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Ist der Weg zum Fernsehturm zu steinig?

Das überarbeitete Verkehrskonzept enthält mehrere Knackpunkte in puncto Finanzen, Zeitplan und Sicherheit. Einen Vorschlag halten Bürger gar für lebensgefährlich.

Ruhe am Turm. Das soll sich nicht ändern, geht es nach den Anwohnern. Doch viele Dresdner wollen bald wieder auf den Fernsehturm.
Ruhe am Turm. Das soll sich nicht ändern, geht es nach den Anwohnern. Doch viele Dresdner wollen bald wieder auf den Fernsehturm. © René Meinig

Dresden. Die geplante Wiedereröffnung des Wachwitzer Fernsehturms beschäftigt viele Dresdner. So ist es nicht verwunderlich, dass es bei der Bürgerbeteiligung zum Verkehrskonzept 295 Stellungnahmen mit insgesamt 2.308 Einzelanregungen gab. Die Verwaltung hat diese in einer 99-seitigen Tabelle zusammengefasst und ausgewertet, wie Matthias Mohaupt am Mittwoch den Loschwitzer Stadtbezirksbeiräten erklärte. Er leitet die Abteilung Verkehrsentwicklungsplanung im Stadtplanungsamt.

Aus den darin enthaltenen, positiv beschiedenen 169 Anregungen waren 46 nicht für den Fernsehturm relevant, sagte Mohaupt. 95 konnte man zusammenfassen, sodass am Ende 23 Anregungen aus der Bürgerbeteiligung ins Verkehrskonzept übernommen werden konnten. "Eine davon ist der Vorschlag, einen Park&Ride-Platz neben der Tennishalle in Pappritz zu bauen", sagte Mohaupt. Abschlägig beschieden wurde durch Bürgerhinweise hingegen die Idee, einen Parkplatz in Tolkewitz zu errichten.

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Verwaltung plant mit zwei Varianten

Die Verwaltung arbeite mit zwei Varianten, die sich aus dem Verkehrskonzept des Büros Spiekermann vom Sommer abgeleitet haben, so Mohaupt. Wesentlicher Unterschied darin ist, dass es bei Variante A einen Parkplatz direkt am Fuß des Fernsehturmes gibt, der nicht nur für Reisebusse, sondern auch für rund 50 Autos gedacht ist.

In Variante B gibt es neben dem Reisebusparkplatz auch eine Wendeschleife für den Linienbusverkehr. "Unsere Vorzugsvariante ist Nummer B, da diese darauf abzielt, keinen Individualverkehr zum Turm zu lassen, sondern ihn auf den Park&Ride-Platz an der Gleisschleife Rossendorfer Straße zu lenken und die Besucher von dort mit Bussen zum Fernsehturm zu bringen", sagt Stefan Szuggat, der Leiter des Stadtplanungsamtes.

Er räumte allerdings ein, dass es nicht realistisch ist, bis 2025 die Gleisschleife vom Ullersdorfer Platz zu verlegen, die Bautzner Landstraße und den Parkplatz zu bauen. Denn dafür sei ein Planfeststellungsverfahren nötig, was erfahrungsgemäß mehrere Jahre dauere, auch weil Grunderwerb nötig ist. Um den Besucherverkehr zeitlich abzusichern, setze man deshalb als entlastende Maßnahme auf den Bau eines kleineren Parkplatzes an der Tennishalle.

"Mischverkehrsfläche" sorgt für Aufregung

Wichtig für die Erreichbarkeit des Turmes ist auch der Ausbau der Straßen. Fest steht, dass die Staffelsteinstraße als wesentlicher Zubringer ab April 2021 ausgebaut wird. Die Arbeiten dauern drei Jahre, das Geld steht im Haushalt bereit. Die Pläne, einen Minibus über die Wachwitzer Bergstraße zu führen, würden nicht weiter verfolgt, sagte Mohaupt.

Stattdessen soll die Linie 87 aus Striesen über Bühlau direkt zum Fuß des Fernsehturmes fahren, wo eine Wendeschleife neben dem Busparkplatz entstehen soll. Geplant ist, die Busse aus Lärmschutzgründen nachts nur bis zur bisherigen Endhaltestelle der Linie 61 fahren zu lassen.

Ein Problem ergibt sich jedoch aus den schmalen Straßen am Turm, vor allem dem Oberwachwitzer Weg, auf dem sich künftig Busse begegnen müssen. Bisher gibt es dort einen 1,30 Meter breiten Fußweg und eine 5,50 Meter breite Fahrbahn. Die Stadt will nicht in Privatgrundstücke eingreifen, sagt Stadtplanungsamtsleiter Szuggat.

Deshalb ist man auf die Idee gekommen, eine sogenannte Mischverkehrsfläche herzustellen. Das bedeutet, dass Fußgänger, Radfahrer, Autos, Lkw und Busse alle auf dieser Fläche fahren. Der Fußweg wird abgesenkt und lediglich rot markiert.

Ein Unding für die Anwohner, die ihren Unmut in der Sitzung lautstark zum Ausdruck brachten. "Das ist lebensgefährlich, das wird Tote geben", schätzte ein Mitglied der Bürgerinitiative Fernsehturm Dresden ein.

Fehlendes Geld und schwierige Verfahren

Für den Bau eines Parkplatzes am Turm gibt es hohe Hürden, denn die Flächen liegen zum Teil im Landschaftsschutz- und Naturschutzgebiet. Langwierige Ausgliederungsverfahren sind nötig. Andererseits gibt es am Wachwitzer Turm keine anderen geeigneten Grundstücke, die nicht im Schutzgebiet liegen, sagt Szuggat.

Zum Zeitplan der Umsetzung des Verkehrskonzeptes sagt er deshalb: "Wir können Ihnen jetzt kein endgültiges Zeitkonzept anbieten." Unbeantwortet blieb auch die Frage, wie die Stadt Individualverkehr zum Turm unterbinden will. Matthias Mohaupt gab zu bedenken, dass man diesen wohl nicht ganz verhindern könne.

Woher soll das Geld kommen?

Und auch die Frage der Finanzierung der Infrastrukturmaßnahmen ist bisher ungeklärt. Für die Variante B wären rund fünf Millionen Euro aus der Stadtkasse nötig. Bisher ist kein Geld dafür im Doppelhaushalt 2021/22 vorgesehen. Auch der Freistaat Sachsen hat kein Geld für den Turm in seinem Haushalt eingestellt, obwohl er laut Vereinbarung über sechs Millionen für die Turmeröffnung bereitstellen will.

Für Marcel Timmroth, der in der Stadtverwaltung für den Fernsehturm zuständig ist, ist das aber kein Widerspruch. "Für die 2,9 Millionen Euro Planungsleistungen hat der Freistaat seinen Anteil von 1,45 Millionen Euro zugesichert." Das Geld würde aus Haushaltsresten für die Denkmalpflege kommen.

Die Loschwitzer Räte stimmten dem Verkehrskonzept mit knapper Mehrheit zu. Ein gutes Zeichen für den Fernsehturmverein, dessen Vorsitzender Eberhard Mittag fordert, dass man getroffene Vereinbarungen zur Wiedereröffnung nicht einfach ignorieren solle. Das Geld vom Bund stehe bereit und er ist auch optimistisch, dass die Funkturm GmbH im Frühjahr 2021 einen Betreiber für den Turm präsentieren wird.

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