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Dampferwächter schützen Dresdens Schiffe

Nächste Woche soll auf dem Dampfer Dresden ein besonderes Ersatzteil getestet werden. Doch der Dampferfreunde-Verein hat noch ganz andere Pläne.

Damit alle Dresdner Dampfer beim Pfeifkonzert dabei sein können, wird ein entscheidendes Ersatzteil gebraucht.
Damit alle Dresdner Dampfer beim Pfeifkonzert dabei sein können, wird ein entscheidendes Ersatzteil gebraucht. ©  Archiv/René Meinig

Dresden. Dieser Gruß kommt wie aus dem Nichts. Seit Wochen fahren die Dresdner Dampfer nicht mehr, auch die Salonschiffe liegen fest. Und Frachtkähne sind auch nie zu sehen auf der Elbe. Trotzdem wird in dieser Woche eine Dampfpfeife erklingen. Wann, steht noch nicht genau fest. Sie grüßt vom Dampfer Dresden, aber sie gehört nicht zum Flaggschiff der Flotte. Dahinter verbirgt sich eine Aktion des Vereins "Weiße Flotte Dresden – Freunde der Sächsischen Dampfschiffahrt".

Zwei Firmen für eine Flotte

Der Verein ist ursprünglich entstanden, um zur Rettung der Flotte beizutragen. Er hat Geld gesammelt, wollte die Schiffe im vergangenen Jahr selbst als Investor übernehmen, ist dabei aber gescheitert. Trotzdem haben die Vereinsmitglieder ihr Engagement nicht eingestellt. 97 aktive sind es derzeit, sagt der Vorstandsvorsitzende Dirk Ebersbach, der ein besonderes Verhältnis zur Flotte hat. Als professioneller Pianist spielt er regelmäßig bei Dampferfahrten.

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Für ihre Bemühungen werden die Dampferfreunde nun belohnt. Schon vor der Übernahme durch die United Rivers AG aus der Schweiz im vergangenen Sommer hatten sie Kontakt zum Chef des Baseler Unternehmens Robert Straubhaar. Als das Investment der Schweizer in Dresden bekannt wurde, begrüßte der Verein die Entscheidung per Pressemitteilung. Kurz darauf wurde bekannt, dass Straubhaar in Dresden bereits zwei Firmen für die Flotte gegründet hatte. Eine, die die Dampfer betreibt und eine, der sie gehören.

Letztere heißt "Kulturerbe Dampfschiffe Dresden GmbH". Ihre Aufgabe ist die "Erhaltung und Förderung der zwei Jahrhunderte alten Tradition der Dampfschifffahrt auf der Elbe mit ihrer denkmalgeschützten, einzigartigen Raddampferflotte", heißt es zum Unternehmenszweck. "Die Gesellschaft stellt sicher, dass der Betrieb und Unterhalt der ihr gehörenden denkmalgeschützten Raddampfer auf der Elbe nur durch sie selbst erfolgt oder durch ein Unternehmen mit Sitz im Freistaat Sachsen, welches über die in Satz 1 genannte Kompetenz verfügt."

Das Unternehmen mit der entsprechenden Kompetenz ist die Weiße Flotte Sachsen GmbH, die die Dampfer nunmehr betreibt. Dort arbeiten die Kollegen, die die Schiffe seit Jahren fahren, pflegen und im Winter reparieren.

Dirk Ebersbach (rechts) ist Vorsitzender des Dampferfreunde-Vereins. Hier ist er mit Dynamo-Präsident Holger Scholze und Ehrenspielführer Hans-Jürgen Dixie Dörner zu sehen. Das Foto entstand im Sommer 2020. Dynamo hat die Spendensammlung der Dampferfreund
Dirk Ebersbach (rechts) ist Vorsitzender des Dampferfreunde-Vereins. Hier ist er mit Dynamo-Präsident Holger Scholze und Ehrenspielführer Hans-Jürgen Dixie Dörner zu sehen. Das Foto entstand im Sommer 2020. Dynamo hat die Spendensammlung der Dampferfreund © Archiv/Christian Juppe

Eine Dampfpfeife aus Magdeburg

Auch Disponent Jochen Haubold gehört zu diesen Mitarbeitern. Er ist Flottendisponent, steuert also unter anderem das Tagesgeschäft der Schiffe. Zugleich vertritt er Dirk Ebersbach als zweiter Vorsitzender der Dampferfreunde und hat beste Kontakte in der Binnenschiffer-Szene.

Haubold war es auch, der die Dampfpfeife beschafft hat, die diese Woche in Dresden zu hören sein wird. Sie stammt vom Elbeschlepper Württemberg, berichtet Ebersbach. Der Schlepper war bis 1974 zwischen Hamburg und Usti im Einsatz. Jetzt steht er in Magdeburg als Gaststätten- und Museumsschiff an Land. "Solche Dampfpfeifen sind Unikate und werden meines Wissens überhaupt nicht mehr hergestellt", sagt Ebersbach.

Was sie kosten könnte, weiß er auch noch nicht. Aber er weiß: Die Pfeife auf dem Dampfer Wehlen funktioniert nicht mehr. Deshalb hat sich der Verein vorgenommen, für Ersatz zu sorgen. Auf dem Dampfer Dresden soll nun in der kommenden Woche ausprobiert werden, ob das historische Stück aus Magdeburg auch wirklich pfeift.

Wächter für die historischen Schiffe

Diese Ersatzteilbeschaffung nennt Ebersbach "eine ganz pragmatische Aktion" des Dampferfreunde-Vereins. Mindestens ebenso wichtig ist ihm ein Thema, über das er noch nicht viel sagen will. Seit Robert Straubhaar bei der Flotte eingestiegen ist, kann sich der Verein auf ein Mitspracherecht in der Kulturerbe-GmbH freuen.

Damals war noch unklar, wie das funktionieren könnte. Inzwischen steht fest: Es wird künftig ein Gremium geben, das den Umgang mit den historischen Schiffen überwacht. Einen "Wächterrat" nennt Ebersbach diese Gruppe, in der sein Verein schon jetzt einen Platz sicher hat. Straubhaar habe die Dampferfreunde beauftragt, die Zusammensetzung dieses Rats zu erarbeiten und konkrete Besetzungsvorschläge zu machen. In etwa zweieinhalb Monaten sollen die Dampferwächter ihre Arbeit aufnehmen.

Wie die funktionieren soll, sagt Ebersbach noch nicht. Welche Eingriffsmöglichkeiten die Wächter bei fragwürdigen Entscheidungen haben, ob sie vielleicht sogar ihr Veto einlegen können und Entscheidungen dann revidiert werden müssen, bleibt damit vorerst offen.

Auch zur Zahl der Mitglieder sagt er nichts. Sicher ist nur: Gebraucht werden Vertreter von Institutionen oder Einzelpersonen, denen der Erhalt der Flotte und ihr Betrieb auf der Elbe ebenso wichtig sind, wie dem Verein, dessen Chef Dirk Ebersbach sind.

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Möglich ist also, dass andere Schifffahrtsvereine, Museumsvertreter und Tourismusfachleute dabei eine Rolle spielen. Vorerst "überwachen" die Dampferfreunde allein den Umgang mit den historischen Dresdner Schiffen und tragen selbst zu ihrem Erhalt bei. Vorausgesetzt, die Pfeife für den Dampfer Wehlen funktioniert.

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