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Demokratie-Preis für Emiliano Chaimite

Der Dresdner Krankenpfleger und Politiker engagiert sich in der Migrationsarbeit. Nun wird der gebürtige Mosambikaner zum Botschafter für Toleranz.

Emiliano Chaimite arbeitet als Krankenpfleger am Städtischen Klinikum und engagiert sich in Dresden und Sachsen für Migranten.
Emiliano Chaimite arbeitet als Krankenpfleger am Städtischen Klinikum und engagiert sich in Dresden und Sachsen für Migranten. © Archiv: Sven Ellger

Dresden. Er könne sich kein anderes System vorstellen, als die Demokratie, weil sie zum Mitmachen einlädt. Menschen zum Mitmachen zu bewegen, sie für eine Sache zu begeistern - das ist die Stärke von Emiliano Chaimite, wie er selbst sagt. Der gebürtige Mosambikaner und Dresdner wurde an diesem Sonntag als Botschafter für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet.

Zur Preisverleihung, die aufgrund der Corona-Regelungen per Livestream übertragen wurde, werden Chaimite und sein Engagement in einem kurzen Film vorgestellt, Laudatorin Gabriele Rohmann erklärt anschließend, warum die Jury sich in diesem Jahr für ihn entschieden hat. Das beginnt sie mit einer Frage an Chaimite: Wie schafft er es, sich trotz seines kraftzehrenden Jobs in zahlreichen Initiativen einzubringen?

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Geprägt vom eigenen Lebensweg

Tatsächlich arbeitet Chaimite als Krankenpfleger am Städtischen Klinikum in der Friedrichstadt, der 55-Jährige ist dort auch in der Intensivpflege im Einsatz. Dass er dennoch genug Kraft findet, sich als Vorsitzender des Dresdner Vereins Afropa für andere einzusetzen, 2017 einen Dachverband für die sächsischen Migrationsorganisationen mit zu gründen und sich in der SPD auch politisch einzubringen, liege an seinem Lebensweg, an seinen eigenen Erfahrungen.

Als er 1986 als Vertragsarbeiter nach Deutschland kommt und in Magdeburg seine Ausbildung in einer Gießerei macht, erfährt er nicht nur Sympathie. Eigentlich wollte er Automechaniker werden und nach der Ausbildung in seine Heimat zurückkehren, doch die politische Wende kam dazwischen. Er wird arbeitslos, geht nach Berlin, ihm droht die Abschiebung.

Chaimite nutzt die Chance und geht nach Sachsen, wo er von einem Pfarrer unterstützt wird, der sich damals den ehemaligen Vertragsarbeitern annahm. Dann der Wechsel nach Dresden, hier lässt er sich ab 1991 als Krankenpfleger ausbilden, in seinem Traumberuf, wie er heute sagt.

"Es ist noch viel zu tun"

Kraft zieht Chaimite auch aus vielen Freundschaften, die er in Dresden gefunden hat. So wie die Liebe, er gründet eine Familie. Dass er rassistischen Anfeindungen ausgesetzt ist, daraus macht er keinen Hehl. Anstatt zu gehen, bleibt er. Von klein auf sei er christlich erzogen, ihm wurde vermittelt, dass es wichtig ist, sich für andere einzusetzen, zu helfen. Benachteiligung, auch das ist eines seiner Schlüsselwörter, sie habe ihn geprägt, nicht nur in seiner Zeit als Vertragsarbeiter in der DDR, schon in seiner Heimat Mosambik.

Doch das spornt ihn umso mehr an. Neben vielen Projekten und Initiativen, die sich darum bemühen, Migranten zu unterstützen, ihnen Hilfe zu geben im deutschen Alltag, engagiert er sich im Ausländerrat und koordiniert die politische Bildung von Migranten im Freistaat.

Auf die Frage, was mit dieser Arbeit schon erreicht werden konnte, verweist Emiliano Chaimite auf die immer weiter wachsende Zahl an Initiativen und Bündnissen, die heute auch finanziell unterstützt werden. Und auch auf politischer Ebene hat sich einiges getan. "Es gibt einen Kabinettsbeschluss, der sich damit befasst, wie Rassismus konkret bekämpft werden kann." Dennoch sei noch viel zu tun, betont Chaimite am Ende der Preisverleihung.

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Die Würdigung als Botschafter durch das Bündnis für Demokratie und Toleranz gegen Extremismus und Gewalt, das es seit 20 Jahren gibt, ist mit einem Preisgeld von 5.000 Euro verbunden.

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