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Die Wunder der Dresdner Altstadt

76 Jahre nach der Zerstörung ist das historische Dresden wieder da – gut zu sehen am Neumarkt.

Zeitreise in die Pracht der Vergangenheit: Blick auf den Dresdner Neumarkt mit Frauenkirche.
Zeitreise in die Pracht der Vergangenheit: Blick auf den Dresdner Neumarkt mit Frauenkirche. © ronaldbonss.com

Wie die Perlen einer Kette reihen sich der Zwinger, die Brühlsche Terrasse, die Hof- und Frauenkirche, das Coselpalais sowie das Johanneum in der Dresdner Altstadt aneinander. Über 20 barocke Bauten finden sich in diesem Stadtteil mit besonderen Charme und mediterranem Flair. Die Schlendermeile über den neu entstandenen Neumarkt gleicht einer Zeitreise in die Pracht der Vergangenheit und zeigt zugleich das Können moderner Architektur. Fritz Löffler erinnert in seinem Buch „Das Alte Dresden“ daran, dass nach 1710 in der Altstadt das Bauwesen einen gewaltigen Aufschwung nahm. Überstrahlt von der Frauenkirche George Bährs, die zu den bedeutendsten Bauwerken des Barocks zählt, stand das bürgerliche Bauwesen in hoher Blüte. Dresden entwickelte sich zu einer Bürgerhausstadt. Auf dem Neumarkt blieb das bedeutende, historisch gewachsene Stadtbild bis 1945 in seiner geschlossenen urbanen Komposition erhalten. Dann geschah die Katastrophe, erst die Zerstörung durch die Bomben, dann die Beseitigung der Trümmer und der Abriss von Ruinen.

Neumarkt blieb lange freie Fläche

Das alte Zentrum Dresdens: Neumarkt-Fassaden im Sommer.
Das alte Zentrum Dresdens: Neumarkt-Fassaden im Sommer. © René Meinig

Nur einer der vier Treppentürme und der Choranbau der Frauenkirche sowie die Umfassungsmauern des Johanneums blieben von der historischen Bebauung des Platzes bestehen. Während die Rekonstruktion des Zwingers oder der Katholischen Hofkirche schon kurz nach dem Krieg begann, blieb der Neumarkt für viele Jahre eine freie Fläche. Doch 76 Jahre später ist der Neumarkt wieder da. Mit ihm kam das alte Zentrum Dresdens zurück. Was sich jedoch heute an Gebäuden präsentiert, das gab es so nie, weder in dieser Kombination noch zum gleichen Zeitpunkt. Dieser gemütliche Stadtraum ist die Rekonstruktion verschiedener Epochen und Stile vom Barock bis in die Gegenwart. 1969 eröffnete der Kulturpalast und trennte Alt- und Neumarkt großflächig voneinander ab. Etwa zur selben Zeit wurde der Wiederaufbau des Johanneums abgeschlossen. In den späten 1970er-Jahren, als eine Erweiterung des Polizeipräsidiums nötig wurde, kam ein erster neuer Baukörper, ein mit Sandstein verkleideter Plattenbau, terrassenförmig abgestuft, hinzu. Dieser wurde 2005 abgerissen. An der Töpferstraße begann Ende der 1980er-Jahre der Bau des postmodernen Hotels Dresdner Hof, daneben entstanden Plattenbauten mit Wohnungen.

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1990 folgte der „Ruf aus Dresden“, die Frauenkirche wieder zu errichten. 1993 begannen die archäologischen Untersuchungen, im Mai 1994 startete der Aufbau, bis am 30. Oktober 2005 das wieder auferstandene Gotteshaus geweiht werden konnte. Das gab den Impuls für die Neubebauung des Neumarktes und der abgehenden Gassen. Es entstand beispielsweise die gänzlich verschwundene Rampische Straße mit zahlreichen Rekonstruktionen oder nachempfundenen Fassaden wieder, ebenso die Landhausstraße mit dem Palais Beichlingen. Es verfügt, ähnlich wie das Palais de Saxe, über die einzige ganz in Sandstein errichtete Fassade. Sie blieb nach ihrer Zerstörung im Jahre 1945 in so umfangreichem Maße in Einzelteilen erhalten, dass es möglich war, sie authentisch wiederherzustellen. Ein weiteres Beispiele rekonstruierter barocker Architektur ist das Dinglingerhaus am Jüdenhof.

