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Corona: Wie werden Dresdens Schulen sicherer?

Seit Montag sind die Dresdner Grundschulen wieder geöffnet, doch es gibt Kritik an den Hygienekonzepten. Das sagt die Stadt zu Lüftungsfiltern und Tests.

Nicht in jedem Dresdner Klassenzimmer kann das Fenster zum Lüften geöffnet werden. Das ist nur eine Sorge von Lehrern und Eltern in den wieder geöffneten Schulen.
Nicht in jedem Dresdner Klassenzimmer kann das Fenster zum Lüften geöffnet werden. Das ist nur eine Sorge von Lehrern und Eltern in den wieder geöffneten Schulen. © Guido Kirchner/dpa

Dresden. Die erste Schulwoche ist in vollem Gange - und viele Dresdner Eltern sind froh, dass an ihrer Stelle nun wieder die Profis den Unterricht übernehmen. Seit diesem Montag sind Sachsens Grundschulen und Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb geöffnet, und auch in Dresden drücken jetzt neben den Abschlussschülern auch wieder die Erst- bis Viertklässler die Schulbank. Allerdings nicht alle. Gut sechs Prozent der Grundschüler werden auch weiterhin die Lernaufgaben daheim erledigen. Einige Familien nutzen die Möglichkeit zum Homeschooling, denn die Schulbesuchspflicht bleibt vorerst ausgesetzt.

Eltern, Lehrer und Erzieher haben ganz unterschiedliche Meinungen dazu, ob die Schulöffnung zum jetzigen Zeitpunkt richtig war. Bei vielen Familien und Pädagogen bleibt ein mulmiges Gefühl. Kam die Öffnung zu zeitig? Reichen die Hygieneregeln aus, um die Ausbreitung des Coronavirus im Griff zu behalten? Muss mein Kind womöglich in Quarantäne oder werden die Schulen ohnehin bald wieder geschlossen?

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Kritik an der Schulöffnung kommt unter anderem von der Lehrergewerkschaft GEW. "Die Umsetzung von Schutzmaßnahmen wie Abstand und die strikte Trennung von Klassen und Gruppen ist gerade bei kleineren Kindern und angesichts der Personalknappheit schwierig bis unmöglich. Zudem erfolgt die Öffnung nun ausgerechnet in der Erkältungssaison", so GEW-Landeschefin Uschi Kruse.

Verwirrung bei den Zuständigkeiten

Zudem spricht Kruse einen Punkt an, bei dem es vor allem bei den Eltern immer wieder Verwirrung um die Zuständigkeiten gibt. "Dass es seit zehn Monaten nicht gelingt, den Infektionsschutz in Kindertageseinrichtungen landesweit durch anlasslose Tests abzusichern, ist ein unerträglicher Skandal", so Kruse. Anlasslos bedeutet, dass ein Erzieher auch ohne typische Symptome auf eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 getestet wird.

Dabei muss zunächst unterschieden werden, wer für die Lehrer, wer für die Horterzieher und wer für die Schulgebäude zuständig ist. Während Lehrer zum Freistaat gehören und als Landesbedienstete Anspruch auf FFP2-Masken und einen wöchentlichen Coronatest haben, ist für die Erzieher in Kitas und Horten die Stadt Dresden zuständig. Das betrifft auch die Schulgebäude und deren Ausstattung.

Mehr Corona-Tests für Dresdner Erzieher gefordert

Wie die GEW-Chefin haben auch die Bildungsexpertinnen im Dresdner Stadtrat ein Problem mit der aktuellen Regelung in Bezug auf die Coronatests für Erzieher. "Dass Schulen und Horte ohne klare Teststrategie geöffnet wurden, halte ich für bedenklich", so Grünen-Chefin Agnes Scharnetzky.

Mit einem Eilantrag an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) fordern Grüne, SPD und Linke nun unter anderem, dass Erzieher dreimal wöchentlich und unabhängig von Symptomen getestet werden sollen. Das solle für städtische Angestellte gelten, aber auch für Erzieher, die bei freien Trägern beschäftigt sind.

