merken
PLUS Dresden

Wo die Dresdner am meisten verdienen

Wo wohnen die meisten Menschen mit hohem Armutsrisiko, wo die meisten Reichen? Und wie viel lassen die Dresdner für Restaurantbesuche springen?

Blick auf ein Wohngebiet in Klotzsche. In dem Stadtteil haben die Haushalte durchschnittlich mittlerweile am meisten Geld zur Verfügung. Die steigenden Einkommen in Dresden sind allerdings ungleich verteilt
Blick auf ein Wohngebiet in Klotzsche. In dem Stadtteil haben die Haushalte durchschnittlich mittlerweile am meisten Geld zur Verfügung. Die steigenden Einkommen in Dresden sind allerdings ungleich verteilt © dpa-Zentralbild/euroluftbild.de

Dresden. In manchen Stadtteilen häuft sich der Reichtum, in anderen die Armut. Mehrere Tausend Euro liegen die Einkommen der Dresdner Haushalte mitunter auseinander, wie die neueste Bürgerumfrage zeigt. Doch, Überraschung: Die meisten Besserverdiener wohnen nicht mehr in Loschwitz. Das sind die wichtigsten Ergebnisse.

Wie schätzen die Dresdner ihre wirtschaftliche Lage ein?

Trotz Geldschere schätzen die meisten Dresdner ihre persönliche wirtschaftliche Lage gut bis sehr gut ein. 70 Prozent der Befragten sind zufrieden. So viele waren es seit mehr als zehn Jahren nicht.

LandMAXX
Mitten in Sachsen, ganz nah am Menschen
Mitten in Sachsen, ganz nah am Menschen

LandMAXX ist der freundliche, kreative und innovative Nahversorger für alle, die in Haus, Hof und Garten gern selbst anpacken.

Für die Statistiker ist das ganz klar eine Folge der steigenden Einkommen und der sinkenden Arbeitslosigkeit. Das Ergebnis zeigt auch: Zum Glücklichsein muss man keine 5.000 Euro im Monat mit nach Hause bringen.

Nichtsdestotrotz: Sechs Prozent schätzen ihre wirtschaftliche Lage als schlecht ein und immerhin 25 Prozent sagen "teils, teils". Die Befragung fand im Frühjahr 2020 statt.

Wie viel verdienen die Dresdner denn?

Gefragt hat die Stadtverwaltung insgesamt 6.100 Dresdner nach ihrem Haushaltseinkommen. Sie sollten angeben, wie viel Geld ihnen im Februar 2020 nach Abzug von Steuern und Pflichtversicherungen übrigblieb. Im Durchschnitt waren das 2.300 Euro - vier Prozent mehr als bei der vorherigen Befragung 2018.

Am stärksten profitierten Alleinerziehende von der Steigerung. Sie können im Schnitt 2.360 Euro ausgeben (plus 310 Euro). Alleinstehende Rentner kommen auf gut 1.500 Euro (plus 146 Euro). Das meiste Geld haben erwartungsgemäß berufstätige Paare zur Verfügung. Fast 4.200 Euro sind es im Monat (plus 200 Euro).

Woher kommt das zusätzliche Geld?

Höhere Löhne, Renten, Unterhaltszahlungen, Einkünfte aus Vermietungen sowie mehr Elterngeld, Arbeitslosengeld und Grundsicherung: Im Prinzip haben alle Einkommensarten zugenommen, so die Stadt. Das trifft erstmals seit zehn Jahren auch auf nebenberufliche Einkommen zu.

Wie groß sind die Unterschiede innerhalb Dresdens?

Dresden ist eine geteilte Stadt, wenn es ums Geld geht. Auch geografisch. Stehen den befragten Gorbitzer Haushalten im Schnitt gerade einmal 1.600 Euro zur Verfügung (plus 1 Euro zu 2018), können die Klotzscher fast doppelt so viel ausgeben: 3.000 Euro (plus 290 Euro). Klotzsche hat Loschwitz vom ersten Platz verdrängt.

Zwischen dem Blauen Wunder und dem Weißen Hirsch haben die befragten Menschen im Schnitt 2.804 Euro in der Tasche. Tatsächlich ist Loschwitz sogar auf Platz drei geschoben worden. Denn auch in Briesnitz, Gompitz/Alfranken und Cossebaude/Mobschatz/Oberwartha liegt das Einkommen höher (2.850 Euro).

Wichtig: Die Daten beruhen auf den rund 6.100 ausgefüllten Fragebögen. Eine Vollerhebung gibt es nicht. Auch das Statistische Landesamt ermittelt das Durchschnitteinkommen anhand von Befragungen.

Die neuesten Zahlen dort stammen von 2018. Das mittlere monatliche Haushaltseinkommen in Dresden lag demnach bei 2.040 Euro an – etwas weniger, als die Kommunale Bürgerumfrage damals ermittelte. Die Ergebnisse der Dresdner Umfrage sind statistisch gesehen dennoch repräsentativ.

