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Demo in Dresden: "So ein Satz darf nicht fallen"

"Schubs mich und du fängst dir ne Kugel." Mit diesem Satz sorgte ein Polizist für Aufregung. Albrecht Pallas, SPD-Chef und selbst Polizist, fordert nun Konsequenzen.

Provoziert von linken Demonstranten drohte ein Polizist in Dresden am Sonntag: "Schubs mich und du fängst dir ne Kugel." Danach fasste er an seine Dienstwaffe.
Provoziert von linken Demonstranten drohte ein Polizist in Dresden am Sonntag: "Schubs mich und du fängst dir ne Kugel." Danach fasste er an seine Dienstwaffe. © privat

Herr Pallas, wie bewerten Sie die Geschehnisse am Sonntag?

Die Ereignisse haben zwei Ebenen, die wir betrachten müssen. Die Situation als solche und die Kommunikation der Polizeidirektion Dresden dazu.

Stars im Strampler aus Dippoldiswalde
Stars im Strampler aus Dippoldiswalde

So klein und doch das ganz große Glück: Wir zeigen die Neugeborenen aus der Region Dippoldswalde.

Was meinen Sie damit konkret?

Zum einen ist natürlich so eine Demo immer eine unübersichtliche Situation und bedeutet Stress für die Polizisten. Trotzdem darf so ein Satz nicht fallen. Es ist die Aufgabe von Polizisten, zu deeskalieren und nicht noch mehr zur Eskalation beizutragen.

Albrecht Pallas
Albrecht Pallas © Christian Juppe

Ein Satz wie dieser trägt aber nicht dazu bei, um die Situation zu entschärfen.

Natürlich nicht. So etwas darf einem Polizisten auch im Stress nicht herausrutschen, das spricht für eine tiefer sitzende Ablehnung der Demo-Teilnehmer.

Polizisten werden für solche Einsätze geschult. Sie sind Polizist, wie kann so etwas trotzdem passieren?

Ja, natürlich werden Polizisten in der Ausbildung zu Demo-Einsätzen geschult und auch danach gibt es immer wieder Übungen. Der Einsatz am Sonntag war stressig, es waren zu wenige Polizisten eingesetzt und die Demo wurde mit Samstagabend sehr kurzfristig angemeldet. Wir sind alle Menschen und machen Fehler, aber so ein Spruch muss Konsequenzen haben.

Der betroffene Polizist war der Einsatzleiter, werden diese Führungskräfte nicht besonders geschult?

Ja, Führungskräfte werden auch und besonders im Bereich der Kommunikation geschult. Daher, ja der Polizist hatte Stress und war vielleicht in solchen Einsätzen noch nicht so geübt, aber das ist keine Entschuldigung.

Sie sprachen das Kommunikationsverhalten der Polizeidirektion an. Der Polizeipräsident hatte einen Polizisten in Schutz genommen.

Genau, die Polizeidirektion hat ein Fehlverhalten von sich gewiesen. Dabei ist auf Videos eindeutig zu sehen, dass der Einsatzleiter den Nebeltopf nicht als Beweisstück gesichert hat, sondern ihn mit dem Fuß in Richtung der Demonstranten gekickt hat. Er zog die Waffe eindeutig ein Stück aus dem Holster. Wie soll das vom Gegenüber nicht als ernsthafte Ansage verstanden werden?

Hat er damit eine Kompetenz überschritten?

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Eindeutig ja. Es muss geprüft werden, ob da nicht ein oder mehrere Straftatbestände vorliegen. Ich habe dazu als Abgeordneter eine Kleine Anfrage an die Regierung gestellt. 

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