merken
PLUS Dresden

Das ist Dresdens schönste Kleingartenanlage

Der Verein "Am Geberbach" in Nickern hatte den Wettbewerb schon einmal gewonnen. Warum er trotz großer Konkurrenz so unschlagbar ist.

Christian Hanns pflegt seinen Garten in der Anlage am Geberbach in Nickern seit 20 Jahren.
Christian Hanns pflegt seinen Garten in der Anlage am Geberbach in Nickern seit 20 Jahren. © Marion Doering

Dresden. Ein Königreich für einen Schattenplatz. Doch die letzten großen alten Parkbäume in der Kleingartenanlage "am Geberbach" in Nickern wurden bereits vor Jahren gefällt. Eiche, Buche, Linde oder Kiefer vertragen sich nicht mit dem Kleingartenwesen, erklärt Klaus-Dieter Hansel, der Chef des Vereins. Wer weiß, wie diese Wahl sonst ausgegangen wäre.

Nachdem im vergangenen Jahr eine eher ungewöhnliche Anlage mit zum Teil umstrittenen Ideen wie grünen Wegen das Rennen gemacht hatte, kürten die Juroren dieses Jahr wieder einem Verein zum "schönsten" in der Stadt, dessen Antlitz vor allem die Herzen der altgedienten Kleingärtner höher schlagen lassen dürfte.

Anzeige
Qualitätsmöbel zum Abverkaufspreis
Qualitätsmöbel zum Abverkaufspreis

STARKE MÖBEL UND KÜCHEN macht Platz für neue Wohn-Kollektionen. Sparen Sie jetzt bis zu 58% beim Kauf Ihres Lieblingsstücks in TOP Qualität.

Die Hecken sind akkurat geschnitten, die Wege breit und mit feinem Kies bedeckt. Beim Rundgang glaubt man schnell, versehentlich auf der Landesgartenschau gelandet zu sein. So aufwändig und mit Liebe zum Detail sind viele Gärten hier gestaltet.

Der Vorsitzende Klaus-Dieter Hansel rechnete nicht mit einem erneuten Gewinn des Wettbewerbs. Seit zehn Jahren führt er den Verein.
Der Vorsitzende Klaus-Dieter Hansel rechnete nicht mit einem erneuten Gewinn des Wettbewerbs. Seit zehn Jahren führt er den Verein. © Marion Doering

Mit dem Gründungsjahr 1978 ist es einer der jüngeren Vereine in der Stadt. Auf dem von einer Erbengemeinschaft gepachteten Gelände, das heute 102 Parzellen beherbergt, war früher eine Lehmgrube. Mancher Gärtner merkt das heute noch, wenn ihm nach und nach das Fundament unter der Laube wegrutscht.

Beim Rundgang ist davon allerdings nichts zu sehen. Schönheit dominiert, wohin man auch blickt. Die Parzellen, die Hansel als seine "Problemgärten" benennt, würden in anderen Dresdner Kleingartenanlagen eher zu den gepflegteren gehören. Wenn zu hochgewachsener Bambus schon eines der größten Probleme ist, könnten so einige Vorstände anderer Vereine ein wenig neidisch werden.

Das gilt natürlich auch für die jüngste Auszeichnung zu Dresdens schönster Kleingartenanlage, zumal es für den Verein bereits der zweite Sieg beim Wettbewerb innerhalb von vier Jahren ist. Nach dem Erfolg von 2017 war er zunächst für drei Jahre "gesperrt" und durfte nicht teilnehmen. Bei der Rückkehr wurde es nun zur großen Überraschung des Vorstandes prompt wieder der erste Platz. "Damit haben wir niemals gerechnet und hatten uns schon gefragt, wann wir aufgerufen werden", sagt Hansel.

Ausscheid mit knallharten Kriterien

Erneut beworben habe man sich eher, um den eigenen Gartenfreunden noch einen kleinen zusätzlichen Anreiz zu geben, ihre Gärten zu pflegen und noch weiter zu verschönern.

Bei 360 Kleingartenvereinen in Dresden könnte man sich nun fragen, ob da nicht noch viele andere preiswürdige darunter sein sollten. Das aber ist gleich in mehrfacher Hinsicht falsch gedacht. Zum einen haben sich auch dieses Jahr nur 21 Vereine für den Preis beworben, was aber immerhin schon mehr sind, als in den Vorjahren. Und zum anderen ist der Wettbewerb keine freundschaftliche, subjektive Ehrung, weil jemand mal "dran" ist, sondern ein Ausscheid mit knallharten Kriterien, die es zu erfüllen gilt.

