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Das sind Dresdens gefährlichste Straßen

Wo verunglücken Autofahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger am häufigsten und was sind die Hauptursachen? Das ist der neue Dresdner Unfallatlas.

Der Pirnaische Platz in Dresden gehört zu den Unfallschwerpunkten in Dresden. Sechs Unfälle mit Verletzten passierten dort im vergangenen Jahr.
Der Pirnaische Platz in Dresden gehört zu den Unfallschwerpunkten in Dresden. Sechs Unfälle mit Verletzten passierten dort im vergangenen Jahr. © Sandro Rahrisch/Montage: SZ

Dresden. Dieser Unfall war lange Gesprächsthema in Dresden. Ein Kind ist dabei gestorben, ein sechsjähriger Junge. Es passierte vor einem Jahr, am 22. August 2021. Ali überquerte die Budapester Straße. Dort fuhren ein Mercedes und ein BMW. Die Fahrer lieferten sich ein Rennen, der Mercedes erfasste Ali. Der Junge hatte keine Chance, er starb am Unfallort.

Ali war einer von zehn Menschen, die 2020 bei Verkehrsunfällen in Dresden ums Leben kamen. Ein roter Punkt markiert im Unfallatlas des Statistischen Bundesamtes die Stelle, an der er von dem Auto erfasst wurde. "Unfall mit Getöteten", wird angezeigt, öffnet man mit einem Klick die Hintergrundinformationen zu der Markierung. Dazu wird in Tabellenform dargestellt, welche Verkehrsteilnehmer beteiligt waren. In diesem Fall Pkw und Fußgänger.

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Haben die Lockdowns zu weniger Unfällen beigetragen?

2019 noch zählte das Bundesamt in Dresden 2.115 Unfälle mit Personenschäden, also mit Leichtverletzten, Schwerverletzten oder Toten. Im vergangenen Jahr waren es mit 2.036 etwas, aber nicht deutlich weniger. Der Corona-Effekt hält sich also in Grenzen. "Weniger Verkehrsunfälle und weniger Verunglückte", hat die Dresdner Polizei im Mai konstatiert. Aber: "Mehr getötete Personen bei Verkehrsunfällen." Eine davon war Ali.

Jeder Punkt stellt einen Unfall mit Personenschaden dar. Klicken Sie auf die Punkte, um mehr zu erfahren.

Die Zahl der Verletzten lag 2020 unter der von 2019. Insgesamt 2.427 Menschen sind im vergangenen Jahr bei Unfällen in Dresden verletzt worden, zehn starben. 2019 registrierte die Polizei etwas mehr als 2.600 Verletzte und sieben Tote.

Auf welchen Straßen gibt es die meisten Unfälle?

Im Unfallatlas gibt es fünf Kategorien. Die unterschiedlichen Farben von Blau bis Rot lassen auf den ersten Blick erkennen, wo sich besonders viele Unfälle ereignet haben. Rot bedeutet, es haben sich auf diesem Straßenabschnitt 11 bis 20 Unfälle mit Personenschaden ereignet. Keine Dresdner Straße hat aktuell diese Farbe. Orange ist die zweithöchste Stufe mit sieben bis zehn Unfällen. Mit dieser Farbe sind sieben Straßenabschnitte markiert:

  • Rothenburger Straße zwischen der Tieckstraße und der Böhmischen Straße: Auf dem gesamten Abschnitt ereigneten sich etwa ein Dutzend Unfälle mit Verletzten.
  • Leipziger Straße zwischen Henricistraße und Bunsenstraße: Zwölf Unfälle, an elf davon waren Radfahrer beteiligt.
  • Washingtonstraße vor dem Elbepark: sechs Unfälle, davon drei direkt auf der Kreuzung mit der Zufahrt zu dem Einkaufszentrum.
  • Kesselsdorfer Straße zwischen Malterstraße und Rudolf-Renner-Straße: Acht Unfälle, rechnet man jene an der Mündung der Saalhausener Straße in die Kesselsdorfer Straße mit.
  • Räcknitzhöhe zwischen Heinrich-Greif-Straße und Paradiesstraße: sieben Unfälle.
  • Teplitzer Straße stadtauswärts zwischen Geystraße und Gostritzer Straße: sechs Unfälle, davon drei auf der Kreuzung Teplizter Straße/Gostritzer Straße.
  • St. Petersburger Straße am Pirnaischen Platz in Richtung Neustadt: sechs Unfälle.

Wie oft sind Radfahrer an schweren Unfällen beteiligt?

