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"Dresdens Image leidet durch die Pegida-Märsche"

Die SZ befragt Dresdner vor der Wahl, welche Probleme es gibt und was sie von den Politikern erwarten. Heute: Bäckerei-Chefin Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller.

Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller vom Dresdner Backhaus wünscht sich mehr Wertschätzung für Unternehmer.
Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller vom Dresdner Backhaus wünscht sich mehr Wertschätzung für Unternehmer. © Marion Doering

Dresden. Hier haben die Dresdner das Wort: Wenige Wochen vor der Bundestagswahl möchte die SZ in einem für alle gleichen Fragenkatalog wissen, wo der Schuh drückt - in Deutschland, in Dresden, im jeweiligen Stadtteil. Die Befragten antworten und sagen, was sie sich von den Politikern, die ihre Stadt im Bundestag vertreten, erwarten.

Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller ist Inhaberin der Dresdner Bäckerkette Backhaus und des Cafés Kreutzkamm am Altmarkt. Die 54-Jährige ist gelernte Kauffrau.

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Wo sehen Sie aktuell die größten Probleme in Deutschland?

Eine aufgeblasene Bürokratie, die unternehmerisches Handeln zunehmend unmöglich macht, gepaart mit Arbeitskräftemangel – stetig steigende Kosten, die uns auferlegt werden, müssen auf den Produktpreis umgelegt werden, da haben viele Kunden kein Verständnis mehr dafür, aber wir können es auch nicht ändern. Eine handwerkliche Produktion sowie unser Verkauf werden von Menschen gemacht.

Wo sehen Sie aktuell die drängendsten Probleme in Dresden?

Das Image leidet durch die immer noch stattfindenden Pegida-Märsche, Dresden wird außerhalb Dresdens immer noch als sehr rechts wahrgenommen. Wiederkehrende Bilder von Demonstrationen und Dynamo-Ausschreitungen manifestieren dies noch. Dresden hat sich allerdings auf den Tourismus konzentriert, vor allem in der Innenstadt. Corona hat gezeigt, dass die Innenstadt menschenleer war, da man versäumt hat, Unternehmen und Büros in der Innenstadt zu etablieren. Auch ein Innenstadtzentrum muss für den Einheimischen attraktiv sein.

Wo sind die Probleme in Ihrem Kiez?

Parkplatzmangel, verstopfte Straßen rund um die Augsburger Straße, hier wäre vielleicht ein Einbahnstraßen-Konzept sinnvoll.

Was muss sich ändern?

Arbeit muss sich auch für unsere Mitarbeiter lohnen. Hoher bürokratischer Aufwand verursacht hohe Kosten. Geld, das wir lieber an unsere Mitarbeiter durchreichen würden. Geleistete Arbeit muss belohnt werden, und zwar nicht nur durch unsere Gehaltszahlungen.

Was sollten Politiker dafür tun bzw. ändern?

Bürokratieabbau und Dokumentationsabbau. Der neueste Quatsch ist die Regelung der unterschiedlichen Mehrwertsteuerzahlung bei Versand ins europäische Ausland. Wir müssen jetzt bei Versand ins EU-Ausland den Mehrwertsteuersatz des Landes des Empfängers berechnen. Dies alles sind Kosten, die rein gar nichts mit unserem Produkt, unserer Herstellung und unserem Verkauf zu tun haben, sondern uns alles weiter erschweren statt erleichtern. Auch heute will keiner unserer Kunden einen Bon haben, aber wenn man die Kilometer Papier sieht, die überall entstehen, da muss man sich schon fragen, wo da der Sinn bleibt.

Wenn die sechswöchige Lohnfortzahlung des Arbeitgebers gesenkt werden würde, dann wäre dies eine sehr wirksame Entlastung der Arbeitgeber. Beispielsweise durch eine 50/50-Prozent-Regelung - 50 Prozent der Arbeitgeber, 50 Prozent die Kasse.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder/die künftigen Generationen?

Dass Unternehmertum mehr geschätzt wird. Man gewinnt den Eindruck, der Unternehmer wird für alles und nichts in die Verantwortung genommen. Was ich gerne mache, wenn es denn auch gewürdigt werden würde. Schließlich ist es besonders in unserer Region der unternehmerische Mittelstand, der die Arbeitsplätze schafft.

Wenn Sie 100.000 Euro verteilen dürften in Dresden, was würden Sie damit tun?

In Frauenhäuser und in die Pflegekinderbetreuung investieren.

Corona hat viel verändert. Welches Problem ist Ihnen bewusst geworden und was wünschen Sie sich von Dresdner Bundestagsabgeordneten, um es lösen zu können?

Ich war fassungslos, als 16 Ministerpräsidenten, eine Bundeskanzlerin sowie zahlreiche Kabinettsmitglieder und wahrscheinlich Staatssekretäre kurzfristig beschlossen haben aus Gründonnerstag und Ostersamstag Ruhetage zu machen. Wie weit sind denn die Herrschaften von der Realität entfernt, dass sie sich das Ausmaß einer solchen Entscheidung nicht vorstellen können? Da würde ich mir doch mal wünschen, dass mein Bundestagsabgeordneter mal eine Woche in einer Bäckerei und zwar in der Verwaltung mitarbeitet.

Bisher sind in der Serie erschienen:

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