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Die Zuhörer am Nachttelefon

An der Nightline können Studenten in Dresden mit Kommilitonen über Ängste und Probleme sprechen. Doch manchmal brauchen auch die Helfer Hilfe.

Hannah (l.) hofft nach einer nächtlichen Expertenrunde in Dresden, dass ihr Verein Nightline künftig noch bekannter wird.
Hannah (l.) hofft nach einer nächtlichen Expertenrunde in Dresden, dass ihr Verein Nightline künftig noch bekannter wird. © ehrensache.jetzt / Bürgerstiftung

Dresden. Es muss ja nicht gleich der Psychologe sein. Wenn einen abends das Grübelmonster nicht schlafen lässt, kann es manchmal auch helfen, sich jemandem anzuvertrauen. Anonym. Am Telefon. Auch für Studenten in Dresden gibt es dafür eine Nummer: Die sogenannte Nightline kann viermal in der Woche von 21 bis 0 Uhr erreicht werden. Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag. Auf der anderen Seite der Strippe sitzen weder Berater noch Experten, sondern hilfsbereite Kommilitonen.

"Damit ist das Angebot sehr niederschwellig", sagt Hannah, eine von derzeit 35 Studierenden, die sich im Verein Nightline Dresden engagieren. "Die meisten rufen wegen Alltagsproblemen an. Ärger in der WG, Liebeskummer, aber auch Zukunftsängste." Viele wünschten sich einfach einen Zuhörer und erwarteten sich gar keine wertvollen Hinweise, die die Nightline auch nicht bieten könne. Bei ernsthaften Krisen oder gar suizidalen Gedanken greifen Notfallpläne und die Anrufer werden an andere Stellen vermittelt.

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Die Nachfrage sei sehr unterschiedlich, sagt Hannah. Vor allem in der vorlesungsfreien Zeit und vor Prüfungen stehe das Telefon selten still. Gerade in der Corona-Zeit habe es besonders viel Redebedarf bei den Studierenden gegeben, weswegen die Nightliner ihre Anrufzeiten auch unter erschwerten Bedingungen beibehielten.

Auf Instagram fürs Nachttelefon werben

Hannah selbst studiert Deutsch und Kunst auf Lehramt und steht kurz vor dem Abschluss. Bis vor wenigen Monaten saß sie noch selbst regelmäßig nachts am Telefon, hat inzwischen aber die Organisation und die Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Nur deswegen nennt sie auch ihren Namen. Anonymität ist bei der Nightline sonst ausgesprochen wichtig. Auch der Standort des Telefons ist geheim. Ein über das Telefonat hinausgehender persönlicher Kontakt zum Anrufer soll so ausgeschlossen werden. 

Um künftig im Universitäts-Kosmos noch bekannter zu werden, wollen die Nightliner die Studierenden noch besser dort zu erreichen, wo sich sich häufig tummeln. Zum Beispiel bei Instagram. Zwar hatte der Verein dort schon einige Jahre lang ein Profil, über drei Fotos mit plüschigen Nachteulen ging die Kommunikation aber inhaltlich nicht hinaus.

Da kam dem Verein das Projekt „ehrensache.jetzt – nachtaktiv“, initiiert von der Freiwilligenagentur der Bürgerstiftung Dresden, gerade recht.  Dabei halfen in der vergangenen Woche Werbeagenturen und Freiberufler aus der Kreativbranche vier Dresdner Vereinen kostenlos, ihre Öffentlichkeitsarbeit in Schwung zu bringen. Aus 55 Bewerbern wurde unter anderem der Nightline e.V. ausgewählt.

Am Mittwoch von 17 bis 1 Uhr arbeiteten die Experten gemeinsam mit Vertretern des Vereins an einem neuen Instagram-Auftritt für Nightline. "Wir wollten vor allem wissen, was wir, wie und wann posten sollten", sagt Hannah. "Dank der Social-Media-Experten können wir uns nun hoffentlich ein neues Netzwerk aufbauen."

Künftig soll so möglichst jeder Dresdner Student, der allein und verzweifelt zu Hause sitzt, diese Nummer parat haben: 0351 4277345.

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