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Geht eine Tür zu, öffnen sich 24 andere

Im Laubegaster Gerücht bleiben die Fenster dunkel - bis auf zwei. Und an beiden finden treue Gäste weihnachtliche Überraschungen.

Wirt und Urgestein des Gerüchts, Thomas Böhme, hat schon vieles erlebt - eine solche Flaute noch nie. Doch sein Adventskalender soll der unfreiwilligen Stille Glanz verleihen.
Wirt und Urgestein des Gerüchts, Thomas Böhme, hat schon vieles erlebt - eine solche Flaute noch nie. Doch sein Adventskalender soll der unfreiwilligen Stille Glanz verleihen. © Marion Doering

Dresden. Waren das noch Zeiten, als das Saufen schmeckte! Zu keiner Kneipe passt der Slogan besser, als zur Laubegaster "Wohngebietsgaststätte" Zum Gerücht. So nennt ihr Chef Matteo Böhme sie scherzhaft. Denn das ist sein Credo: Den Humor nicht verlieren! Auch nicht, wenn der Lockdown sich ewig anfühlt, ans Eingemachte geht und kein Ende in Sicht ist.

Für viele Laubegaster ist das Gerücht ein zweites Wohnzimmer. Nun bleiben seine Türen zu. Am Tisch sitzt der "letzte Gast" vor einem Absacker und übervollem Aschbecher. Die lebensgroße Puppe sieht lustig und traurig zugleich aus. Für die nächsten 24 Tage kann sie aber nur noch sehen, wer die Nase an eine ganz besondere Fensterscheibe presst.

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Sie leuchtet vor allem in den Abendstunden in warmen Farben: 24 Türchen des Adventskalenders der "lieblichen Kaschemme". Die haben sich Matteos Böhmes Mitarbeiterinnen einfallen lassen und das Adventskonzept dahinter auch: Von Mittwoch bis Sonntag verkaufen sie Winzerglühwein, Speisen und das beliebte selbstgebraute Laubegaster Bier aus einem Fenster heraus - selbstverständlich top coronakonform mit der Order an die werte Kundschaft, alsbald weiterzugehen und keine unerlaubten Grüppchen zu bilden.

Wer die entsprechende Adventstürchennummer auf dem Boden seines Getränkebechers findet, erhält eine Überraschung. Damit will das Team seinen treuen Gästen ein wenig die Stille versüßen, wie es auf Facebook schreibt.

Wie lange sogenannte "mitnahmefähige Heißgetränke" jedoch noch ausgereicht werden dürfen, weiß niemand. Gibt mehr als es 200 Neuinfektionen fünf Tage lang infolge, wird es auch keinen Glühwein to go mehr geben. Aber selbst darauf sind Matteo Böhme und sein Vater Thomas, Wirt und Urgestein des Gerüchts, eingestellt.

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"Wir füllen unser Hausgebrautes ja auch zum Verkauf in Flaschen ab. Dazu kommt demnächst noch unser neues Laubegaster Glühgebräu in der Flasche zum Erhitzen daheim", kündigt Matteo an. Auf diese Weise will er sich im Falle eines Alkoholverbotes zum laufenden Verzehr ein paar Einnahmen mehr mit Flaschenbierverkauf sichern.

"Wirtschaftlich ist das alles nicht", sagt der Geschäftsführer. "Aber wir zeigen unseren Gästen damit, dass wir weiterhin da sind und auf sie zählen." Rund 15 Mitarbeiter habe das Gerücht. Nur ein Teil davon kann jetzt noch arbeiten. "Da trifft es etliche hart!"

Der findige Unternehmer hört nicht auf, sich Alternativen einfallen zu lassen, um zumindest ein wenig Arbeit und Umsatz zu schaffen. "Wir bereiten gerade Geschenkeboxen vor, die unsere Gäste bei uns kaufen und an ihre Lieben zu Nikolaus oder Weihnachten verschenken können", sagt er. "Man darf nur nicht den Antrieb und die Freude verlieren!"

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