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Dresdens vergessene Berufsschule

In Altroßthal lernen Gärtner, Floristen und Pferdewirte, der Standort ist wichtig in Sachsen. Die Sanierung lässt aber auf sich warten. Das sind die Pläne.

Johanna, Julia und Lino lernen an der Berufsschule in Altroßthal. Sie mögen den dörflichen Charakter des Standortes, der aber dringend saniert und erweitert werden muss.
Johanna, Julia und Lino lernen an der Berufsschule in Altroßthal. Sie mögen den dörflichen Charakter des Standortes, der aber dringend saniert und erweitert werden muss. © René Meinig

Dresden. Wer sich für einen Beruf in der Landwirtschaft entscheidet, bekommt bei seiner Ausbildung in Dresden zumindest eines geboten: einen beschaulichen Schulstandort am Stadtrand, Ausblick inklusive. Idyllisch im Grünen liegt das Schlösschen Altroßthal oberhalb der Stadt, die Umgebung ist dörflich.

Was die Jugendlichen, die am Berufsschulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung lernen, in Altroßthal aber nicht vorfinden, ist ein moderner Schulcampus. Hier oben mangelt es an vielem: Es fehlen Fachkabinette, Klassenzimmer, Räume für größere Veranstaltungen, eine Kantine.

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Und was da ist, lässt oft zu wünschen übrig. Die Turnhalle beispielsweise. "Na ja, eigentlich hat sie diese Bezeichnung gar nicht verdient", findet Julia Richter, die eine zwölfte Klasse am Beruflichen Gymnasium besucht. Agrarwissenschaft und Biologie sind ihre Fachrichtungen. Das BSZ hat inhaltlich einiges zu bieten. In 16 Berufen bekommen die Azubis ihre schulische Ausbildung, Schüler lernen am Beruflichen Gymnasium, an der Fachoberschule oder absolvieren ein berufsvorbereitendes Jahr.

Die Besonderheit: Das Schulzentrum hat zwei Standorte. An der Canalettostraße in der Johannstadt lernen Bäcker, Fleischer und Brauer. In Altroßthal werden Gärtner, Floristen sowie Land- und Tierwirte ausgebildet. Pferdewirte werden in Sachsen nur an diesem BSZ unterrichtet - ein begehrter Beruf. Im ersten Lehrjahr sind es derzeit zwei Klassen. Umso mehr bedauert Schulleiterin Anja Unger, dass sie ihren Schützlingen keine besseren Bedingungen bieten kann.

Die Turnhalle befindet sich im ehemaligen Internatsgebäude. Hier standen früher Pferde in ihren Stallungen, nun absolvieren hier 28 Jugendliche ihren Sportunterricht.
Die Turnhalle befindet sich im ehemaligen Internatsgebäude. Hier standen früher Pferde in ihren Stallungen, nun absolvieren hier 28 Jugendliche ihren Sportunterricht. © René Meinig

Seit vier Jahren leitet sie das BSZ - und leidet mit den jeweils 28 Schülern, die in den historischen Mauern von Haus 2 gemeinsam Sport machen müssen. "Das sind ehemalige Stallungen", sagt Anja Unger. Davon zeugen heute noch die dicken Säulen, die den ohnehin begrenzten Platz noch verkleinern. Hier hilft keine Sanierung, eine komplett neue Turnhalle muss her. Erste Pläne für die dringend nötige Modernisierung des Standortes habe das Schulverwaltungsamt vor einigen Jahren vorgestellt, seitdem ist es ruhig geworden. "Dresden hat so viele schöne Gymnasien", sagt Anja Unger. "Nun sind wir mal dran."

Tatsächlich tut sich derzeit einiges in puncto Berufsschulen. Erst kürzlich konnten sich Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) und die Bildungspolitiker im Stadtrat darauf einigen, dass das BSZ für Wirtschaft einen Neubau an der Freiberger Straße bekommen und das BSZ für Elektrotechnik nach Prohlis zieht, ebenfalls in einen neuen Schulkomplex. "Ich habe große Hoffnung, dass wir nicht vergessen werden", sagt Anja Unger. Neben Donhauser haben auch die Bildungspolitiker betont, dass die Sanierung in Altroßthal längst überfällig ist und in Angriff genommen werden muss. 2019 bekannte sich der Stadtrat mit großer Mehrheit zum Schulstandort und seiner Weiterentwicklung.