Dresdens Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) weist nun zunächst die Kritik von sich, dass es keine klare Teststrategie gebe. Denn diese sehe vor, dass ein einmaliger freiwilliger Test möglich ist sowie eine "anlassbezogene Testung", also dann, wenn es den Verdacht auf eine mögliche Infektion gibt. Zudem werde aktuell eine Teststrategie entwickelt, bei der geprüft wird, ob etwa Kita- und Hortbetreuer regelmäßig getestet werden sollen. Dazu wird eine Verwaltungsvorlage erarbeitet, die dem Stadtrat am 4. März vorgelegt wird und über die schnellstmöglich entschieden werden soll.

Auf die Forderung, dass alle Erzieher dreimal wöchentlich getestet werden, rechnet Donhauser vor, dass damit wöchentlich rund 360.000 Euro Kosten verbunden wären. "Selbst, wenn das Geld dafür da wäre, bleibt die Frage, wie das logistisch und organisatorisch umgesetzt werden soll", so Donhauser.

Damit wird sich im März nun der Stadtrat befassen müssen.

Lüftung der Klassenzimmer nicht überall möglich

SPD-Fraktionschefin Dana Frohwieser begrüßt grundsätzlich, dass Grundschulen wieder geöffnet sind. "Das war überfällig. Kinder müssen aus der monatelangen Isolation raus, die überlasteten Familien brauchen Solidarität." Doch die bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion fragt sich auch: "Aber warum ist Dresden nach einem Jahr Corona-Pandemie darauf so schlecht vorbereitet?"

Auf das Problem Frischluft in den Dresdner Klassenzimmern weist Anja Apel von den Linken hin. Sie ist selbst Lehrerin und weiß: "Die Situation zum Lüften ist äußerst prekär. Es ist wirklich kalt, es wird vergessen oder es besteht gar nicht die Möglichkeit zum richtigen Lüften." Das sei allen klar gewesen nach den Erfahrungen im Frühjahr.

Dass immer noch nichts getan wurde, um die Bedingungen zu verbessern und damit auch die Gefährdung für alle Beteiligten gering zu halten, zeige eben auch, dass Kitas und Schulen nicht so wichtig sind. "Ich bin froh, dass alle so engagiert mitmachen bisher, jetzt verlange ich das auch von den politisch Verantwortlichen und von der Verwaltung." So ist auch dieses Thema Teil des Eilantrags, der eine Richtlinie zur Lüftung und vor allem eine Lösung dafür fordert, wenn Fenster in Klassenzimmern gar nicht von den Lehrern selbst geöffnet werden können.

Schulverwaltungsamt: Filteranlagen keine Option

Doch auch hier wehrt sich Bildungsbürgermeister Jan Donhauser gegen die Vorwürfe. "Ich weise entschieden zurück, dass die Verwaltung bislang nichts getan hat." Er stelle sich vor seine Ämter und empfinde die Tonalität von Apels Kritik unangemessen.

In Bezug auf die Lüftung verweist er auf eine Stellungnahme des Schulverwaltungsamtes, das den Einbau entsprechender Filteranlagen in den Klassenzimmern, um die Virenlast in der Luft zu reduzieren, durchaus geprüft habe. Amtsleiterin Katrin Düring rechnet vor, dass in einer zweizügigen Grundschule 15 Geräte installiert werden müssten. Diese müssten aus Platzgründen an der Decke befestigt werden, was aus statischen Gründen problematisch wäre. Dazu kommt die Wartung in Vollschutz, da die Filter virenbelastet sind - einen Aufgabe, die Hausmeister nicht übernehmen können, sondern nur Fachfirmen.

"Abschließend sollte reflektiert werden, ob die weitere technische Aufrüstung der Schulgebäude mit Luft-Reinigungsgeräten tatsächlich eine angemessene Reaktion auf die pandemische Lage darstellt", heißt es in dem Bericht vom Schulverwaltungsamt. Eine gut funktionierende Filteranlage reduziere sicher die Virenlast in einem Raum, lasse jedoch eine Vielzahl anderer Ansteckungswege im laufenden Schulbetrieb offen. Das Fazit: Einem gut durchdachten Hygienekonzept an den Schulen sollte gegenüber technischen Lösungen immer der Vorzug gegeben werden.

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