Wiederauferstehung des Residenzschlosses

Enormer Aufwand: Das Dresdner Schloss war das Residenzschloss der sächsischen Kurfürsten und Könige.
Enormer Aufwand: Das Dresdner Schloss war das Residenzschloss der sächsischen Kurfürsten und Könige. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Das historische Zentrum wäre undenkbar ohne einen weiteren Bau, der zerstört war und den es wieder gibt: das Residenzschloss. Es diente einst der Königsfamilie als Wohn-, Repräsentations- und Verwaltungsort. Fast 800 Jahre Geschichte spiegelt das Haus wider. Heute zeigt es sich als selbstbewusstes Museumsareal mit einer kühnen Glaskuppel über dem Kleinen Schlosshof. Eine Inszenierung des Kontrastes, der scheinbar einzeln wirkt, aber letztlich modellhaft steht. Die eindrucksvolle Erscheinung des Großen Schlosshofes wird ganz wesentlich durch die reiche Fassadengestaltung im Sgraffiti bestimmt.

Dort steht oben am Ostflügel in römischen Zahlen der Hinweis auf die Zeit der Rekonstruktion des Gebäudes. Datiert wird sie von 1986 bis 2013, was als kleine Dresdner Kuriosität in die Geschichte eingehen dürfte. Denn mindestens der hier verkündete Endpunkt war schon beim Anbringen der Schrift mehr Wunsch als Wirklichkeit. Noch immer wird am Schloss gearbeitet. Auch der Start des Wiederaufbaus muss infrage gestellt werden. Zwar wurde 1986 mit dem Aufbau des Westflügels begonnen, aber bereits kurz nach der Zerstörung 1945 begannen Dresdnerinnen und Dresdner damit, Trümmer zu beseitigen, die Mauern zu sichern und ab den 1960er-Jahren für eine Zwischennutzung nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen.

Kunst, Pracht und Glaube: Blick in die Dresdner Hofkirche:
Kunst, Pracht und Glaube: Blick in die Dresdner Hofkirche: © René Meinig

Insgesamt ist der Wiederaufbau des alten Zentrums mit Neumarkt und Schloss, nebenan der Semperoper, dem Zwinger, des Taschenbergpalais eine großartige Leistung der vergangenen 70 und insbesondere der vergangenen 30 Jahre. Dass das Erbe der historischen Immobilien auch nach dem Wiederaufbau enormen Aufwand erfordert, zeigt sich gerade an der Katholischen Hofkirche. Nach ihrer Zerstörung 1945 war sie 1965 wieder aufgebaut, bedurfte aber immer wieder intensiver Pflege. Gerade bekamen die Fenster im Erdgeschoss einen besseren Schallschutz und automatische Lüftung. Zusätzliche Leuchten heben jetzt Kunstwerke wie das Altarbild von Anton Raphael Mengs oder die Gemälde-Tafeln des Kreuzwegs deutlicher hervor. Erneuert wurden seit März vergangenen Jahres ebenfalls die elektronische Liedanzeigetafel und die Anlage mit Mikrofonen und Lautsprechern. Saniert wurde zudem die Sakristei. Rund 4,9 Millionen Euro der Kosten übernahm zum größten Teil der Freistaat, der Eigentümer des Gebäudes ist.Erbaut hat die Kathedrale ab 1739 der römische Baumeister Gaetano Chiaveri. Die Kirche ist die einzige im römischen Barock jenseits der Alpen. Chiaveri verließ übrigens nach mehreren Intrigen gegen ihn, lange bevor die Kirche fertig war, 1743 im Streit die Stadt. Auch das hat Tradition in Dresden.

Nächster Teil: Die Palais der Lustbarkeit – von Übigau bis Pillnitz

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