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Die größte Brauerei der DDR

Die Coschützer Brauerei setzt eine lange Brautradition in Dresden fort. Vor 40 Jahren floss dort das erste Bier.

Die neue 1981 gebaute Brauerei in Coschütz ist die wichtigste Investition der einstigen DDR-Brauindustrie. Rund 1,5 Millionen Hektoliter Bier sind damals dort gebraut worden.
Die neue 1981 gebaute Brauerei in Coschütz ist die wichtigste Investition der einstigen DDR-Brauindustrie. Rund 1,5 Millionen Hektoliter Bier sind damals dort gebraut worden. ©  SZ-Archiv

Dresden. Rund zwei Millionen Hektoliter Bier werden in der Brauerei in Dresden-Coschütz jährlich gebraut. Die metallisch glänzenden Reaktoren sind nicht zu übersehen. Gebaut wurde die seinerzeit größte und modernste Brauerei der DDR durch den VEB Bau- und Montagekombinat Hoyerswerda. Ungarische und bulgarische Spezialisten standen Pate. Die Investition gilt als wichtigste in der Geschichte der DDR-Brauindustrie. Am 1. September 1981 wurde dort die Bierproduktion hochgefahren. Das war vor 40 Jahren.

„Hans Modrow zerschneidet das weiße Band, vollzieht damit symbolisch die Inbetriebnahme“, berichtete die Sächsische Zeitung. Der damalige SED-Bezirkschef ließ sich von Produktionsdirektor Genosse Werner Schöne die Schalttafel mit ihren Symbolen für Rohrleitungen, den Lämpchen und Schaltern erklären. Da waren die ersten 4.000 Hekoliter Coschützer Bieres gebraut, und standen abgefüllt in 800.000 Flaschen zum Verkauf, wie es in dem Bericht hieß. Wenn der VEB Coschützer Brauerei 1983 die volle Kapazität erreichte, werde es die Menge von 1,3 Millionen Hektolitern Qualitätsbier jährlich sein.

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Felsenkeller-Brauerei sorgt für Aufsehen

Das erste Bier war damals mit erheblicher Verzögerung in die Flaschen geflossen. Der Grundstein für die Brauerei war nämlich schon 1973 gelegt worden. Zum Komplex gehörten neun Gärtürme, zwei Sudhäuser, sechs automatische Abfüll-Linien für Flaschenbier, Lagerhallen, Heizhaus, Verwaltungs- und Sozialgebäude sowie eine Betriebsgaststätte.

Eigentlich sollte alles schon 1977 fertig sein. Doch die Bauarbeiten zogen sich bis 1980 hin und auch da ging zunächst nur die erste Abfüll-Linie in Betrieb. Das Bier anderer Brauereien – wie der Felsenkellerbrauerei – wurde mit Tankfahrzeugen nach Coschütz gefahren, um dort in Flaschen gefüllt zu werden. Die eigene Produktion startete ein Jahr später.

Als Standort für die Brauerei war eine Hochfläche am Rand der Coschützer Flur gewählt worden. Als die Brauerei ihren Betrieb aufnahm, wurde die Flaschenbierproduktion in der Felsenkellerbrauerei eingestellt. Dort wurde fortan nur noch Fass- und Tankbier für Gaststätten und andere Großabnehmer hergestellt.

Die Waldschlösschenbrauerei spezialisierte sich auf alkoholfreie Getränke, die Feldschlösschenbrauerei auf Spezialbiere und die Falkenbrauerei wegen ihrer guten Quelle auf Mineralwasser. Der Betriebsteil am Bönischplatz in der Johannstadt wurde geschlossen.

Dresden ist eine Brauereistadt. Vor dem Ersten Weltkrieg lag die Stadt mit jährlich 1,5 Millionen Hektolitern nach Berlin und München an dritter Stelle im Reich bei der Bierproduktion. Die „Feldschlößchen AG“ als letztes verbliebenes Dresdner Brauerei-Unternehmen wurde 1858 gegründet. Für Aufsehen sorgte damals jedoch vor allem die am 10. November 1858 fertiggestellte Felsenkeller-Brauerei, deren Bau für Großbrauereien Maßstäbe gesetzt hat.

Bier aus Dresden seit dem Mittelalter

Die alteingesessenen Brauer waren vergeblich gegen den neuen Konkurrenten Sturm gelaufen. Im Plauenschen Grund wurden neun 66 Meter lange Stollen als Lager in den Felsen getrieben. Der Bau galt als Meisterleistung. Das dort gebraute Bier fand reißenden Absatz und wurde bis nach Leipzig, Breslau, Danzig und Hamburg geliefert. Ein „Eiswurm“, der angeblich dort sein Unwesen getrieben haben soll, war eine pfiffige Marketing-Idee. Er wurde das Markenzeichen des 1991 schließlich geschlossenen Betriebes.

Bier gebraut wird in Dresden jedoch schon seit dem Mittelalter. Das war damals vor allem eine Angelegenheit der Hausfrauen. Die Braugeräte waren wertvoll. Mit dem Bau von Brau- und Malzhäusern wurde das Bier zunehmend eine Sache von Profis. Brauereien schossen aus dem Boden. Leonhard Meisl, der Pächter des Bayrischen Brauhauses in der Friedrichstadt, hatte 1838 in der jetzigen Südvorstadt ein traditionsreiches Ausflugslokal übernommen, das „Schlösschen im Felde“. Es hatte zu einem Bauerngehöft gehört, dem Kurfürst Johann Georg I. 1644 den Bier- und Weinausschank erlaubt hatte.

Weitere Folgen von Dresden Damals:

Meisl begann dort Bier zu brauen. und die Söhne verwandelten das Unternehmen 1858 in die „Aktienbrauerei zum Feldschlößchen“. Nach einem Konkurs 1883 gingen die neu gegründete „Feldschlößchen Aktiengesellschaft“ und die Dresdner Niederlassung der Radeberger Exportbierbrauerei 1905 zunächst eine Interessengemeinschaft ein und wurde schließlich von ihr 1920 übernommen.

1868 wurde die Aktienbrauerei zu Reisewitz und 1872 die Brauerei zum Plauenschen Lagerkeller sowie das Cottaer Hofbrauhaus gegründet, das sich vor allem wegen seines guten Bockbieres einen Namen gemacht hatte. Die großen Brauereien lieferten sich einen harten Konkurrenzkampf. Auswärtiges Bier wurde immer weiter zurückgedrängt.

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Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm die Waldschlößchenbrauerei schon im Juni 1945 die Produktion wieder auf. „Feldschlößchen“ wurde endgültig Teil des „VEB Radeberger Exportbierbrauerei und gehörte 1960 als „Werk Süd“ dem neu gegründeten „VEB Dresdner Brauereien“, um nach dessen Umwandlung in ein Kombinat 1979 wieder eigenständig zu werden.

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