Wie viele Haushalte gelten als arm, wie viele als reich?

Festgemacht wird das Armutsrisiko am Haushaltseinkommen. Liegt es 60 Prozent unter dem mittleren, sogenannten Äquivalenzeinkommen, geht man von einem Armutsrisiko aus. Diese Definition hat sich nicht die Stadtverwaltung ausgedacht, sie stammt von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Der Anteil armutsgefährdeter Haushalte ist seit 2018 leicht gestiegen auf 51.100. Da zugleich der Anteil wohlhabender und einkommensreicher Haushalte in der Stadt etwa gleichgeblieben ist, habe sich die Kluft zwischen Arm und Reich etwas vergrößert, so die Statistiker im Rathaus.

Als wohlhabend gelten Menschen, deren Einkommen 50 Prozent über dem mittleren Einkommen liegen. Das sind hochgerechnet 47.200 Haushalte. Als reich wird man betrachtet, wenn man doppelt so viel Geld zur Verfügung hat. Zu dieser Gruppe zählen in Dresden immerhin 15.400 Haushalte. Die meisten von ihnen sind in Klotzsche, Loschwitz, aber auch der Inneren und Äußeren Neustadt zu finden.

Wofür geben die Dresdner ihr Geld aus?

In erster Linie zahlen die Dresdner für ihre Wohnung oder ihr Haus. Grundmiete sowie Betriebskosten sind seit der Wende kontinuierlich gestiegen. Zahlte man 1995 im Schnitt noch 4,78 Euro pro Quadratmeter, so waren es 2020 bereits 9,16 Euro.

Am teuersten lebt es sich in Loschwitz, Blasewitz und Striesen. Am geringsten sind die Wohnkosten in Prohlis, Reick und Gorbitz, wobei durch die niedrigen Einkommen die Wohnkostenbelastung dort trotzdem am größten ist.

Und was ist mit Freizeit? Auch dafür lassen die Dresdner einige Euro springen. Für Hobbys, Disco-Besuche, Ausflüge und Gaststättenbesuche kommen im Monat durchschnittlich 164 Euro zusammen.

Rund 74 Euro geben die Dresdner für Konzerte, Kinofilme, Theateraufführungen und Bücherkäufe aus. Sport und Freizeit sind ihnen im Schnitt 53 Euro monatlich wert.

Für Sport geben am meisten die Briesnitzer aus, am wenigsten die Prohliser und Pieschener. Ausflüge und Restaurantbesuche sind dagegen den Klotzschern am meisten wert, während auch hier die Prohliser nur wenig Geld zur Verfügung haben.

Wie blicken die Dresdner in die Zukunft?

Danach gefragt, wie sie ihre wirtschaftliche Lage dieses Jahr, also 2021, einschätzen, sagte mehr als die Hälfte, dass wohl alles beim Alten bleiben werden. 17 Prozent rechnete mit einer Verbesserung, 14 Prozent mit einer Verschlechterung. Weitere 14 Prozent meinten, das nicht beurteilen zu können.

Bei dieser Frage muss man wissen, dass sie im vergangenen Frühjahr gestellt wurde, als die Corona-Krise gerade ihren Lauf nahm. Angesichts des zweiten, länger andauernden Lockdowns dürften wohl einige Teilnehmer ihre Zukunft heute anders einschätzen.

Immerhin ist die Zahl der Arbeitslosen von Dezember 2019 zu Dezember 2020 um knapp 3.000 gestiegen. Die Zahl offener Arbeitsstellen sank im selben Zeitraum um mehr als 700.

Weiterführende Artikel

Das sind die Top-Wünsche der Dresdner

Das sind die Top-Wünsche der Dresdner

Die Stadt Dresden ist gastlich und lebenswert, finden die meisten Einwohner laut einer Umfrage. Trotzdem gibt es eine lange Wunschliste.

Das sind Dresdens attraktivste Stadtbezirke

Das sind Dresdens attraktivste Stadtbezirke

Meistgelesen: Eine neue Studie zeigt, wo es sich in Dresden am besten lebt - für Studenten, Familien, Sport- und Kulturfans. Dabei gibt es Überraschungen.

Wo der Lärm in Dresden am größten ist

Wo der Lärm in Dresden am größten ist

Lärm gilt als ein Hauptgrund für Umzüge aus Dresden heraus. In welchen Stadtteilen der Krach besonders belastend ist und was ein Verkehrsexperte dagegen rät.

Wie seniorenfreundlich ist Dresden?

Wie seniorenfreundlich ist Dresden?

Die Überalterung in Dresden wird bis 2035 deutlich zunehmen, sagen Prognosen. Eine Herausforderung für die Stadtverwaltung, die jetzt einen ersten Schritt macht.

Alle Daten zur Kommunalen Bürgerumfrage 2020 und den Umfragen der vergangenen Jahre finden Sie hier.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden