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Lösungen für Dresdner Schulstandorte

Um einige Orte wurde lange debattiert, nun gibt es ganz neue Ideen. Wie die Umzugspläne aussehen.

So soll der neue Schulkomplex an der Freiberger Straße aussehen. Doch anstatt einer neuen Oberschule soll dort im Sommer 2024 nun das Berufsschulzentrum für Wirtschaft einziehen.
So soll der neue Schulkomplex an der Freiberger Straße aussehen. Doch anstatt einer neuen Oberschule soll dort im Sommer 2024 nun das Berufsschulzentrum für Wirtschaft einziehen. © Visualisierung: Stadtverwaltung Dresden

Dresden. Wo sollen welche Schüler in Dresden lernen, welche Schulen müssen erweitert und wie viel Geld soll dafür ausgegeben werden? Zwischen der Stadtverwaltung und den Bildungsexperten der Stadtratsfraktionen wird diese Debatte seit Jahren hitzig geführt. Denn im Stadtrat fällt letztlich die Entscheidung darüber, wie sich die Schullandschaft entwickelt. Seit vergangenem Jahr hat Dresden einen neuen Bildungsbürgermeister, der bis Mitte 2020 noch selbst im Stadtrat saß und nun einen anderen Weg beschreitet, als seine Vorgänger. Und das offenbar mit Erfolg.

Zwar muss auch Jan Donhauser (CDU) mit den Schulexperten aus den Fraktionen über seine Pläne diskutieren, denn längst nicht immer sind alle seiner Meinung. Doch diese Diskussionen führt Donhauser nun bereits vor den Stadtratssitzungen, in denen dann die Entscheidungen fallen sollen. In den Gesprächsrunden konnten so erste Lösungen für einige Schulstandorte gefunden werden - zumindest hätten CDU, SPD, Grüne und Linke ihre Zustimmung signalisiert, sagt Donhauser, der seinen Diskussionspartnern "viel Herzblut für die Dresdner Schulthemen" bescheinigt.

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Umzugspläne für zwei Berufsschulzentren

Demnach soll das Berufsschulzentrum (BSZ) für Wirtschaft "Franz Ludwig Gehe", das sich derzeit noch einen Schulkomplex mit dem Gymnasium Gorbitz am Leutewitzer Ring teilt, einen Neubau bekommen. Und zwar dort, wo bislang eine neue Oberschule geplant war. Das Areal auf dem alten Kohlebahnhof an der Freiberger Straße war ursprünglich für die 150. Oberschule vorgesehen. Aus der Bevölkerungsprognose vom Herbst 2020 gehe allerdings hervor, dass diese Oberschulplätze wahrscheinlich gar nicht benötigt werden, so Donhauser. Der bereits geplante und rund 42 Millionen Euro teure Neubau soll nun für das BSZ genutzt werden, im Mai muss der Stadtrat dem noch zustimmen. Donhauser rechnet damit, dass die Berufsschüler ab Sommer 2024 an der Freiberger Straße lernen können.

Der ursprünglich für das BSZ Gehe geplante neue Standort an der Boxberger Straße in Prohlis wird nun für einen anderen Umzug genutzt - das BSZ Elektrotechnik bekommt dort einen Neubau. Für den Stadtteil wäre das ein Gewinn, zumal der Freistaat dieses BSZ zum ostsächsischen IT-Berufsschulzentrum weiterentwickeln will, erklärt Donhauser. Auch ein gymnasialer Bildungsweg wird dort möglich sein. "Das ist eine gute Sache für Prohlis." Vor 2027 ist der Neubau allerdings nicht fertig, die Kosten liegen bei rund 70 Millionen Euro.

Viel Geld, aber angesichts der Summe, die für die Sanierung des jetzigen BSZ-Standortes am Strehlener Platz nötig wäre, wird die Stadt dennoch einsparen. Rund 130 Millionen Euro müssten in den imposanten Altbau investiert werden, damit er weiterhin als BSZ-Standort genutzt werden könnte. Nun plant Donhauser, den Altbau so instand zu setzen, dass er zunächst als Auslagerungsstandort zur Verfügung steht, wenn andere Schulen saniert werden. Ein Teil der Nebengebäude wird dennoch abgerissen, auch die Turnhalle weicht einem Neubau. 30 Millionen Euro kostet auch diese abgespeckte Variante, allerdings habe die benachbarte private Semper-Schule bereits signalisiert, sich an den Kosten beteiligen zu wollen, damit ihre Schüler die Halle mit nutzen können. Donhauser rechnet damit, dass der Komplex am Strehlener Platz 2029/30 fertig ist.

