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Dresdens älteste Kirche steht wieder

Mahnung zum Frieden: 75 Jahre nach ihrer Zerstörung steht an der Stelle der ehemaligen Sophienkirche nun ein futuristisch anmutendes Gedenkzentrum.

Der "DenkRaum Sophienkirche" steht am Ort der ehemaligen Sophienkirche am Postplatz
Der "DenkRaum Sophienkirche" steht am Ort der ehemaligen Sophienkirche am Postplatz © René Meinig

Dresden. 12. Februar 1945. Hans Trudo Röhr setzt an zu den letzten Tönen auf der großen Silbermann-Orgel, die aus dem Innenraum der Dresdner Sophienkirche hinaus in die Winternacht dringen. Der 15-Jährige ist Kruzianer, die Orgel in Dresdens ältester Kirche, auf der schon Johann Sebastian Bach spielte, nutzt er zum Üben. Später würde Trudo einmal Professor für Musik werden. Um 18 Uhr nimmt er den großen Schlüssel, verlässt die Kirche und schließt ab. "Den Schlüssel habe ich dann ordnungsgemäß abgegeben", erzählt der heute 90-Jährige. Nach ihm würde niemand jemals mehr in dieser Form die Kirche betreten.

Einen Tag später, am 13. Februar, bombardieren die Alliierten Dresden, die Sophienkirche am zentralen Postplatz wird schwer getroffen und brennt vollständig aus. Ein Jahr später stürzen auch die Grundmauern in sich zusammen. Anfang der 60er werden unter Protesten der Bevölkerung auch die letzten Reste der Kirche abgetragen. SED-Chef Walter Ulbricht lässt an ihrer Stelle eine Gaststätte bauen.

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Hans Trudo Röhr schloss am 12. Februar 1945 zum letzten Mal die Sophienkirche in Dresden ab
Hans Trudo Röhr schloss am 12. Februar 1945 zum letzten Mal die Sophienkirche in Dresden ab © René Meinig

Seit Freitag steht Dresdens älteste Kirche nun in Teilen wieder. Die Bürgerstiftung Dresden hat an ihrer Stelle einen Ort des Friedens und der Versöhnung geschaffen, an dem verschiedene Generationen sich gemeinsam erinnern sollen. "Mit der Fertigstellung der Gedenkstätte wird die Nachwelt an eine der großen Wunden erinnert", sagte der ehemalige Landeskonservator Gerhard Glaser, der den mehr als zehn Jahre dauernden Bau der Gedenkstätte verantwortete.

Abstrahierte Darstellung der ehemaligen Busmannkapelle

Aus den Mitteln der ehemaligen DDR-Parteien und aus Steuermitteln hat der Freistaat die Sophienkirche und die angrenzende Busmannkapelle als "DenkRaum Sophienkirche" symbolisch wieder auferstehen lassen. Ein futuristischer Glasblock in einer Seitenstraße des Postplatzes ummantelt eine abstrahierte Darstellung der fünf südlichen Kirchenpfeiler der damaligen Sophienkirche und der angrenzenden Busmannkapelle, in die die einzigen vor der SED-Führung geretteten Überreste des damaligen Mauerwerks integriert worden sind. "Dieses Bauwerk soll Tag und Nacht mitten auf dem Marktplatz stehen", betont Glaser, daher habe man eine transparente, gläserne Umhüllung gewählt. Diese ist architektonisch besonders zukunftsweisend, da sich die gläsernen Wände selbst tragen.

Der Innenraum der Gedenkstätte
Der Innenraum der Gedenkstätte © René Meinig

Im Innenraum schlägt die 1946 abgetragene Glocke des Südturms der Kirche zur vollen Stunde, worauf das Nagelkreuz aus Coventry und das UNO-Friedensgebet an die dahinterliegende Wand projiziert werden. Neben vier weiteren Dresdner Orten ist die Gedenkstätte ein "Nagelkreuzzentrum": Das vom Bischof von Coventry (Großbritannien) geweihte friedensstiftende Nagelkreuz soll zu internationaler Versöhnung ermahnen.

Mehr als 1.000 Spender unterstützten den Bau

Die Bürgerstiftung Dresden gab 2007 bekannt, das bereits 1995 entworfene Bauprojekt als Bauherrin betreuen zu wollen. Ein Jahr später begannen die Bauarbeiten. Mehr als 1.000 Spender halfen, die 4,8 Millionen Euro Baukosten zu stemmen. Auch die 1997 gegründete Fördergesellschaft der Gedenkstätte, die Stadt Dresden und die Landeskirche beteiligten sich an den Kosten.

Oberlandeskirchenrat Harald Bretschneider mit dem Schlüssel der ehemaligen Sophienkirche
Oberlandeskirchenrat Harald Bretschneider mit dem Schlüssel der ehemaligen Sophienkirche © René Meinig

Die Busmannkapelle war 1400 als Seitenkapelle an die 1350 errichtete Sophienkirche gebaut worden. Sie diente als Begräbnisstätte der Patrizierfamilie Busmann und beinhaltete die ersten überlieferten bildlichen Darstellungen von Dresdner Bürgern, die nun in die Replikate der Kirchenpfeiler eingearbeitet wurden.

Gedenken der Opfer zweier Diktaturen

Der "DenkRaum Sophienkirche" widmet sich der aktiven Friedensarbeit in Erinnerung an den Missbrauch der politischen Macht sowohl im Zweiten Weltkrieg als auch in der DDR. Hans Trudo Röhrs Kirchenschlüssel wurde dazu am Freitag symbolisch an die Bürgerstiftung Dresden übergeben.

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Die Gedenkstätte ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. In den Herbstferien finden außerdem täglich um 17 Uhr Führungen mit bedeutenden Persönlichkeiten wie dem Bürgerrechtler Frank Richter oder dem Filmemacher Ernst Hirsch statt. Weitere Informationen finden sich unter denkraum-sophienkirche.de. Die Bürgerstiftung sucht nach Ehrenamtlichen, die sich in der Gedenkstätte engagieren wollen.

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