Zwölf weiß getünchte Fahrräder markieren in Dresden derzeit Orte, an denen Radfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen sind. 2020 ist eines auf der Reicker Straße dazugekommen. Dort starb im Januar eine 55-jährige Radfahrerin. Sie wollte von der Reicker Straße nach links abbiegen und wurde vom Auto eines 18-Jährigen erfasst, der von hinten kam und eine Fahrzeugkolonne überholen wollte. Die Frau war 2020 eine von insgesamt drei Radfahrern, die in Dresden bei Unfällen ums Leben kamen. Ebenso viele waren es 2019.

An 1.165 der insgesamt 2.036 Unfälle waren 2020 Radfahrer beteiligt. 2019 registrierte die Polizei 1.050 Unfälle mit Radfahrern bei insgesamt 2.115 Kollisionen mit Verletzten. Ein Grund für die gestiegene Zahl der beteiligten Radfahrer könnte sein, dass auch die Zahl der Radfahrer insgesamt zugenommen hat, so die Polizei. So sind viele Menschen im ersten Corona-Jahr auf das Rad umgestiegen, statt mit Bus und Bahn oder in Fahrgemeinschaften zu fahren.

Die häufigsten Konflikte gibt es mit Autos an Kreuzungen und in Abbiege-Situationen. Danach folgen Stürze ohne fremde Beteiligung sowie Zusammenstöße mit anderen Fahrrädern.

Wann kracht es in Dresden besonders oft?

Am sichersten sind Autofahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger unterwegs, wenn sie den nachmittäglichen Berufsverkehr vermeiden. Denn statistisch gesehen passieren die meisten schweren Unfälle in Dresden zwischen 14 und 18 Uhr. Am häufigsten krachte es im vergangenen Jahr in der Stunde zwischen 15 und 16 Uhr. Morgens ist die Zeit von 7 bis 8 Uhr neuralgisch. Die wenigsten Unfälle zählte die Polizei zwischen 4 und 5 Uhr.

Wenn man sich die Monate anschaut, so war es von Januar bis Mai am ruhigsten. In dieser Zeit passierten vergleichsweise wenige Unfälle mit Verletzten oder Getöteten, was sicherlich auch am Lockdown lag. Denn in jenen Monaten arbeiteten viele Dresdner von zu Hause aus und stiegen nicht jeden Tag aufs Fahrrad oder ins Auto. Ganz anders der Sommer: Der Juli war der Monat mit den meisten Unfällen.

Erst zum Winter hin hat die Zahl der schweren Unfälle wieder abgenommen, was ebenfalls auf das Pandemie-Konto gehen dürfte - im November begann der zweite Lockdown.

Wie hoch ist das Risiko, als Fußgänger im Straßenverkehr zu verunglücken?

Fußgänger sind im vergangenen Jahr in jeden zehnten schweren Unfall involviert gewesen. Hauptunfallgegner waren Autos. Bei Zusammenstößen zwischen Fußgängern und Pkw sind mindestens 119 Personen verletzt worden, 34 von ihnen schwer, zwei Menschen wurden getötet. Die meisten Unfälle passierten dann, wenn Fußgänger auf gerader Strecke die Straße überqueren wollten. So geschehen im Januar 2020 auf dem Zelleschen Weg zwischen Unibibliothek und Paradiesstraße. Der Mann starb an den Unfallfolgen. Jeder dritte Zusammenstoß geschah auf Kreuzungen, als Autofahrer in eine andere Straße einbiegen wollten und dabei den Fußgänger auf der Straße übersahen. Dunkelheit und Straßenglätte spielten bei der Mehrheit dieser Unfälle eine Rolle.

Hauptunfallgegner Nummer zwei waren Fahrradfahrer. Hier krachte es 48-mal so schwer, dass mindestens ein Unfallbeteiligter verletzt wurde. Immerhin 28-mal stießen Fußgänger mit Straßenbahnen und Bussen zusammen, wobei eine Person ums Leben kam. Der Unfall geschah im vergangenen Oktober auf dem Dr.-Külz-Ring zwischen Prager Straße und Seestraße. Eine Straßenbahn erfasste damals einen 87-Jährigen. Laster oder Transporter waren an Fußgänger-Unfällen beteiligt.

Woher stammen die ganzen Zahlen?

Im September 2018 hat das Bundesamt erstmals einen Unfallatlas veröffentlicht. Die Daten dafür stammen von der Polizei, erfasst werden ausschließlich Unfälle mit Personenschäden - also mit Verletzten oder Toten. Damals lagen noch nicht von allen Bundesländern entsprechende Informationen vor, deshalb startete der Unfallatlas mit nur neun der 16 Bundesländer. Sachsen war von Anfang an dabei, also auch Dresden.

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