Gorbitz behält sein Gymnasium

Wenn das BSZ Gehe von Gorbitz an die Freiberger Straße zieht, wird am Leutewitzer Ring Platz für mehr Gymnasiasten. Vor allem die SPD-Fraktion hatte sich zuletzt dafür stark gemacht, dass das Gymnasium im Stadtteil bleibt.

Dennoch muss die Stadt auch dort viel Geld investieren: Damit dort weitere Klassen lernen können, wird der Komplex für rund 33 Millionen erweitert. Aula und Mensa müssen vergrößert und eine neue Dreifeldsporthalle gebaut werden.

Grundschule: Nicht Cockerwiese, sondern Terrassenufer

Eine weitere "Baustelle" für Donhauser sind die fehlenden Grundschulplätze in der Altstadt. Eigentlich sollte sich eine neue Grundschule das Areal auf der Cockerwiese mit der 101. Oberschule teilen. Das lehnt Donhauser aber ab, weil der Platz aus seiner Sicht nicht ausreiche. Nun hat er einen neuen Vorschlag, den er in dieser Woche mit den Bildungsexperten diskutieren will. Die neue Grundschule soll ihren Standort am Terrassenufer bekommen.

In mehreren mobilen Raumeinheiten (MRE) lernen dort derzeit die Schüler vom Gymnasium Cotta, weil ihr Stammhaus saniert wird. Ihnen folgen die Schüler des Bertolt-Brecht-Gymnasiums, wenn ihr Standort in der Johannstadt saniert oder neu gebaut wird - diese Entscheidung steht noch aus. Die Nutzung der Schulcontainer am Terrassenufer ist allerdings nur befristet möglich, deshalb sollen sie perspektivisch abgebaut werden und damit Platz für eine mögliche Grundschule machen.

Ob die Bildungsexperten Donhausers Vorschlag folgen, wird sich zeigen. Auch einige andere Standortfragen sind bislang ungelöst. Um mehr Grundschulplätze in der Altstadt zu schaffen, plant Donhauser, dass die 10. Grundschule in der Struvestraße und die Förderschule "Erich Kästner" in der Zinzendorfstraße ihre Gebäude tauschen. Die Förderschule nutzt derzeit für 80 Schüler ein Gebäude, das eigentlich Platz für 360 Grundschüler bietet.

Mit seinem Plan stößt der Bildungsbürgermeister nach eigener Aussage aber auf Widerstand, im Stadtrat wird er dafür momentan keine Zustimmung bekommen. "Ich setze in diesem Fall erst einmal auf eine Denkpause." In den kommenden zwei Jahren will er beobachten, wie sich die Schülerzahlen entwickeln, kurzfristig sollen 22 mobile Raumeinheiten auf dem Parkplatz vor der 10. Grundschule den Platzbedarf in der Altstadt decken.

Will auf Investitionen in seinem Bereich nicht verzichten: Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) hat sich Gedanken gemacht, wie er genug Schulplätze schaffen und die Mittel für den Schulbau dennoch möglichst effektiv einsetzen kann.
Will auf Investitionen in seinem Bereich nicht verzichten: Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) hat sich Gedanken gemacht, wie er genug Schulplätze schaffen und die Mittel für den Schulbau dennoch möglichst effektiv einsetzen kann. ©  Christian Juppe (Archivbild)

Donhauser will Kürzungen für Schulen verhindern

Jan Donhauser muss Geld sparen. "Bei allen Überlegungen zu den Standorten geht es auch darum, die finanziellen Mittel effektiv einzusetzen." Mit den derzeitigen Planungen könnten unter dem Strich bis zu 100 Millionen Euro bei den Schulbauprojekten eingespart werden.

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Dabei drohen dem Dresdner Schulbereich massive Kürzungen, insgesamt 21,6 Millionen Euro stehen zur Debatte. "Das ist Geld, das ich nicht abgeben kann", stellt Donhauser klar. Letztlich entscheidet der Stadtrat, in welchem Bereich die Investitionen gestrichen werden.

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