Wer auf den Zetteln der Jury die meisten Punkte macht, gewinnt. Egal, ob er vorher schon fünfmal ganz oben auf dem Treppchen stand. Daher ist es auch kein Zufall, dass die Anlage "am Geberbach" vor ihrem beiden Siegen 2015 schon Dritter und 2016 Zweiter geworden war.

Im Eingangsbereich werden Besucher von einem stattlichen Insektenhotel begrüßt.
Im Eingangsbereich werden Besucher von einem stattlichen Insektenhotel begrüßt. © Marion Doering

Fünf Punkte gibt es beim Wettbewerb allein schon für die öffentliche Zugänglichkeit, weitere vier für die Gestaltung und Pflege von öffentlich zugänglichen Freiflächen. Auch die Fachberatung der Mitglieder, die Einhaltung der Vorschriften des Bundeskleingartengesetzes und ein lebendiges Vereinsleben gehören zu den Bewertungskategorien. Außerdem wird besonderes Augenmerk auf das Motto des Jahres gelegt, das diesmal "Kleingartenwesen im Wandel - gemeinschaftlich und generationsübergreifend" lautete.

"Vereine, die hier die meisten Punkte erzielen, kommen in die Endrunde, die Begehungsrunde", erklärt Sandy Asser, Sprecherin des Stadtverbandes "Dresdner Gartenfreunde". Vor Ort werden die Kriterien dann nochmals von jedem Jurymitglied neu bewertet.

Klaus-Dieter Hansel reichte die handschriftlich ausgefüllte Bewerbung für seinen Verein kurz vor der Ende der Abgabefrist Ende Januar ein. Er schrieb über den neu gestalteten Eingangsbereich, regelmäßige Gartenfeste, Geburtstagsgeschenke für Mitglieder, Pflanzenbörsen und "gegenseitiger Rücksichtnahme von Jung und Alt".

Wo die Hecken akkurat geschnitten sind, freut sich das Kleingärtner-Herz.
Wo die Hecken akkurat geschnitten sind, freut sich das Kleingärtner-Herz. © Marion Doering

Von beidem gibt es inzwischen reichlich am Geberbach. Allein in den vergangenen drei Jahren wechselte rund ein Fünfter der Pächter. Viele junge Familien zogen ein.

Die können sich in ihrem Verein auch hautnah über Bienen informieren. Gärtner Martin Kluge hegt und pflegt auf seiner Parzelle am Rande der Anlage gleich acht Stöcke. Am Tor stehen Honiggläser samt Kasse des Vertrauens bereit. Außerdem können die Bienen hier in einer Schaubeute beim Arbeiten beobachtet werden.

Weiterführende Artikel

"Es wachsen nur noch Unwillen und Dummheit"

"Es wachsen nur noch Unwillen und Dummheit"

Seit Fred Schlicke vor zwei Jahren seinen Kleingarten abgab, beobachtet der Dresdner mit Grausen, was damit passiert. Er will jetzt aufklären.

Das Hoffen der Dresdner Strebergärtner

Das Hoffen der Dresdner Strebergärtner

Drei Vereine aus Dresden sind beim Sachsen-Wettbewerb um die schönste Anlage im Rennen. Vorhang auf für den Titelverteidiger aus Striesen.

Was Dresdens schönsten Kleingarten ausmacht

Was Dresdens schönsten Kleingarten ausmacht

Der Inder Surendra Pratap war vor 35 Jahren einer der Begründer des Vereins Friebelstraße. Nun erhielt seine Parzelle eine völlig unverhoffte Ehrung.

Die Dresdner Kleingärtner aus Sibirien

Die Dresdner Kleingärtner aus Sibirien

Der Kleingartenverein "Am Tummelsbach" ist für seinen Beitrag zur Integration ausgezeichnet worden. Larissa und Oleg Elert fühlen sich angekommen.

Am Ende hatte jedes Jurymitglied den Verein "am Geberbach" auf seinem Zettel knapp vorn. Offen, hübsch anzusehen und lebendig - das war als Gesamtpaket 2021 erneut unschlagbar.

Bis zum 30. September steht die Sieger-Anlage "am Geberbach" in Nickern täglich von 9 bis 12 Uhr und 15 bis 19 Uhr für Besucher offen. Zugang ist von der Fritz-Meinhardt-Straße 11.

Mehr zum Thema Dresden