Rechts im Bild ist das Haus 2 zu sehen, das die Turnhalle beherbergt. Es steht unter Denkmalschutz. Dahinter befindet sich das Schulhaus. Beide Gebäude sollen saniert werden.
Rechts im Bild ist das Haus 2 zu sehen, das die Turnhalle beherbergt. Es steht unter Denkmalschutz. Dahinter befindet sich das Schulhaus. Beide Gebäude sollen saniert werden. © René Meinig

Auf SZ-Anfrage bestätigt Donhauser, dass es bereits erste Überlegungen dazu gibt, wie der Standort entwickelt werden könnte. So soll das Haus 2, das früher als Internatsgebäude genutzt wurde und die Turnhalle beherbergt, saniert werden. Abgerissen werden darf es nicht, weil das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz steht. "Alle baulichen Veränderungen bedürfen einer intensiven Abstimmung mit der Denkmalpflege", so Donhauser. Haus 2 gilt als besonders schutzwürdiges Objekt.

Anders sieht das bei der großen Scheune aus. Sie soll einem Neubau Platz machen, der aber die jetzige Hofstruktur wieder herstellen muss. Zudem sollen eine neue Sporthalle gebaut und das Schulhaus saniert werden. "Der konkrete Beginn der Planung, also die Ausschreibung der Planungsleistungen, ist noch nicht festgelegt, wird aber noch in diesem Jahr erfolgen", kündigt Donhauser an. Dabei werden auch die konkreten Kosten ermittelt. Donhauser rechnet mit etwa 25 Millionen Euro.

Das Schloss und der Park sind ebenfalls denkmalgeschützt. Das Schloss wird inzwischen nicht mehr als Schulhaus genutzt, nun sucht die Stadt nach einer Lösung für das Ensemble.
Das Schloss und der Park sind ebenfalls denkmalgeschützt. Das Schloss wird inzwischen nicht mehr als Schulhaus genutzt, nun sucht die Stadt nach einer Lösung für das Ensemble. © René Meinig

Bis die neuen Klassenzimmer und Fachkabinette zur Verfügung stehen, müssen die Schüler und Lehrer mit Schulcontainern, den sogenannten mobilen Raumeinheiten, vorliebnehmen. Sie wurden auf dem Gelände aufgestellt, demnächst sollen weitere folgen, denn es wird eng im BSZ. Auch, weil die Räume im Schloss weggefallen sind. "Das Schloss ist durch seine Raumstruktur für eine schulische Nutzung nicht geeignet", erklärt Donhauser. Deshalb wurde es aus dem BSZ ausgeplant.

Was passiert nun mit dem Gebäude? Schloss und Park stehen ebenfalls unter Denkmalschutz, eine Sanierung ist kostenintensiv. Dennoch wollen die Dresdner Politiker, dass es in irgendeiner Form genutzt wird. "Der Stadtrat hat die Verwaltung beauftragt, für das Schloss eine Nutzungskonzeption zu entwickeln. Daran wird gearbeitet, hier werde ich mich intensiv persönlich beteiligen", so Donhauser.

Seit 2020 ist das BSZ Klimaschule. Die beiden Abiturienten Julia Richter und Johanna Sacher gestalten mit Lino Schmidt, der am BSZ Garten- und Landschaftsbau lernt, im Innenhof eine Blühwiese für Insekten. Für fünf Jahre wird das BSZ bei Klimaprojekten fi
Seit 2020 ist das BSZ Klimaschule. Die beiden Abiturienten Julia Richter und Johanna Sacher gestalten mit Lino Schmidt, der am BSZ Garten- und Landschaftsbau lernt, im Innenhof eine Blühwiese für Insekten. Für fünf Jahre wird das BSZ bei Klimaprojekten fi © René Meinig

Der Bildungsbürgermeister betont zudem, wie wichtig der Schulstandort für die Landeshauptstadt ist. "Das BSZ hat eine lange Ausbildungstradition und bildet einen wichtigen Pfeiler der Berufsschullandschaft Dresdens sowie weit über die Stadtgrenzen hinaus."

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Umso erfreulicher sei es, so Donhauser, dass es in den Gesprächen mit dem Kultusministerium zur Teilschulnetzplanung Berufsbildende Schulen gelungen ist, auch das Ausbildungsangebot bei den Tier- und Landwirten zu erhalten. "Nicht zuletzt stellt das am BSZ fest etablierte berufliche Gymnasium eine weitere interessante Ausbildungsoption."

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