merken
PLUS Dresden

Das sind die Top-Wünsche der Dresdner

Die Stadt Dresden ist gastlich und lebenswert, finden die meisten Einwohner laut einer Umfrage. Trotzdem gibt es eine lange Wunschliste.

Mehr Grün, bessere Radwege und günstiges Bahnfahren sind nur drei Top-Wünsche der Dresdner.
Mehr Grün, bessere Radwege und günstiges Bahnfahren sind nur drei Top-Wünsche der Dresdner. © Rene Meinig, Sven Ellger

Dresden. Glücklich sind die meisten Dresdner. Das zeigt die neue Bürgerumfrage. Aber sind sie wunschlos glücklich? Nein, Oberbürgermeister und Stadtrat könnten einiges besser machen, finden die knapp 2.000 Befragten. Was auf den Listen ganz oben steht.

Was wünschen sich die Dresdner am meisten?

Jeder dritte Wunsch dreht sich um den Verkehr in der Stadt. Es geht vor allem um den Ausbau von Radwegen und ganz allgemein um die Förderung des Radverkehrs in Dresden.

Anzeige
Mittagessen frisch zubereitet nach Hause
Mittagessen frisch zubereitet nach Hause

mein Menü kocht täglich frisch und liefert Ihr Mittagessen nach Hause oder ins Büro. Jetzt mit toller Rabattaktion.

Besonders häufig wünschen sich die Befragten auch, dass Bus- und Bahnfahren günstiger oder kostenlos wird. Tatsächlich nannten mehr als 200 Teilnehmer das 365-Euro-Ticket sowie Ermäßigungen für bestimmte Personengruppen als gute Lösungen, die von der Stadt angestrebt werden sollten.

Autofahrer fordern dagegen mehr Parkplätze, auch für Menschen mit Behinderungen. Gut 130-mal stand dieser Wunsch auf dem Zettel.

Ist das alles? Was ist zum Beispiel mit günstigeren Wohnungen?

Ist nach der Wende vor allem der Zustand von Wohnungen und Wohnhäusern kritisiert worden, so wünschen sich die Dresdner seit 2014 zunehmend geringere Wohnkosten.

167 Befragte gaben das an – also fast jeder Zehnte, der den Wunschzettel der Stadt ausfüllte. Auch die Umwelt liegt vielen Teilnehmern am Herzen. 222 sähen gern mehr Bäume und Grünflächen.

Mehr Ordnung und Sauberkeit im Stadtbild – Straßenreinigung, Müllabfuhr und Winterdienst eingeschlossen – hätten gern 115 Befragte. Und 160 Bürger finden, die Stadtverwaltung und der Stadtrat könnten bessere Arbeit leisten.

Immerhin noch 99 Menschen wünschen sich eine stärkere Demokratie und machen gleichzeitig auf Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit aufmerksam.

Weitere 57 beziehen Stellung gegen Pegida. Knapp 80 Befragte fordern höhere Chancen auf einen Wunschkita-Platz beziehungsweise einen besseren Betreuungsschlüssel.

Wie sieht es mit Kriminalität aus?

Tatsächlich forderten bei der vorherigen Umfrage 2018 deutlich mehr Bürger weniger Kriminalität und höheren Strafen. Jetzt sind es noch 52, was einem Anteil von rund drei Prozent entspricht.

Etwa genauso oft steht der Wunsch nach einer stärkeren Polizeipräsenz auf der Liste. Lediglich 33 Befragte kritisieren die deutsche Asylpolitik und fordern einen Aufnahmestopp für Flüchtlinge.

Welche Chancen gibt es, dass sich die Wünsche erfüllen?

Beispiel 365-Euro-Ticket: Die Jahreskarte für einen Euro pro Tag ist vorerst vom Tisch. Zu teuer, befand im vergangenen Jahr eine Lenkungsgruppe, der Vertreter von DVB, VVO, TU, Stadtverwaltung und Stadtratsfraktionen angehörten. Um die 37 Millionen Euro würden die Dresdner Verkehrsbetriebe jedes im Jahr verlieren.

Gleichzeitig würden die Einnahmen um 20 Prozent sinken. „Daher sollte in Dresden die Einführung eines 365-Euro-Tickets nicht mehr weiterverfolgt werden, sondern gezielt in den Ausbau des ÖPNV investiert werden“, so die Empfehlung, die der Stadtrat im Oktober zur Kenntnis nahm.

Mehr als 60 weitere Mobilitätspunkte plant die Stadtverwaltung in Dresden.
Mehr als 60 weitere Mobilitätspunkte plant die Stadtverwaltung in Dresden. © Sven Ellger (Archiv)

Bei den Radwegen sind die Aussichten besser: Von 2007 bis 2019 ist das Netz aus Radwegen, gemeinsamen Fuß- und Radwegen sowie Radfahr- und Radschutzstreifen schon von 269,1 Kilometer auf insgesamt 328,9 Kilometer gewachsen.

