kopf gestoßen"

Und ein weiteres Beispiel aus dem Alltag nennt die Lehrerin. "In den zweiten Klassen sollen die Schüler die Arbeit mit einem Wörterbuch lernen. Auch für diese Anschaffung reicht unser Budget nun nicht mehr, obwohl es sich bei der Wörterbucharbeit um einen wichtigen Bestandteil des sächsischen Lehrplans für die Klassenstufe 2 im Fach Deutsch handelt."

Johanna Meier fühlt sich nach dem Stress der vergangenen Corona-Monate nun durch die drohenden Kürzungen vor den Kopf gestoßen. "Wir als Lehrer haben uns während der gesamten Zeit der Schulschließungen bemüht." Obwohl es an der Infrastruktur mangelte, sagt die Lehrerin. So habe es keine Dienstcomputer gegeben, die Technik sei veraltet und die sächsische Lernplattform Lernsax weise massive Mängel auf.

"Trotzdem haben wir versucht, unsere Schüler zu erreichen und ihnen Wissen zu vermitteln." Sie rechne nicht damit, dass in den kommenden Wochen plötzlich alles besser wird, aber dass es tatsächlich noch schlimmer werden würde als vor der Pandemie, hätte nach allen Versprechungen seitens der Politik niemand für möglich gehalten.

Die Kürzungen der Schulbudgets würden nur den Schluss zulassen, dass zu keinem Zeitpunkt ein wirkliches Interesse daran bestand, den Kindern im Allgemeinen und den Kindern in sogenannten schwierigen Stadtteilen und Situationen im Besonderen, wirklich zu helfen, urteilt die Pädagogin.

Donhauser: "Niemand muss sich Sorgen machen"

Diese Vorwürfe weist Dresdens Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) entschieden zurück und stellt klar, dass es keine Kürzungen gibt. Allerdings seien bislang lediglich 75 Prozent des jeweiligen Schulbudgets an die Einrichtungen ausgezahlt worden.

Diese Entscheidung sei im März gefallen, als die Haushaltssituation zunächst unklar gewesen sei und nicht absehbar war, dass die Stadt trotz Corona-Einbußen einen Haushaltsüberschuss von 109 Millionen Euro hat. Dieses Geld stehe nun aber nicht allein für den Bildungsbereich zur Verfügung. Einen Teil des Schulbudgets vorerst einzubehalten sei eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen.

Und wann wird nun der Rest ausgezahlt? "Nach der Sommerpause wird mit den Schulen über den Umgang mit den restlichen 25 Prozent gesprochen", so Donhauser. Dann könne die Lage erneut eingeschätzt und geschaut werden, wo die Stadt sonst noch Geld eingespart hat. Als Beispiel führt der Bildungsbürgermeister den ausgefallenen Schwimmunterricht an.

Das Budget für die Grundschulen liege in diesem Jahr bei insgesamt 2,03 Millionen Euro, erklärt Donhauser weiter. Allein für Lehrbücher, Arbeitshefte und Kopien standen 2020 1,43 Millionen Euro zur Verfügung. In diesem Jahr wurden dafür zunächst 1,06 Millionen ausgezahlt, was dem Richtwert von 75 Prozent entspricht, rechnet Donhauser vor.

Er verweist darauf, dass die Grundschulen im vergangenen Jahr das zur Verfügung gestellte Budget gar nicht komplett in Anspruch genommen haben. Von 2,64 Millionen Euro seien nur 2,26 Millionen Euro abgerufen worden.

Stadt ist mit Schulen im Gespräch

Donhauser räumt allerdings auch ein, dass gespart werden muss. So seien die Schulen informiert worden, dass Schulbücher und Arbeitshefte möglichst ohne Begleit-CD-Rom bestellt werden sollen. "Diese Regelung wurde getroffen, da diese CD-Rom in der Regel nicht ausgereicht und nach spätestens zwei Schuljahren vernichtet wurden." Ohne die Beilage sind die Bücher und Hefte 25 Prozent preiswerter.

Was die Stadt indes nicht darf: die Anschaffung von Arbeitsheften und Büchern verbieten. "Eine derartige Festlegung kann und darf der Schulträger nicht treffen. Es wäre ein Eingriff in die pädagogische Arbeit der Schulen", stellt Donhauser klar.

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Der Bildungsbürgermeister beruhigt: "Niemand braucht sich Sorgen zu machen." Wenn es an Schulen finanzielle Engpässe gebe, könnten sich diese an das Schulverwaltungsamt wenden, was laut Donhauser mittlerweile vier Einrichtungen getan haben. Mit ihnen sei man im Gespräch, auch der Bildungsausschuss wisse Bescheid.

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