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Regenbogenflagge vorm Dresdner Rathaus gehisst

Erstmals darf die Flagge zum Christopher Street Day am Sonnabend dort wehen. Oberbürgermeister Dirk Hilbert gab im Vorfeld eine Erklärung ab.

Die Regenbogenflagge weht seit Sonnabendmittag vor dem Dresdner Rathaus. Bis dahin war es ein langer Weg.
Die Regenbogenflagge weht seit Sonnabendmittag vor dem Dresdner Rathaus. Bis dahin war es ein langer Weg. © Christian Juppe

Dresden. Viele Jahre haben sich Lesben, Schwule, bi- und transidente Menschen darum bemüht, dass die Regenbogenflagge zum Christopher Street Day (CSD) vorm Dresdner Rathaus wehen darf. Sie steht weltweit für Aufbruch, Veränderung und Frieden, und sie gilt als Zeichen für Toleranz und Akzeptanz. Viele Jahre lehnte die Stadtverwaltung diesen Wunsch auch ab. Mal hieß es, man öffne Tür und Tor für viele weitere Beflaggungswünsche, ein anderes mal, die sächsische Beflaggungsvorschrift für Dienstgebäude stünde im Weg. Was der CSD-Verein davon hielt? Es schade niemandem, wenn vor einer Behörde - als Zeichen von Akzeptanz - eine Regenbogenfahne hänge, hatte Vorstandssprecher Ronald Zenker zuletzt im Juni zu verstehen gegeben. Tatsächlich hat sich Dresden dieses Jahr umentschieden.

Denn der Dresdner Stadtrat hat auf Antrag der Linken die Verwaltung beauftragt, die Flagge zu hissen. Nicht wie üblich im Juni, wenn der CSD in der Landeshauptstadt normalerweise stattfindet, sondern an diesem Sonnabend. Die Corona-Pandemie machte einen Umzug mit Tausenden Menschen vor wenigen Monaten unmöglich. Um 11.30 Uhr am Sonnabend haben Ronald Zenker und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) die Regenbogenflagge gemeinsam zum Flaggenmast gebracht.

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"Wir freuen uns außerordentlich, heute das erste Mal vorm Rathaus die Fahne hissen zu können als Zeichen für Toleranz", sagte Schmidt-Lamontain. Dieses Zeichen vorm Rathaus unterstütze den CSD und sein Anliegen, sagte Zenker und bedankte sich bei den Fraktionen, die dafür stimmten, sowie bei der Verwaltung. Zehn Jahre habe man gekämpft.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gab bereits am Freitag eine Erklärung zu seiner Entscheidung in den letzten Jahren und seiner Einstellung heute ab. "Ich finde es ein gutes Zeichen, dass der Stadtrat sich mehrheitlich dafür ausgesprochen hat, dass mit diesem symbolischen Akt ein Zeichen für Toleranz und Offenheit gegenüber jeder Lebensweise, jedem Geschlecht und jeder Sexualität gesetzt wird", sagte er. 

Hilbert rechtfertigt Vorgehen der letzten Jahre

"Viele, die die Diskussion um die Regenbogenfahne in den vergangenen Jahren verfolgt haben, werden sich vielleicht fragen: Warum habe ich als Oberbürgermeister diese Entscheidung nicht selbst getroffen? Ich bin der Überzeugung, dass es nicht der Willkür eines einzelnen Mannes oder Frau obliegen sollte, welche Fahne vor den Rathäusern weht." Zu leicht könne dies in den falschen Händen eine Entwicklung nehmen, die niemand von uns wolle. Auch sollte das Beflaggen öffentlicher Gebäude nie kommerziellen oder kurzfristigen politischen Zielen dienen, so das Stadtoberhaupt weiter. "Mit der Entscheidung des Stadtrates haben die gewählten Vertreter der Bürgerschaft ein klares demokratisches Bekenntnis abgeben."

Die Linke sehen sich in ihrer Vermutung bestätigt, die Ablehnungsgründe seien in den vergangenen Jahren vorgeschoben gewesen. "Na geht doch", reagierte Stadtrat Leo Lenz auf die Worte Hilberts. "Nach jahrelangem Anfragen stellen und Nachhaken wird nun wirklich zum Christopher Street Day die Regenbogenfahne am Rathaus gehisst. Dass es dafür erst den Antrag unserer Fraktion im Stadtrat brauchte, ist bedauerlich." Dennoch freue sich Lenz, ab Sonnabend endlich die Regenbogenfahne als Zeichen der Solidarität und Wertschätzung mit LGBTIQ-Personen am Rathaus wehen zu sehen. LGBTIQ steht für die englischen Worte von lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, intersexuell und queer.

CSD-Kundgebung im Dresdner Alaunpark: Drag Queen Lara Liqueur gibt Autogramme.
CSD-Kundgebung im Dresdner Alaunpark: Drag Queen Lara Liqueur gibt Autogramme. © Christian Juppe
CSD-Kundgebung im Dresdner Alaunpark: Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) spricht zu den Demo-Teilnehmern.
CSD-Kundgebung im Dresdner Alaunpark: Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) spricht zu den Demo-Teilnehmern. © Christian Juppe
CSD-Kundgebung im Dresdner Alaunpark: Bunte Kostüme gegen das graue Wetter
CSD-Kundgebung im Dresdner Alaunpark: Bunte Kostüme gegen das graue Wetter © Christian Juppe
CSD-Kundgebung im Dresdner Alaunpark: Bunte Kostüme gegen das graue Wetter
CSD-Kundgebung im Dresdner Alaunpark: Bunte Kostüme gegen das graue Wetter © Christian Juppe
CSD-Kundgebung im Dresdner Alaunpark: Die Regenbogenflagge ist allgegenwärtig.
CSD-Kundgebung im Dresdner Alaunpark: Die Regenbogenflagge ist allgegenwärtig. © Christian Juppe
Zur CSD-Kundgebung versammelten sich im Dresdner Alaunpark mehrere Hundert Teilnehmer.
Zur CSD-Kundgebung versammelten sich im Dresdner Alaunpark mehrere Hundert Teilnehmer. © Christian Juppe
CSD-Kundgebung im Dresdner Alaunpark
CSD-Kundgebung im Dresdner Alaunpark © Christian Juppe
Einer der vier CSD-Demozüge startete am Mittag am Dresdner Rathaus.
Einer der vier CSD-Demozüge startete am Mittag am Dresdner Rathaus. © Christian Juppe
Dort war zuvor die Regenbogenflagge gehisst worden.
Dort war zuvor die Regenbogenflagge gehisst worden. © Christian Juppe
Mehrere Hundert Teilnehmer zogen mit dem CSD-Truck und Partymusik in die Dresdner Neustadt.
Mehrere Hundert Teilnehmer zogen mit dem CSD-Truck und Partymusik in die Dresdner Neustadt. © Christian Juppe

Der CSD führte am Sonnabend als Stern-Demonstration zum Alaunplatz. Startpunkte waren das Rathaus, das Haus der Presse, der Wettiner Platz und die Radeberger Straße 51. Vorm Rathaus versammelten sich am Mittag mehrere Hundert Teilnehmer. Angeführt wurde der Demo-Zug dort vom CSD-Truck.

Auf der Demo gelten die Corona-Hygieneregeln. Sollte der Mindestabstand nicht möglich sein, müssen Masken getragen werden. Darauf weisen CSD-Verein und Stadtverwaltung hin. Wer dagegen verstößt, muss mit einem Bußgeld rechnen. (SZ/sr)

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