Trotzdem: Erst zwölf Prozent der im Radverkehrskonzept aufgelisteten Mängel sind behoben. Dieses Jahr erhält unter anderem die Großenhainer Straße zwischen Fritz-Reuther-Straße und Riesaer Straße neue Radwege. Über weitere Projekte will Vekehrsbürgermeister Stephan Kühn (Grüne) am Mittwoch informieren.

Darüber hinaus sollen bis Ende des kommenden Jahres 60 neue Mobipunkte entstehen, wo Autofahrer auch auf Leihfahrräder umsteigen können. Und an mehreren Dresdner S-Bahn-Haltepunkten sind Fahrradstellplätze geplant.

Bei Parkplätzen sieht es wiederum düster aus, insbesondere in der Innenstadt. So ist zum Beispiel durch den Wegfall des Ferdinand-Parkplatzes der Parkdruck gestiegen. Wobei es das Ziel der Stadtverwaltung ist, so wenig Autos ins Zentrum fahren zu lassen wie möglich.

Ein Grund ist die Luftqualität, die noch besser werden soll. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen die Parkgebühren erhöht werden. Gleichzeitig möchte die Stadt das Bus- und Bahnfahren attraktiver gestalten, vor allem dort, wo der Weg zur Arbeit mit sehr vielen Umstiegen und Wartezeiten verbunden ist.

Ab 2022 wird deshalb unter anderem die Buslinie 78 entstehen, wenn der Stadtrat zustimmt. Sie wird stündlich von Radeberg und Ottendorf-Okrilla über Langebrück und Klotzsche in den Airportpark und nach Wilschdorf fahren.

Laut Verwaltung sollen die Ergebnisse der Bürgerumfrage als Grundlage für weitere Entscheidungen der Stadtpolitiker dienen.

Und was stört die Dresdner am meisten?

Mehr als 5.000 Befragte machten ihrem Ärger Luft und schrieben auf, was sie stört. Die drei größten Probleme sind aus ihrer Sicht die hohen Wohn- und Immobilienpreise, die Radwege in der Stadt sowie der Rechtsextremismus und die Ausländerfeindlichkeit.

Pegida rutscht im Vergleich zur vorherigen Umfrage von Platz zwei auf Platz vier. Offenbar wird der fremdenfeindlichen Bewegung weniger Bedeutung beigemessen als früher.

Das Coronavirus wird an fünfter Stelle der größten Probleme genannt, wobei zu sagen ist, dass die Umfrage im vergangenen Frühjahr stattfand, als die wirtschaftlichen Probleme vieler Gewerbetreibenden noch nicht so groß gewesen sein dürften wie heute.

Sehr viel stärker als 2018 werden die Parkplatznot, aber auch die Verkehrsdichte als problematisch wahrgenommen.

Beides befand sich damals noch nicht in den Top 10. Als weniger dringend werden dagegen der Zustand der Straßen, das Wohnungsangebot, Flüchtlingsproblematik sowie das Image Dresdens eingeschätzt.

Wie wohl fühlen sich die Dresdner insgesamt in Dresden?

Trotz aller Wünsche und Kritikpunkte: Die Dresdner sind doch ziemlich zufrieden mit ihrer Stadt. Für Wohnung, Wohngegend und Dresden insgesamt gibt es Durchschnittsnoten von 1,8 beziehungsweise 1,9.

Gute Noten gibt es insbesondere für das Bus- und Bahnnetz, die Einkaufsmöglichkeiten im eigenen Viertel, die medizinische Versorgung und das Kita-Angebot.

Weiterführende Artikel

Wo der Lärm in Dresden am größten ist

Wo der Lärm in Dresden am größten ist

Lärm gilt als ein Hauptgrund für Umzüge aus Dresden heraus. In welchen Stadtteilen der Krach besonders belastend ist und was ein Verkehrsexperte dagegen rät.

Wo die Dresdner am meisten verdienen

Wo die Dresdner am meisten verdienen

Wo wohnen die meisten Menschen mit hohem Armutsrisiko, wo die meisten Reichen? Und wie viel lassen die Dresdner für Restaurantbesuche springen?

Wo sich die Dresdner am unsichersten fühlen

Wo sich die Dresdner am unsichersten fühlen

Mehr als 6.000 Menschen sollten in einer Bürgerbefragung sagen, welche Orte sie in Dresden meiden und warum. Drei Stadtteile werden besonders oft genannt.

Dresden habe außerdem eine attraktive Innenstadt und sei gastlich, sagen etwa dreiviertel der Befragten. Noch mehr finden, Dresden sei traditionsverbunden. Weniger stark ist die Zustimmung für die Aussage, Dresden sei weltoffen und modern. Weniger als 50 Prozent finden das.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden