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Dresden: Neuer Flotten-Chef will Schiffe verkaufen

Die Zeit der zwei größten Schiffe bei der Sächsischen Dampfschiffahrt läuft ab. Doch was wird dann aus der Traditionsflotte?

Das Salonschiff Gräfin Cosel wurde 1994 in Betrieb genommen. Es könnte künftig auf dem Rhein fahren.
Das Salonschiff Gräfin Cosel wurde 1994 in Betrieb genommen. Es könnte künftig auf dem Rhein fahren. © Archiv/Britta Pedersen/dpa

Dresden. Sie haben am Sonnabend bei der Flottenparade schon vor den Dampfern abgelegt. Mit etwas Abstand fuhren sie stromauf in Richtung Pillnitz. Die Trennung von der historischen Dampferflotte war auch für Laien zu erkennen und passt zu dem, was der neue Flottenchef Robert Straubhaar vor einem reichlichen Monat angekündigt hat. Die Zeit der zwei Salonschiffe „Gräfin Cosel“ und „August der Starke“ läuft ab. 

"August der Starke" und "Gräfin Cosel": Zeit ist abgelaufen

Straubhaar plant, sie zu verkaufen. Damit sind die zwei Schiffe, die im Volksmund auch Gorbitz und Prohlis heißen, die längste Zeit in Dresden gefahren. Im Mai 1994 wurde das Salonschiff August der Starke getauft, einen Monat später die „Gräfin Cosel“. Sie haben noch etwa fünf Jahre, dann ist ihre Zeit in Dresden zu Ende, plant Robert Straubhaar.

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Andere Pläne gibt es nicht, widerspricht der Schweizer Gerüchten, die zwei Schiffe sollen schon bald bei Düsseldorf auf dem Rhein fahren. Die Ausflugsflotte dort betreibt die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt GmbH, ebenfalls eine Firma aus Straubhaars Unternehmensgruppe. Es sei auch nicht daran gedacht, die zwei Salonschiffe dorthin auszuleihen. „Dies war übrigens noch nie eine Überlegung“, sagt der neue Chef der Dresdner Flotte. 

Ersatz durch Neubauten? Straubhaar plant Zeitpunkt

Aber: „Es ist in der Tat so, dass darüber nachgedacht werden kann, in den kommenden Jahren diesen beiden Schiffe einen Ersatz zuzuführen.“ Im Klartext heißt das, es ist nicht damit getan, die zwei Schiffe abzugeben, sie sollen durch Neubauten ersetzt werden. Das kann sich Straubhaar in etwa fünf Jahren vorstellen. Aus wirtschaftlichen Gründen wohl eher in „fünf Jahren plus als in fünf Jahren minus“. 

Zum Vergleich: Die Köln-Düsseldorfer hat sein Unternehmen 2016 übernommen. Das Unternehmen hat aktuell 14 Schiffe. Der erste Neubau seit der Übernahme soll in diesem Monat in Betrieb gehen. Es bekommt den Namen RheinGalaxie.

Neubau-Pläne hatte übrigens auch schon Straubhaars Dresdner Vorgängerin Karin Hildebrand. Sie sprach stets von einem Schiff, das auch bei Niedrigwasser fahren kann, viele Möglichkeiten für verschiedene Veranstaltungsformate und mehr Platz für Fahrräder hat. Geld genug dafür hatte sie in keinem der knapp sieben Jahre an der Spitze der Sächsischen Dampfschiffahrt (SDS).

So sieht die Zukunft der Dampfer aus

Hauptthemen der Arbeit seit der SDS-Übernahme durch Straubhaar mit den zwei neu gegründeten GmbHs Weiße Flotte Sachsen und Kulturerbe Dampfschiffe Dresden ist die Vorbereitung der Saison im nächsten Jahr. Federführend ist dabei Straubhaars Geschäftsführungs-Kollege Stefan Bloch, ein gebürtiger Sachse.

„Gleichzeitig werden auch schon erste Fühler für Konzepte und Formate für die Saison 2022 ausgestreckt“, sagt der Chef aus Basel. Dabei werde „das Know-How der erfahrenen Mitarbeitenden aus dem Fahrdienst und der Verwaltung der SDS aktiv einbezogen“.

Die neuen Flottenchefs haben mehrere Schwerpunkte für die Zukunft benannt. Dazu gehören mehr Fahrten und zuverlässige Fahrpläne, „die automatisch und modular auf Wasserstandsschwankungen antworten". 

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Robert Straubhaar heißt der Mann, der nun die Weißen Flotte steuert. Er wuchs in der Schweiz auf. Zur Schule fuhr er im Winter auf Skiern – und wurde Rheinschiffer.

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Die Entscheidung, wer die Weiße Flotte übernehmen soll, ist gefallen. Bis zuletzt gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem Dresdner Investor.

Straubhaar will außerdem, dass die Präsentation, der Service und das Angebot der Gastronomie an Bord künftig mehr Aufmerksamkeit bekommen. Bei alledem setze er auf mehr Nähe zu den Fahrgästen und enge Kontakte zu Organisationen und Institutionen aus dem Tourismus, den Kommunen und dem Freistaat.

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